Dreiliterauto
Als Dreiliterauto werden Pkw bezeichnet, die einen Durchschnittsverbrauch von ca. 3 Litern Kraftstoff je 100 km haben. Sie zählen zu den sparsamsten Fahrzeugen, die mit Verbrennungsmotoren arbeiten.
| Inhaltsverzeichnis |
Definition im deutschen Steuerrecht
Im Kraftfahrzeugsteuergesetz § 3b (2) (Steuerbefreiung für besonders schadstoffreduzierte Personenkraftwagen) wird der Begriff etwas weiter ausgelegt, hier darf ein Drei-Liter-Auto eine Kohlendioxidemission von 90 g CO2/km nicht übersteigen. Dies entspricht einem Verbrauch auf 100 km von etwa 3,4 Litern Diesel oder 3,8 Litern Benzin.
Handlungsbedarf
Die Notwendigkeit, Fahrzeuge mit einem möglichst geringem Verbauch zu produzieren, ergibt sich aus der steten Zunahme der Zulassungszahlen von Kfz weltweit. Verbrennungsmotoren von Autos sind zu ca. 20 Prozent am weltweiten Aufkommen von CO2 beteiligt, welches einen wesentlichen Teil zur globalen Erwärmung beiträgt. Des Weiteren sind die Erdölvorräte endlich.
Prototypen
Seit Jahren gibt es Versuche, besonders sparsame, aber auch spartanisch ausgerüstete oder durch Hightech-Entwicklungen deutlich teurere Kraftfahrzeuge am Markt zu etablieren. Greenpeace ist der Ansicht, mit der Entwicklung des Twingo Smile einen neuen Weg beschritten zu haben, der eine schnelle und kostengünstige Lösung des Verbrauchsproblems einleiten könnte. Laut Greenpeace liegt das Risiko der Autoindustrie bei Umstellung auf eine solche Produktion nicht im Absatz der verbrauchsgünstigen neuen Wagen, sondern im Absatz der dann für den Verbraucher wesentlich ungünstigeren alten, bereits produzierten Wagen.
Serienfertigung
Der später folgende VW Lupo wurde mit kostenintensiven Techniken (elektrohydraulische Kupplung, Schwungnutzautomatik, Start-Stopp-Funktion) und unter Verwendung von Leichtmetallen wie Aluminium und Magnesium, die in der Produktion einen höheren Energiebedarf haben, gebaut. Dies verteuert das Fahrzeug, so dass eine Amortisation innerhalb der Lebenszeit fraglich erscheint und die Gesamtenergiebilanz verschlechtert wird.
Letztlich scheiterte bislang die Einführung entsprechend ausgerüsteter Fahrzeuge auf breiter Front an:
- dem Preis und somit am Kaufverhalten des Kunden
- dem gewöhnungsbedürftigen Fahrverhalten, das den normalen Kunden unkomfortabel erschien und teilweise verunsicherte, wie bereits der Anfang der 90er Jahre gebaute VW-Golf Ecomatic mit Motorabschaltung zeigte.
- der eingeschränkten Funktionalität und des eingeschränkten Komforts der zumeist auf Kleinstwagen basierenden (Lupo, Smart) Fahrzeuge.
Ein Teil der Technik fand jedoch Eingang in die Serienproduktion "normaler" Pkw, (elektrohydraulische Kupplung, verkleidete Radkappen), insbesondere der Erfolg des Smart zeigt eine zukünftige Richtung auf.
Bislang gefertigte Drei-Liter-Auto Serienfahrzeuge
Diese Fahrzeuge sind zugleich die einzigen als Drei-Liter-Auto konzipierten Serienfahrzeuge.
- VW Lupo 3L TDi
- Audi A2 1,2 TDi (Produktion wird Ende August 2005 eingestellt)
- smart cdi (ohne Euro-4-Abgasnorm)
Nicht zur Serienreife gebrachte Prototypen
- Renault Twingo Smile
- Opel Corsa ECO 3l
- Seat Arosa 3L TDI
Kritik
Zwar wurde die Serienfertigung des Drei-Liter-Autos grundsätzlich begrüßt, dennoch bot die Taktik der Autohersteller teilweise auch Anlass zur Kritik. Folgende Thesen wurden dabei häufig genannt:
- Alle oben genannten Fahrzeuge besitzen einen Dieselmotor. Dieser erzeugt aber Rußpartikel (siehe auch:Feinstaub). Sinnvoller wäre die Verwendung von Hybridmotoren wie beim Toyota Prius.
- Vor allem in den ersten Baujahren des Lupo 3L TDI gab es zahlreiche Berichte von Fahrzeugbränden in Folge von Überhitzungen des Motors. Grund dafür war das aus Gewichtsgründen verwendete Magnesium.
- Die hohen Anschaffungspreise, die dadurch bedingte lange Amortisationszeit und auch die eingeschränkte Funktionalität (Smart, Lupo) haben bislang verhindert, dass sich die Drei-Liter-Fahrzeuge am Markt etablieren konnten. Diese PKWs kämen in der deutschen Durchschnittsfamilie bestenfalls als Zweit- oder Drittwagen in Frage. Die Ersparnis an Erdöl dürfte somit global gesehen wohl kaum ins Gewicht fallen.
- Die Entwicklung von Nachfolgemodellen des VW Lupo 3L TDI (z.B. auf der Plattform des VW Fox) wurde eingestellt. Die Produktion des Audi A2 3L TDI wird Mitte 2005 ohne Nachfolger eingestellt. Auch die Zukunft des Smart cdi ist äußerst fragwürdig.
- Die Drei-Liter-Autos seien deshalb nur Alibi-Projekte um das schlechte Image der Autoindustrie als Umweltzerstörer zu relativieren und so gewissermaßen als Prestigeobjekt zu fungieren. Projekte wie der Bugatti und der Bentley von Volkswagen oder der Maybach und die S-Klasse von Mercedes sowie der von beiden praktizierte Einstieg in das SUV-Geschäft sind mit dem Prinzip Umweltschutz unvereinbar. Eine besondere Bedeutung wird den Ökomodellen in den USA zuteil (siehe auch:Flottenverbrauch).
Siehe auch
- Autoverwertung
- Carsharing
- energiesparende Fahrweise
- Elektroauto
- Fünfliterauto
- Leichtelektromobil
- Themenliste Fahrzeugtechnik
- Themenliste Straßenverkehr
