Dau

Mögliche Erklärungen für die Abkürzung DAU finden Sie in einem separaten Artikel.


thumb|240px|Daus um 1906 vor Daressalam thumb|240px|Dau um 1936 im Golf von Aden

Eine Dau oder auch Dhau ist ein in allen Anliegerländern des Indischen Ozeans zu findender Segelschiffstyp. Die Besonderheiten einer Dau sind ein bis drei einteilige Masten mit zum Teil ausgeprägten vorlichen Fall, großen trapezförmigen Segeln (sog. Settie-Besegelung) und weit ausfallende Steven.

Eine Dau hat einen ebenen, zuweilen zu einer „Hacke“ ausgeprägten Kiel, der ein Abdriften beim Hoch am Wind segeln, verhindert. Ursprünglich wurden Planken untereinander und mit dem Spant mit Kokosfasern verschnürt, heute ist diese Technik durch das Nageln verdrängt.

Die Bezeichnung Dau, auch Dhau, oder im englischen Dhow geschrieben, steht nicht für einen einzelnen Schiffstyp wie Kogge oder Brigg, sondern für eine ganze Familie unterschiedlicher Gattungen mit zum Teil gravierenden Unterschieden, aber auch vielen Gemeinsamkeiten. Unter dem Sammelbegriff „Dau“ werden zur Zeit etwa 60 verschiedene Schiffstypen, von kleinen einmastigen Booten mit 10 Tonnen Verdrängung für die Fischerei bis hin zu 200 Tonnen tragenden Transportschiffen beschrieben.

Ursprung und Bedeutung des Wortes Dau sind ungewiß. Erstmals findet sich die Bezeichnung in den Aufzeichungen des russischen Handlungsreisenden Athanasius Nikitin, der 1470 in Indien eintraf. Er spricht von „Tavs“. Um 1856 veröffentlichte M. Guillain die Abbildung eines einmastigen Schiffes welches er als Dau bezeichnete. Eine andere mögliche Erklärung könnte das persische Wort „dawh“ sein, welches nach alten holländischen Dokument ebenfalls ein kleines Schiff bezeichnet. Das Wort Dau, wie auch immer geschrieben, wird aber von den Einheimischen im Einzugsbereich nicht benutzt. Hier wird stattdessen die genaue Bezeichnung des Schiffstyps verwendet.

Die Dau existiert in ihrer Form schon seit über 2000 Jahren, mit 2-3 mastigen Daus durchfuhren Händler im Mittelalter den gesamten Indischen Ozean. Damit ist die Dau der älteste noch fahrende Schiffstyp. Der Ursprung der Dau liegt eindeutig in Indien von wo sich der Typ langsam über den Indischen Ozean zur arabischen Halbinsel und nach Ostafrika und schließlich ins Mittelmeer ausbreitete. Im indischen Ozean machte man sich die halbjährig wechselnden Monsunwinde zu Nutze. Hierbei handelt es sich im November bis Mai um den Kaskasi, einen Südwestwind, und dem entgegen gesetzt von Mai bis November um den Kusi, einen Nordwestwind.

Ursprünglich hatte die Dau wohl ein Rahsegel, aber dies beruht auf Vermutungen, da bislang keine Dau älter als 1000 n. Chr. gefunden wurde. Im Mittelmeer entwickelte sich das Rahsegel langsam zum viereckigen Settie-Segel mit dem man höher an den Wind gehen konnte. Damit fahren die Daus auch heute noch. Einzig im Mittelmeer entwickelte sich das Segel weiter zum dreieckigen Lateiner-Segel. So auch die Daus in Ägypten, wo sie 'Feluka' (engl.: Felouka) genannt werden. Somit ist eine „Schebecke“ auch nicht eine Verwandte der Dau, auch wenn sie danach aussehen mag.

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches verschwanden auch ziemlich schnell römische Handelsschiffe mit denen der Handel über Persien bis nach Indien betrieben wurde. Diese Lücke besetzte die Dau und sie befuhren Hochseerouten zwischen Arabien, Ostafrika, Indien und China.

Nachdem arabische Krieger 654 n. Chr. Rhodos eroberten und mit ihren Daus bis nach Gibraltar (711 n. Chr.) vordrangen, begannen sich Dau und europäischer Schiffbau gegenseitig zu beeinflussen. Der europäische Schiffbau entwichelte sich von plumpen Küstenseglern zu eleganten Hochseeschiffen und die Dau gewann das Spiegelheck, was sie bei Seegang trockener machte.

Literatur

Weblinks

See also: Dau, 1000, 1470, 1856, 654, 711, Arabien, Arabische Halbinsel, Boot, Brigg