Evolutionär stabile Strategie
In der Biologie ist die evolutionär stabile Strategie oder ESS einer Population jene Verhaltensstrategie, die ihr die Überlegenheit bzw. Immunität gegenüber einem Eindringling gewährleistet. Die Tendenz jedes Lebewesens ist es, eine ESS zu erreichen; andernfalls droht ihr langfristig das Aussterben.
Die ESS (engl. "evolutionarily stable strategy") geht auf die Biologen John Maynard Smith und George R. Price zurück. Nicht nur in der Biologie, sondern auch in der Wirtschaft spielt die ESS eine wichtige Rolle.
Beispiele sind:
- In einem Pokerclub spielen alle Spieler die Strategie X. Nun kommt ein fremder Spieler zu Besuch. Wenn seine andere Strategie Y nicht erfolgreich ist und er kein Geld gewinnt, dann ist es wahrscheinlich, dass er zur Strategie X wechselt (ESS ist wirksam). Wenn seine Y-Strategie aber gewinnbringend ist, dann wechseln alle Mitglieder von Strategie X auf Y. Y ist also die ESS; ein zweites Neumitglied mit Strategie Y würde nicht besser fahren als die jetzigen Clubmitglieder.
- Angenommen, in Europa gäbe es eine Vogelart, die jeden Herbst nach Süden zieht. Wenn nun ein Individuum auftritt, das sich in milden Wintern dazu entscheidet, in Europa zu bleiben, dann hat es den Vorteil, dass es im Frühling schon die (Nahrungs-)Ressourcen anzapfen kann, bevor die anderen Vögel zurückkehren. Mit besseren Fettreserven im Körper ausgestattet ist das Individuum nun fähig, besser als alle anderen Nachkommen großzuziehen. Jene Vögel, die immer nach Süden ziehen, sterben langfristig aus, da sie sich schlechter fortpflanzen. Ebenso ist es für eine Vogelart von Nachteil, immer in Europa zu bleiben; der Winter könnte einmal so kalt sein, dass viele von ihnen sterben und dann die vom Süden zurückkommenden Vögel eine viel bessere Ausgangslage besitzen. Die ESS der Vogelart besteht also darin, je nach Milde des Winters in Europa zu bleiben.
- Das sogenannte Gefangenendilemma ist eine Situation, für die man eine Strategie angeben kann, die explizit einer ESS entspricht.
Wenn es einem Eindringling gelingt, sich mit seiner eigenen, fremden Strategie zu behaupten, spricht man von einer Invasion.
