Niš

Niš (kyrillisch Ниш, deutsch auch Nisch geschrieben) ist die zweitgrößte Stadt im zentralen Serbien und ist gleichzeitig der Hauptverwaltungssitz des serbischen Bezirks Nišava. Die Großgemeinde Niš hat 250.518 Einwohner (2002), die Stadt selbst etwa 175.000 Einwohner.

thumb|Banovina thumb|right|Standort Niš

Gelegen ist die Stadt ca. 250 km südwestlich von Belgrad am Fluss Nišava. In Niš gabeln sich die Hauptverbindungswege von Mitteleuropa in die Türkei und nach Griechenland.

Niš ist Industrie- und Handelsstadt und Sitz eines orthodoxen Bischofs. In Niš befinden sich eine Universität und ein Symphonie-Orchester, Museen, Theater und verschiedene Kultureinrichtungen.

Geschichte

Niš, an der Kreuzung wichtiger europäischer Straßen gelegen wie an der alten so genannten Kaiserstraße, die von Belgrad über Niš, Sofia, Plowdiw und Edirne bis nach Istanbul reichte und der heutigen Europastraße 5 entspricht, ist eine der ältesten Städte des Balkans. Die frühesten Besiedlungen stammen aus der Zeit 4000-3000 v.Chr. Im 3. vorchristlichen Jahrhundert vertrieben die Kelten die Illyrer aus der Gegend um Niš und gründeten die Siedlung Navissos, die Stadt der Fee. Das Römische Reich eroberte die Stadt 75 v. Chr.. Navissos wurde auf Naissus umbenannt und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Kastelle des römischen Balkans. In Naissus wurde 274 auch Konstantin der Große geboren, der als römischer Kaiser das Christentum zur Staatsreligion erhob. Danach gehörte Naissus zu Byzanz. Um 540 siedelten die ersten Slawen um Naissus, die der Stadt ihren slawischen Namen Niš gaben. Die Bulgaren eroberten Niš um 987, doch nach 1024 sollten wieder die Byzantiner die Stadt regieren.

Als erster serbischer Fürst kam Stefan Nemanja 1185 in den Besitz der Stadt, der sie sogleich zu seiner Hauptstadt machte. In Niš empfing Stefan Nemanja Kaiser Friedrich Barbarossa, der als Kreuzfahrer 1189 entlang der Kaiserstraße nach Süden zog. 1190 erneuerte Byzanz seine Herrschaft in Niš, um nach 1205 wieder serbisch und 1208 bulgarisch zu werden. In der darauffolgenden Zeit wechselte die Stadt bulgarische und serbische Herrschaften, um nach 1331 längerfristig zu Serbien zu gehören. 1385 eroberten die Stadt erstmals die Osmanen. Der serbische Fürst Stefan Lazarević konnte Niš seiner Herrschaft angliedern, doch mit der endgültigen Eroberung Serbiens durch die Osmanen 1459 war auch das Schicksal von Niš besiegelt: Von 1448 bis 1878 blieb die Stadt osmanisch. Während der osmanischen Herrschaft war Niš eine der wichtigsten Städte der so genannten Europäischen Türkei und Sitz eines Paschas. Die Osmanen erbauten ebenfalls die heutige Festung von Niš, die als eine der schönsten Beispiele osmanischer Festungsarchitektur gilt und heute jedes Jahr die malerische Kulisse für ein Filmfest abgibt.

Im ersten serbischen Aufstand 1804 bis 1813 brachten serbische Aufständische die Stadt unter ihre Kontrolle. Als die Stadt von den Osmanen belagert wurde und den Aufständischen die Munition ausging, sprengten sich am 31. Mai 1809 circa 1000 Aufständische selbst in die Luft. Die Osmanen erbauten daraufhin als Warnung an die Serben den Totenschädelturm (Ćele Kula), in dem die Schädel der 1.836 gefallenen Aufständischen eingemauert wurden. Heute ist der Schädelturm ein nationales Mahnmal.

1878 wurde Niš schließlich dem Fürstentum Serbien angegliedert. Auch danach verlor die Stadt nicht an ihrer Bedeutung, wurde nach Belgrad die wichtigste Stadt Serbiens und ist bis heute ein wichtiger Handels- und Industriezentrum sowie Verkehrsknotenpunkt Südosteuropas.

Weblinks

See also: Niš, 1024, 1185, 1189, 1190, 1205, 1208, 1331, 1385, 1448