Sowjetische Aktiengesellschaft

Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG) waren in der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) Deutschlands gemäß des SMAD-Befehls Nr. 167 im Jahre 1946 gegründete sowjetische Staatskonzerne, denen beschlagnahmte deutsche Betriebe angegliedert wurden.

Ursprünglich gab es etwa 25 SAG mit 213 Einzelbetrieben, die zwischen 20 bis 30 Prozent der Industrieproduktion in der SBZ herstellten. Die SAG Betriebe wurden als Aktiengesellschaften in den Handelsregistern geführt, ohne dabei aber die Regelungen des deutschen Aktienrechts zu erfüllen. Die SAG produzierten vornehmlich zur Befriedigung der aus den Folgen des Zweiten Weltkrieges resultierenden Reparationsansprüche der UdSSR an Deutschland.

Bis Ende 1951 wurde etwa die Hälfte der SAG als selbständige Organisationen aufgelöst und die SAG-Betriebe den noch verbleibenden SAG angeschlossen. Nach dem Stande von Ende April 1952 gab es folgende SAG (Beschäftigte in Klammern):

Die SAG hatten mit ihren Betrieben von 1946 bis 1953 in der Wirtschaft der SBZ den beherrschenden Einfluß, in einigen Industriezweigen sogar Monopolstellungen. Seit der Übernahme der deutschen Werke waren die Produktionswerte der SAG-Betriebe stetig gewachsen. Nach den Planzahlen des Jahres 1951 betrug der Produktionswert aller SAG-Betriebe 32 Prozent der gesamten Industrieproduktion.

Für 1952 bis Ende 1953, dem Zeitpunkt der "Rückgabe" der SAG-Betriebe in deutsche Verwaltung, lagen keine genauen Zahlen vor. Es darf als sicher angenommen werden, daß die Produktionswerte dieser zwei Jahre nur wenig unter den Zahlen von 1951 lagen. Entsprechend des Abkommens vom 23. August 1953 wurden die SAG Betriebe ohne Zahlung einer Entschädigung an die DDR zurückgegeben. Viele dieser Betriebe wurden anschließend in volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt. Ausnahme bildete hierbei lediglich die SDAG Wismut, deren Uranerzlieferungen für das Atomrüstungsprogramm der UdSSR von großer Bedeutung waren. Die SDAG wurde als Nachfolger einer SAG 1954 unter 50 Prozent Beteiligung der DDR gegründet und existierte bis 1991.

Die Nettogewinne der SAG-Betriebe (außer Uranbergbau) in den Jahren 1946 bis 1953 wurden auf etwa 3,5 Milliarden Mark geschätzt. Die "Rückgabe" in deutsche Verwaltung am 31. Dezember 1953 war praktisch ein Rückkauf durch die Regierung der DDR, wobei der Kaufpreis einen Mindestwert von 2,55 Milliarden Mark betrug. Über die ganzen Entnahmen der UdSSR aus den SAG-Betrieben lagen weder von sowjetischer noch von seiten der DDR irgendwelche Abrechnungen vor. Die Beschlagnahme und Nutzung der deutschen Betriebe durch die sowjetischen Institutionen bildet somit ein Kapitel noch ungeklärter deutscher Reparationsleistungen.


Kategorie:Geschichte der DDR Kategorie:DDR

See also: Sowjetische Aktiengesellschaft, 1946, 1951, 1952, 1953, 1954, 1991, 23. August, 31. Dezember, DDR