Adolf von Harnack
Adolf von Harnack (* 7. Mai 1851 in Dorpat; † 10. Juni 1930 in Heidelberg) gilt als der bedeutendste protestantische Theologe und Kirchenhistoriker des späten 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts.
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Leben
Seine universalgelehrte Bildung erinnert positiv an Thomas von Aquin und negativ an Pangloß in Voltaires Candide. Harnack stand Aquin gleich in einer Umbruchszeit, in der aufklärerisches Denken die Theologie nötigte, auf Philosophie und Wissenschaft argumentativ und institutionell in Akademien, Bibliotheken und Hochschulen einzugehen. Der geistig hochbegabte Theologe gründete bspw. die Max-Planck-Gesellschaft, die aufgrund seiner pangloßartigen Konservativität (Kaiser-Wilhelm-Getreuer) und Optimismus nicht seinen Namen erhielt.
Harnack kommt aus der Welt des baltischen Luthertums, sein Vater Theodosius Harnack war ein strenggläubiger Luther-Forscher an der Universität von Dorpat. Als junger Privatdozent in Leipzig gewinnt er kritische Perspektiven auf die christliche Dogmengeschichte durch die Theologie von Albrecht Ritschl. Harnacks Verständnis des Protestantismus ist das von Reformation und Revolution: Reformation der Heilslehre und Revolution gegen die Autorität der katholischen Kirche, gegen ihren hierarchischen Apparat mit eigener kirchlicher Rechtsordnung und gegen ihre Kultusordnung.
Im wilheminischen Kaiserreich lehrt Harnack an der Universität in Berlin, seine sechzehn Vorlesungen über "Das Wesen des Christentums", die er im Wintersemester 1899/1900 hält, werden von mehr als 600 Studenten aller Fakultäten gehört. Er wird zum politischen Berater mit vielfältigen politischen Kontakten bis hin zum Kanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Im engen Zusammenspiel mit den Reformern der Staatsbürokratie vertritt er eine mittlere Linie, setzt auf Interessenausgleich durch Sozialreformen, Konfliktvermeidung und Konsens, wendet sich gegen kulturkämpferische Polarisierung und Verschärfung der Klassenkonflikte.
Seine Wertvorstellungen sind bürgerlich-liberal, zielen auf eine parlamentarisch-konstitutionelle Monarchie und stehen damit gegen die autoritäre politische Kultur des Kaiserreichs, dessen Reformfähigkeit er überschätzt. Seine traditionskritische Persönlichkeitsreligion enthält starke Sozialideale, die im Reich Gottes symbolisiert sind. Den innerweltlichen Beruf eines Christen deutet er als Dienstpflicht am Gemeinwesen. Harnack wird Präsident der auf seinen Vorschlag hin gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und von 1905 bis 1921 Generaldirektor der Königlichen Bibliothek/(ab 1918:) Preußischen Staatsbibliothek.
Außenpolitisch engagiert Harnack sich für eine Verständigung zwischen England und Deutschland, wendet sich gegen den alldeutschen Imperialismus und rät zu Mäßigung und Ausgleich. Im ersten Weltkrieg aber, den er anfangs unterstützt, schwankt der Unterzeichner des Manifest der 93 zwischen aggressiver Rhetorik und Untergangsstimmung. Seine kulturprotestantische Nationalgeschichte schließt nun die Bereitschaft ein, im Osten deutsche Kultur durch Vasallenstaaten zu sichern. Die Kriegsniederlage und die Revolution von 1918 deutet Harnack als Übergang zu Demokratie und Sozialismus. Gegen die Linie des Mehrheitsprotestantismus, der nun durchweg antirepublikanisch gesinnt ist, engagiert sich der konservative Republikaner entschieden für die soziale Demokratie. Sein Sohn Ernst von Harnack engagiert sich in der SPD, seine Lieblingstochter Agnes von Zahn-Harnack wird eine prominente Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung und tritt in die Deutsche Demokratische Partei ein. Der Widerstandskämpfer Arvid Harnack ist sein Neffe.
Als er 1930 stirbt, war er Professor für Kirchengeschichte an den Universitäten Leipzig, Gießen, Marburg und Berlin gewesen. Sein dreibändiges Lehrbuch der Dogmengeschichte (1886-1890; mehrere erweiterte Neuauflagen) gilt als seine wichtigste theologische Publikation.
Zitate
- „Man klagt darüber, dass unsere Generation keine Philosophen habe. Mit Unrecht. Sie sitzen jetzt nur in einer anderen Fakultät. Sie heißen Max Planck und Albert Einstein“.
Literatur
- Wolfram Kinzig, Ein «Deuter und Prophet»? Der Briefwechsel zwischen Adolf von Harnack und Houston Stewart Chamberlain; in: NZZ, 26. Juni 2004
- Wolfram Kinzig. "Harnack, Marcion und das Judentum. Nebst einer kommentierten Edition des Briefwechsels Adolf von Harnacks mit Houston Stewart Chamberlain", Arbeiten zur Kirchengeschichte, Band 13, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2004
- Agnes von Zahn Harnack, Adolf von Harnack; Berlin 1936
- "Das Wesen des Christentums", Sechzehn Vorlesungen von Adolf Harnack, J.C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig 1900
- Christian Nottmeier: "Adolf von Harnack und die deutsche Politik 1890-1930", Beiträge zur historischen Theologie, Band 124. Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2004
- Björn Biester: Harnack-Bibliographie. Verzeichnis der Literatur über Adolf von Harnack 1911–2002, Erfurt/München 2002
Weblinks
Harnack, Adolf Harnack, Adolf Harnack, Adolf Harnack, Adolf Harnack, Adolf Harnack, Adolf Kategorie:Bibliothekar
| Personendaten | |
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| NAME | Harnack, Adolf von |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | protestantischer Theologe und Kirchenhistoriker |
| GEBURTSDATUM | 7. Mai 1851 |
| GEBURTSORT | Dorpat |
| STERBEDATUM | 10. Juni 1930 |
| STERBEORT | Heidelberg |
