Adventivpflanzen
thumb|280px|Dattelpalme im Sinai, Ägypten - die Dattelpalme, die sich in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg selbst aussäte, würde man als Adventivpflanze bezeichnen. Sie hat wenig Chance, sich fest in Mitteleuropa zu etablieren Als Adventivpflanzen bezeichnet man solche Pflanzen, die sich vorübergehend an einem nicht ihrem Ursprungsgebiet entsprechendem Ort etablieren konnten, die aber nicht in der Lage sind, mit allen am Standort vorkommenden Bedingungen zurechtzukommen und dann beispielsweise während eines strengen Winters oder einer ungewöhnlichen Trockenperiode eingehen. Im Gegensatz dazu sind Archäophyten vor 1492 eingeführt und haben sich bereits seit langer Zeit als Teil des Ökosystems etabliert, während Neophyten nach 1492 eingeführt werden. Während viele Neophyten sich in ihrem neuen Lebensraum in Nischen etablieren, gibt es auch eine Reihe von Neophyten wie das Drüsiges Springkraut oder den Riesen-Bärenklau, die sich in Mitteleuropa als problematische Pflanzenarten herausgestellt haben.
Als Adventivpflanze würde man beispielsweise die Dattelpalme bezeichnen, die in Berlin-Kreuzberg entdeckt wurde und die zumindestens einige milde Berliner Winter überlebte. Auch die Feigen, die an klimatisch begünstigten Stellen Mitteleuropas wachsen, würde man derzeit eher dieser Gruppe zuordnen.
Adventivpflanzen findet man häufig an Frachtbahnhöfen, entlang von Bahnstrecken und Hafengebieten sowie Flughäfen. Der Samen ist dort häufig zufällig mit dem Import von Waren dort eingeführt (sogenannte Agochorie). Auch durch Saatgutverunreinigungen werden gelegentlich neue Pflanzen in Lebensräume eingeführt, die sich kurzfristig fortpflanzen konnten (sogenannte Speirochorie). Agochorie und Speirochorie sind Unterformen der Hemerochorie.
