Affine Geometrie
Die affine Geometrie ist eine Verallgemeinerung der Euklidischen Geometrie, in der zwar das euklidische Parallelenaxiom gilt, aber Abstand und Winkel keine Bedeutung haben.
Im Sinne des Erlanger Programms von Felix Klein wird die affine Geometrie als Inbegriff der unter affinen Abbildungen invarianten geometrischen Eigenschaften eingeführt.
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Definition
Von einer affinen Geometrie spricht man, wenn man eine Menge von Punkten
, eine Menge von Geraden
, eine Inzidenzrelation I zwischen
und
sowie eine Parallelitätsrelation
auf
gegeben hat, und folgende Axiome erfüllt werden:
- Durch zwei Punkte geht genau eine Gerade.
- Auf jeder Gerade liegen mindestens zwei Punkte.
- Die Parallelitätsrelation
ist eine Äquivalenzrelation
- Durch jeden Punkt geht genau eine Gerade, die zu einer gegebenen Gerade parallel ist.
- Wenn ein Dreieck ABC gegeben ist, und zwei Punkte A' und B' derart, dass die Gerade gAB parallel zu der Geraden gA'B' liegt, so gibt es einen Punkt C so, dass auch gAC parallel zu gA'C' und gBC parallel zu gB'C' liegen.
Schreib- und Sprechweise
- Punkte werden mit großen lateinischen Buchstaben bezeichnet.
- Geraden werden mit kleinen lateinischen Buchstaben bezeichnet.
- Gilt für
und
so sagt man, A inzidiert mit g, oder A liegt auf g oder g geht durch A.
- Gilt für
so sagt man, g und h sind parallel.
- Seien
zwei Punkte, so wird die nach dem ersten Axiom eindeutig definierten Gerade durch a und b mit gAB bezeichnet.
Beispiele
- Durch Vektorräume erzeugte affine Räume:
- Der euklidische Anschauungsraum, kann mit einem dreidimensionalen Vektorraum über
erzeugt werden.
- Die euklidische Ebene kann durch einen zweidimensionalen Vektorraum über
erzeugt werden.
- Triviale Beispiele sind:
- eine Gerade auf der alle Punkte liegen,
- ein einzelner Punkt und
ist leer,
- sowohl
als auch
sind leer
- Die kleinst affine Ebene ist die Ebene die durch den zweidimensionalen Vektorraum über den endlichen Körper
erzeugt werden kann. Sie besteht aus den Punkten
und den Geraden
. Ferner gilt
- Der euklidische Anschauungsraum, kann mit einem dreidimensionalen Vektorraum über
Alle durch Vektorräume erzeugte affine Geometrien erfüllen den großen affinen Satz von Desargues. Es gibt aber auch affine Geometrien, die nicht den großen affinen Satz von Desargues erfüllen, sie können mithin nicht durch einen Vektorraum erzeugt werden. Ein Beispiel hierzu ist die
- Moulonsche Ebene
Hat die affine Geometrie mehr als zwei Dimensionen, so wird der große affine Satz von Desargues immer erfüllt, trivialerweise auch, wenn die affine Geometrie weniger als zwei Dimensionen hat. Der große affine Satz von Desargues ist mithin nur für affine Ebenen von Bedeutung.
Literatur
- Günter Ewald: Geometrie, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3-525-40536-7
