Agent Orange
Dieser Artikel befasst sich mit Entlaubungsmittel Agent Orange, andere Bedeutungen unter Agent Orange (Begriffsklärung).
Agent Orange ist der militärische Codename eines Herbizids mit Wirkstoff 2,4,5-Trichlor-Phenoxyessigsäure-Butylester. Es wurde im Vietnamkrieg am 7. Februar 1967 erstmalig durch die US-Armee zur Entlaubung von Bäumen eingesetzt.
Es wurde nach einem breiten Farbstreifen auf den Giftfässern benannt. Weitere, weniger bekannte Gifte sind Agent Blue, Agent Purple, Agent Green, Agent Yellow, Agent Pink und Agent White.
Bis zum Ende der Operation „Ranch Hand“ („Bauernhilfe“) im Jahr 1971 gab es mehr als 6.000 Einsätze. Ziel war die Entlaubung der Wälder, um einerseits Verstecke und Versorgungswege des Gegners aufzudecken und andererseits die Militärbasen und Flugplätze im dichten Dschungel erweitern zu können. Darüber hinaus wurden auch Ackerflächen bespritzt, um dem Feind die Nahrungsgrundlage zu entziehen.
Agent Orange ist flüssig und wird als Aerosol aus Flugzeugen oder Helikoptern versprüht.
Hergestellt und geliefert wurde Agent Orange damals von der Firma Dow Chemical, dem heutigen Gentechnik-Konzern Monsanto, dem deutschen Chemieunternehmen Ernst Boehringer sowie vom tschechischen Unternehmen Spolana in Neratovice (als das Elbehochwasser 2002 das Firmengeglände überschwemmte, kam die Firma noch einmal in die Schlagzeilen, weil eine Verbreitung von hochgíftigen Substanzen befürchtet wurde).
„Kollateralschäden“
Da das Mittel jedoch eine Verunreinigung von bis zu 0,05 mg/kg TCDD (Dioxin) enthielt, führt es bis heute zu erheblichen irreversiblen gesundheitlichen Problemen bei der Bevölkerung der ehemaligen Einsatzgebiete. Zum Vergleich: 80g dieses Dioxins im Trinkwasser könnten die Einwohner der Stadt New York töten.
Laut Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes leiden circa 100.000 Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange. Diese sind: Krebs, Missbildungen, Immunschwächen und nachhaltige Erbgutveränderungen. Andere Schätzungen setzen die Zahl der Opfer erheblich höher auf ca. 4 Millionen an. Da viele vietnamesische Neugeborene der dritten Generation noch mit schweren Missbildungen zur Welt kommen, dürfte die höhere Zahl eher der Wahrheit nahe kommen.
Auch im Vietnamkrieg eingesetzte US-Soldaten sind von diesen Symptomen betroffen. Als der Zusammenhang zwischen den Gesundheitsschädigungen und dem Dioxin anerkannt wurde, erhielten die betroffenen Soldaten, nach einem Gerichtsbeschluss von 1984, von den Herstellerfirmen Dow und Monsanto 180 Millionen Dollar als Entschädigungszahlungen.
Schätzungen zufolge hat das US-Militär während des Vietnamkrieges über 50 Millionen Liter Agent Orange (90 Millionen Liter Herbizide insgesamt) über Vietnam, Kambodscha und Laos versprüht.
Die US-Regierung und das Militär leugnen bis heute einen kausalen Zusammenhang zwischen Agent Orange und den oben genannten Krankheiten. Eine Gruppe vietnamesischer Opfer hat gegen die amerikanischen Chemieunternehmen Klage eingereicht. Die Klage wurde aber im März 2005 abgewiesen, da im Falle der Anerkenntnis der Ansprüche dies „die Türen der Gerichte des amerikanischen Rechtssystems für Bürger und Soldaten früherer Feinde, die behaupten, von den Streitkräften der Vereinigten Staaten während des Krieges geschädigt worden zu sein, öffnen würde.“
Siehe auch: Chemische Waffe
Weblinks
- agentorange.reflection.org - Buch und Fotoausstellung zu den Folgen von Agent Orange
- "Stichwort Asien" zu Agent Orange aus der Zeitschrift "in Asien!" (Ausgabe 6/2004)
- "Nertovice - Zeitbombe an der Elbe"
- "AGENT ORANGE a Spolana Neratovice" (tschechisch)
- Englische Seite mit chemischen Erklärungen und Strukturformeln
- Greenpeace Magazin: Die Erben von Agent Orange
