Agglutinierender Sprachbau
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In einer agglutinierenden Sprache wird eine Bedeutungseinheit, beispielsweise Person, Zeit, Kasus, durch ein einzelnes Affix ausgedrückt. Darin liegt der Unterschied zu den fusionalen Sprachen, welche verschiedene grammatische Kategorien in einem Affix fusionieren, oder im Laufe ihrer Entwicklung mehrere Affixe durch teilweise drastische Änderung zusammengequetscht haben. Auch ist es wichtig, dass sich die einzelnen Morpheme nicht gegenseitig beeinflussen.
Beispiele:
- Die finnische Wortform taloissani "in meinen Häusern" kann folgendermaßen zerlegt werden: talo ("Haus") + i (Plural) + ssa (Inessiv, "in") + ni (zeigt Besitz durch eine 1. Person Singular an, "mein").
- Die türkische Übersetzung von "in meinen Häusern" erfolgt ganz ähnlich. Über ev "Haus", evler "die Häuser", evlerim "meine Häuser" gelangt man schließlich zu evlerimde.
- Die ungarische Version folgt dem gleichen Prinzip: ház ("Haus") -> házam ("mein Haus") -> házaim ("meine Häuser") -> házaimban ("in meinen Häusern"). (Aber der Plural wird nicht immer mit dem Infix _-i-_ gebildet! ház -> házak ("Häuser") -> házakban ("in Häusern").)
Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass der Unterschied zwischen agglutinierenden und fusionalen Sprachen oftmals weniger scharf als viel mehr kontinuierlich fließend ist. Verschiedene Sprachen tendieren mehr in die eine oder andere Richtung, rein agglutinierende oder rein fusionale sind selten.
Manchmal wird der Name agglutinierende Sprachen auch als Synonym für synthetische Sprachen verwendet, wodurch auch flektierende Sprachen und fusionale miteinbezogen werden, obwohl dies technisch inkorrekt ist.
Gute Beispiele für agglutinierende Sprachen sind die uralischen Sprachen, Mongolisch, Türkisch, Baskisch, Japanisch, Koreanisch, die dravidischen Sprachen, Inuktitut, Swahili, Malaiisch und Esperanto, und in einem gewissen Rahmen auch Deutsch und Holländisch. Weitere Beispiele aus der früheren Geschichte sind auch die meisten Sprachen des Irans und des Nahen Ostens, wie Elamitisch, Hurrianisch, Urartu, Hethitisch, Guti, Lullubi, Kassitisch sowie Sumerisch, die älteste geschriebene Sprache der Welt.
Die agglutinierenden Sprachen sind bisher nicht vollständig nach Sprachfamilien gruppiert, wenn auch Finnisch und Ungarisch miteinander verwandt sind, wie auch möglicherweise Japanisch und Koreanisch. Vielmehr hat sich diese Eigenschaft bei einer Vielzahl separater Sprachen durch konvergente Evolution entwickelt.
Agglutinative Sprachen neigen zu einer hohen Zahl an Affixen/Morphemen pro Wort und zu großer Regularität. Beispielsweise kennt das Japanische nur 3 (nicht sehr) irreguläre Verben, und das türkische sogar nur eins.
