Agovis
Als Agovis (von einem Website-Betreiber erfundenes Kunstwort aus griech. agora „freier Platz“ u. lat. divis, der Bindestrich), abwertend auch Deppenleerzeichen, bezeichnet man ein überflüssiges, falsch gesetztes Leerzeichen innerhalb eines Kompositums.
Beispiel: Tomaten Suppe oder Deppen Leer Zeichen
Diese Schreibung ist sowohl nach alter als auch nach neuer deutscher Rechtschreibung unzulässig. Viele Leser empfinden sie als unästhetisch und störend, da sie den Lesefluss unterbricht und eine falsche Betonung auf dem letzten Bestandteil suggeriert.
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Vorkommen
Allgemein ist ein Anstieg falsch gesetzter Leerzeichen zu verzeichnen. Ein unrühmlicher Vorreiter schon seit (wenigstens) 1981 sind die „Frankfurt Feste“. In der Werbebranche wird diese Schreibweise seit einiger Zeit (ca. seit 2000) bewusst als Stilmittel eingesetzt, z. B. in Produkt- und Markenbezeichnungen. Auch im allgemeinen Schriftverkehr, vor allem im Internet, ist sie seit etwa dieser Zeit vermehrt anzutreffen.
Ursachen
Die Hauptursache ist vermutlich die zunehmende Anglisierung der deutschen Sprache. Im Englischen werden Komposita in der Regel getrennt geschrieben. Beim Übertragen von englischen Texten ins Deutsche (auch und gerade bei maschineller Übersetzung) kann es passieren, dass die Leerzeichen irrtümlich übernommen werden: aus car wash wird Auto Wäsche.
Eine weitere mögliche Ursache kann in der Tendenz der neuen Rechtschreibung zur Getrenntschreibung liegen, nach der beispielsweise viele ehemalige Verbzusammensetzungen auseinander geschrieben werden dürfen. Dies wird vereinzelt irrtümlich so interpretiert, dass jetzt „alles getrennt geschrieben“ werden dürfe.
Eine automatische Rechtschreibprüfung kennzeichnet die getrennte Schreibweise häufig nicht als falsch, da das Programm nicht erkennen kann, dass das Wort zusammengeschrieben werden muss.
Außerdem ist es vermutlich so, dass durch das häufige Auftreten der falschen Schreibweise Nachahmungseffekte auftreten. Je öfter eine Schreibweise anzutreffen ist, desto häufiger wird sie auch kopiert. Hier kann vermutet werden, dass bei den Schreibenden ein mangelndes Problembewusstsein vorliegt.
Leerzeichen in Eigennamen
Eigennamen entziehen sich generell den Rechtschreibregeln; daher kann man gegen Benennungen wie „Max Ernst Museum“ [sic!] zwar ästhetische, aber keine orthographischen Bedenken erheben.
Ausblick
Solange diesem Problem weiterhin wenig Beachtung geschenkt wird, kann man davon ausgehen, dass die Tendenz zur falschen Getrenntschreibung anhält oder sogar weiter verstärkt wird.
Auch eine Gegenbewegung ist nicht auszuschließen: Da bei Neugestaltungen von Firmen-, Marken- und Institutionennamen absichtlich falsche Getrenntschreibungen und Binnenmajuskeln sehr häufig geworden sind, könnte die korrekte Verwendung von Bindestrichen eine Aufmerksamkeit wecken, die die allgegenwärtigen Falschschreibungen inzwischen längst nicht mehr erreichen.
Siehe auch
- Orthographie
- Apostrophitis, Binnenmajuskel, Plenk – weitere Falschschreib-Phänomene
- Durchkopplung – wie man Wörter richtig zusammensetzt
- Zusammengesetztes Substantiv – hier eine weitere Erklärung zu Komposita
Weblinks
- http://www.agopunktion.de/
- http://www.deppenleerzeichen.de/
- http://www.niederelbe.de/noranetz/bindestrich.htm
Kategorie:Typografie
