Akkord-Skalen-Theorie

Die Akkord-Skalen-Theorie ist ein wesentlicher Bestandteil der modernen Harmonielehre. Sie besagt, dass zwischen Akkorden und Skalen (Tonleitern) eine sehr enge Wechselbeziehung besteht, weil sie die gleichen Töne enthalten. Diese Theorie ist in der modernen Musik, etwa dem Jazz, von großer Wichtigkeit, weil sie dem (improvisierenden) Musiker ein Hilfsmittel liefert, mit dem er einem Akkord eine Skala zuordnen kann und umgekehrt.

Grundlage: Die Tonale Harmonik

Bei Akkorden sind die Töne üblicherweise in Terzen geschichtet und erklingen gleichzeitig, während sie bei Skalen in Sekunden angeordnet sind und hintereinander gespielt werden. Wenn man voraussetzt, dass der Basiston des Akkords mit dem Grundton der dazugehörigen Skala identisch ist, dann lässt der Akkord sich als "Skalenausschnitt" betrachten: Er lässt nur bestimmte Töne aus, die die Skala zusätzlich enthält. Eigentlich aber ist er mit dieser identisch.

Das zeigt ein einfaches Experiment: Führt man die Terzschichtung vom Grundton einer Skala aus mit leitereigenen Tönen weiter, dann enthält der siebenstimmige Akkord bereits sämtliche Töne der ihm zugeordneten Skala. Diese lässt sich also als Akkord darstellen, wie auch umgekehrt der Akkord als Tonleitersymbol darstellbar ist. Beispiel:

Der leitereigene Vierklang auf der Tonika der C-Dur-Tonleiter heißt Cmaj7 und enthält die Töne c, e, g und b. - "B" entspricht der internationalen Bezeichnung, während derselbe Ton nur im Deutschen "H" genannt wird: siehe dazu Standard Chord Symbol Notation. - Fügt man diesem Akkord weitere Terzen, also die Töne d, f und a hinzu, dann enthält der sich ergebende Klang alle sieben Töne der C-Dur-Skala. Bezeichnet werden die zusätzlichen Töne als Stufen 9, 11 und 13 über dem Basiston c = "1": Demgemäß lautet das Akkordsymbol Cmaj7/9/11/13.

Dabei wird ein tonales Zentrum angenommen. Dieser Grundtonbezug ist für beide, Akkorde wie Skalen, entscheidend: Sonst wäre die Zuordnung einer bestimmten Skala zu einem vorgegebenen Akkord oder umgekehrt nicht eindeutig möglich. Baut man einen Akkord nicht nur aus Tönen einer einzigen Tonleiter auf, dann wird der Grundton tendenziell mehrdeutig. Schichtet man z.B. die Töne c - e - g - b - d zu einem Fünfklang, dann erscheint c als Grundton der dazugehörigen Tonleiter. Führt man die Terzschichtung aber im Wechsel von großer und kleiner Terz fort, dann wäre die nächste Terz über d der Ton Fis, nicht F. Fis ist aber kein leitereigener Ton von C-Dur mehr, so dass der Akkord diese Tonleiter als Basis verlassen hätte.

Dies stellt zunächst nur den Grundton, nicht jede Tonalität in Frage. So gehen Jazz-Harmoniker gemäß der Akkord-Skalen-Theorie davon aus, dass dem mit einer erhöhten 4. Stufe erweiterten Dur-Akkord (in C-Dur: der Ton Fis statt F) dann eben die lydische Skala (c-d-e-fis-g-a-b-c) zu Grunde liegt. Deren eigentlicher Grundton wäre dann aber nicht mehr C, sondern G, da "Lydisch" gemäß der Akkordskalentheorie der IV. Stufe einer Durtonleiter zugeordnet ist.

Setzt man die Schichtung im Wechsel von großen und kleinen Terzen über einem Basiston einer Dur-Tonleiter konsequent fort, dann ließe sich so daraus der komplette "rechtsdrehende" Quintenzirkel in Dur ableiten (C-G-D-A-E-B-Fis-Cis-Gis-Dis-Ais-Eis-"His"=C) Daraus ergibt sich, dass die Akkord-Skalen-Theorie auf dem Dur-Moll-System beruht, wobei Moll hier auf Natürlich-Moll begrenzt ist.

Im Sinne dieser Theorie eindeutige Akkorde bestehen eigentlich aus Vierklängen über einem Basiston (in C-Dur: den Tönen c-e-g-b). Die weiteren Terzen (in C-Dur: die Töne d-fis-a) werden daher auch "Optionen" genannt. Manche Jazz-Harmonielehren definieren sogar nur den Dreiklang (in C-Dur: c-e-g) als Grundakkord und beziehen schon die Septime (die 3. Terz über dem Basiston, in C-Dur: b) in die optionalen Zusatztöne ein.

Siehe auch

Literatur

Frank Haunschild, "Die neue Harmonielehre" Band I, 1997, ISBN 3927190004

See also: Akkord-Skalen-Theorie, Akkord, Akkordsymbol, Funktionsharmonik, Harmonielehre, Jazz, Jazzharmonik, Optionston, Quintenzirkel, Sekunde (Musik)