Albert Richter

Albert Richter (* 1912 in Köln-Ehrenfeld, † 1940 in Lörrach, Radrennfahrer, der 1932 Weltmeister im Sprint (Bahnradsport) bei den Amateuren wurde.

Richter kam 1940 unter ungeklärten Umständen im Gefängnis in Lörrach ums Leben, mutmaßlich von der Gestapo getötet, weil er jüdischen Mitbürgern geholfen und eine kompromisslose Haltung gegenüber dem NS-Regime gezeigt hatte. Er ist auf dem Ehrenfelder Friedhof begraben.

Richter wurde 1912 im Kölner Arbeiterviertel Ehrenfeld geboren. Schon mit 16 Jahren bewies sich sein außerordentliches Talent als Rennfahrer. Mit 20 gewann der junge Kölner überraschend in Rom die Sprint-Weltmeisterschaft der Amateure, kurz darauf wechselte er zu den Profis. Bis zu seinem Tod war er der herausragende Sprinter-Star Deutschlands, dem allerdings nur der Gewinn etlicher Vize-Weltmeisterschaften gelang, jedoch kein weiterer WM-Sieg. Richter war auch im Ausland äußerst populär, besonders in Frankreich, wo er zahlreiche Rennen bestritt.

Richter stand den nationalsozialistischen Machthabern kritisch gegenüber. So verweigerte er mitunter den Hitlergruß sowie das Tragen eines Trikots mit Hakenkreuz. Er bezeichnete die Nazis als „Verbrecherbande“ und sah sich nach Kriegsbeginn in der vertrackten Lage, als Soldat eingezogen zu werden: „Ich kann nicht auf Menschen schießen, die ich liebe“. Außerdem hielt er entgegen damaligen Bestimmungen an seinem jüdischen Manager Ernst Berliner fest. Für einen weiteren jüdischen Freund wollte er Ende Dezember 1939 Geld in die Schweiz schmuggeln, wurde dabei jedoch vor dem Grenzübergang erwischt. Indizien weisen darauf hin, daß er von einem Sports-„Kameraden“ an die Gestapo verraten wurde. Am 2. Januar 1940 lag er tot in seiner Zelle, die offizielle Version lautete „Selbstmord“. Doch mehrere Augenzeugen, die den Toten gesehen hatten, sprachen von Einschußlöchern und Blutspuren. thumb|Grabstein von Albert Richter Die Verbandszeitung schrieb nach seinem Tode: „Sein Name bleibt für alle Zeiten in unseren Reihen gelöscht.“ Diese Drohung blieb lange Zeit furchtbare Realität, bis die Hamburger Filmemacher Raimund Weber und Tillmann Scholl sich Ende der 80er Jahre auf die Spuren von Richter begaben. (Dokumentarfilm: "Auf der Suche nach Albert Richter - Radrennfahrer" 90 Min., 16mm, Farbe, Strumvogel-Filmproduktion Hamburg im Auftrage des NDR, Erstsendung: 23.12.1989 NDR3)Inzwischen wurden die Radrennbahn in Köln sowie ein Nachwuchswettbewerb des Bundes Deutscher Radfahrer nach Albert Richter benannt und ein Buch „Der vergessene Weltmeister“ (Emons Verlag, Köln – vergriffen) über ihn geschrieben.

Albert Richter, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung, war ein Sportler, der „durch seine kompromisslose Art und seine Zivilcourage an einer verbrecherischen Zeit zugrunde ging."

Die Radrennbahn in Köln-Müngersdorf wurde 1996 nach ihm benannt.

An der ehemaligen Rheinlandhalle in Köln-Ehrenfeld, in der ab 1928 die Kölner Sechstage- und andere Radrennen veranstaltet wurden und Albert Richter Anfang der 30er seine ersten Radrennen fuhr, ist eine Gedenktafel für ihn angebracht. Er wurde auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt.


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Personendaten
Richter, Albert
Radrennfahrer
1912
Köln-Ehrenfeld
1940
Lörrach

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