Alblimes
Eine römische Grenzlinie des späten 1. Jahrhunderts nach Christus auf der Schwäbischen Alb. Die Länge des Alblimes von Rottweil (Arae Flaviae) im Südwesten bis Heidenheim (Aquileia) im Nordosten betrug knapp 135 Kilometer.
Der Alblimes bestand aus einer Kette von Kastellen, von denen die meisten an der Rhein-Donau-Wasserscheide, also auf der Kammlinie der Alb, lagen. Der Alblimes war nicht mit Wall, Graben, Mauer oder Palisade befestigt, vielmehr markierte hier die Straße zwischen den Kastellen die Grenzlinie.
Der Alblimes entstand im Zuge des Baus der Kinzigtalstraße und der Gründung des römischen Rottweil im Jahre 73/74 n. Chr. Zumindest die südwestlichen Kastelle des Alblimes (Lautlingen, sowie die vorgelagerten Kastelle Sulz a. N. und Geislingen a. R.) dürften gleichzeitig entstanden sein. Nicht ganz gesichert ist die Datierung der weiteren Kastelle des Alblimes Burladingen-Hausen, Gomadingen, Donnstetten (Clarenna), Urspring (Ad Lunam) und Heidenheim (Aquileia). Überwiegend wird die Gründung im Jahre 74 angenommen, aber auch eine Entstehung erst unter Kaiser Domitian um 84 n. Chr. gilt als möglich. Genaueres kann mangels exakt datierbarer Funde bisher nicht gesagt werden. Bislang wurde erst ein Kastell des Alblimes - das in Urspring - durch Ausgrabung erforscht.
Der westliche Teil des Alblimes von Rottweil bis Donnstetten markierte nur für kurze Zeit die Außengrenze des römischen Reiches, nämlich bis zur Vorverlegung der Grenze vom Rhein an Odenwald und Neckar unter Kaiser Trajan (vermutlich) im Jahre 98 n. Chr.. Der östliche Teil des Alblimes von Donnstetten bis Heidenheim blieb hingegen bis um 122 n. Chr. Außengrenze des Imperium Romanum. Spätestens um diese Zeit verlor der Alblimes seine militärische Bedeutung.
Ende der 1990er Jahre wurden die Reste einer seit langem bekannten antiken Befestigung bei Deggingen im oberen Filstal als römisches Kastell erkannt. Dieser Fund (ca. 12 Kilometer nordöstlich von Donnstetten) diente offenbar als Flankenschutz im Vorfeld des Limes, der hier eine ziemlich tiefe Einbuchtung aufwies, und ist ein Hinweis auf die Bedeutung von Donnstetten/Clarenna in römischer Zeit. Das Kastell Deggingen erklärt außerdem zumindest teilweise, wieso die römische Straße von Köngen nach Donnstetten außerhalb des Lautertal-Limes (also aus römischer Sicht in Feindesland) verlaufen konnte.
Der größere Teil des Alblimes liegt auf dem Gebiet der Provinz Rätien, nur die westlichen Kastelle Lautlingen, Geislingen a.R., Rottweil und Sulz sind obergermanisch.
Teilweise werden auch die römischen Kastelle in Oberdorf a. I. (Opia), Munningen (Losodica) und Nördlingen (Septemiacum?) dem Alblimes zugerechnet. Sie sind vermutlich um 84 n. Chr. entstanden.
