Alemannische Dialekte
thumb|350px|Verbreitung des Alemannischen Als Alemannisch bezeichnet man eine Reihe von oberdeutschen Sprachen bzw. Großdialekten, die auf den Volksstamm der Alemannen zurückgehen. Alemannisch wird von etwa 10 Millionen Menschen gesprochen.
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Einteilung
Schwäbisch
Merkmale: Mittelhochdeutsch hûs, îs → hous, eis ([ejs]), und nicht → huus/hüüs, iis wie in den anderen alemannischen Dialekten.
In Württemberg und Bayerisch-Schwaben.
- Oberschwäbisch
- Unterschwäbisch
- Allgäuerisch (Norden)
Hochalemannisch
Merkmale: Anlautendes /k/ ist zum Frikativ [x] geworden, und nicht zu [kʰ] oder [kx] wie im Niederalemannischen.
- Schweizerdeutsch (ohne höchstalemannische Dialekte und ohne Baseldeutsch):
- westliches Schweizerdeutsch (z.B. Berndeutsch); Unterschiede zum östlichen Schweizerdeutschen: Diphthonge [ei ou øi] und nicht [ai au ɔi]; Verben mit zwei Pluralformen auf ([-ə -ət -ə]) und nicht nur mit einer einzigen (meist [-əd̥ -əd̥ -əd̥]).
- östliches Schweizerdeutsch
- Liechtensteinisch
- im Markgräflerland
- im Südschwarzwald
- im Sundgau (Süd-Elsass)
Höchstalemannisch
Merkmale: Keine Diphthongierung im Hiatus, also [ʃniːə(n) buːə(n)] und nicht [ʃneijə bouwə] (schneien, bauen); Verben meist mit drei Pluralformen ([-ə(n) -ət -ənt]); meist erhaltenes Endungs-n.
- Berner Oberland
- Uri, Ob- und Nidwalden
- Sensebezirk im Kanton Freiburg
- Wallis, z.B. Lötschental
- vom Wallis aus (siehe Walser) besiedelte Sprachinseln:
- im Tessin (Bosco/Gurin)
- in Italien (Gressoney an der Südseite des Monte Rosa)
- im Kanton Graubünden, z.B. Obersaxen, Rheinwald, Davos, Prättigau
- in Liechtenstein (Triesenberg)
- in Vorarlberg: Großwalsertal, Kleinwalsertal, Tannberg
Niederalemannisch
- Allgäuerisch (Süden)
- Wälderisch
- Südbadisch
Oberrheinalemannisch
Eine niederalemannische Dialektgruppe.
Bodenseealemannisch
Ein Übergangsdialekt zwischen Schwäbisch und Niederalemannisch.
- Vorarlbergisch
- in der Baar
- im Bodenseeraum
Alemán Coloneiro
Eine Sprache in Venezuela, die sich aus der alemannischen Sprache des Jahres 1843, unter dem Einfluss einiger anderer Dialekte Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz, entwickelt hat. Siehe auch: Kolonisation thumb|Alemannische Sprache
Sprachbesonderheiten
- Diminutiv: Der Diminutiv (Verkleinerungsform) wird in allen alemannischen Großdialekten viel verwendet. In den nördlichen und östlichen Dialekten wird er durch das Suffix -le, in den südlichen Dialekten durch das Suffix -li ausgedrückt (z.B. Häusle - Hüüsle - Hüüsli - Hiisli für Häuschen, Kendle - Chindli für Kindlein)
- Konjugation von sein
- Unterschwäbisch: I ben - Du bisch - Er isch - Mir send - Ihr send - Dui send - Partizip Perfekt: I ben gwä
- Allgäuerisch: I bi - Du bisch - Är isch - Mir send / sönd - Ihr send - Dui send - Partizip Perfekt: I bi gsi
- Unteres Markgräflerland: Ich bi, Du bisch, Är isch, Mir sin, Ihr sin, Si sin - Partizip Perfekt: Ich bi gsi
- Voralpland: I bee - Dou bisch - Är isch - Mr send - Ihr send - Dia send - Partizip Perfekt: I bee gsei
- Östliches Schweizerdeutsch:I bi - Du bisch - Är isch - M(i)r send / sönd /sinn - I(i)r sönd /sind - Di sönd - Partizip Perfekt: I bi gsi
- Westliches Schweizerdeutsch: I(g) bi, Du bisch, Är isch, Mir sy, Dihr syt, Si sy. Partizip Perfekt: I(g) bi gsi/gsy. Imperativ: Bis!
- Höchstalemannisch (Sensebezirk): I bö, Dù bösch, Är isch, Wier sy, Ier syt, Si sy. Partizip Perfekt: I bö gsy
- Höflichkeitsformen
- Im alten Baseldytsch wird oft die 3. Person Singular für die Höflichkeitsform verwendet: „Steigen Sie auch aus?“ „Stygt dr Herr au us? (Steigt der Herr auch aus?)“
- Im Hoch- und Höchstalemannischen wird oft die 2. Person Plural „Ihr“ verwendet, insbesondere im Berndeutschen. So würde man „Möchten Sie noch ein Stück?“ übersetzen mit „Weit'er no nes Stück?“. Außerhalb des Berndeutschen ist diese Höflichkeitsform durch den Einfluss der Schriftsprache selten geworden und gilt heute außerhalb des berndeutschen Sprachraums oft als unanständig, da es nicht direkt auf eine Person eingeht.
Der signifikanteste Unterschied zwischen nieder- und hochalemannisch ist die Aussprache des Lautes -ch- nach den Buchstaben -e-, -i-, -ä-, -ö-, -ü-, und Konsonanten: Im niederalemannischen wird dieser Laut wie im Hochdeutschen ausgesprochen ("Becher"), im hochalemannischen wie -ch- in "Bach".
Die Alemannische "Sprache" ist nochmals in Dialekte einzuteilen. So gibt es noch das Schwarzbubendeutsche, das eine Mischung aus Baslerdialekt, französischen Wörtern und solothurner Dialekt ist.
Die einzelnen Dialekte unterscheiden sich manchmal weitgehend voneinander. So wird z.B. in der Stadt Bern nicht der gleiche Dialekt gesprochen wie im Simmental oder im Emmental.
Beispielsatz
- Mutter: Warst du einkaufen?
- Fritzchen: Ja, ich habe drei Kilogramm Kartoffeln, 250g Butter, ein Glas Johannisbeer-Marmelade und eine Packung Spaghetti gekauft.
Weil am Rhein, Südbaden
- D`Müder: Bisch uff'm Märt go iigchaufe gsi?
- S`Fritzle: Joo, ich ha drei Kilo Grumbiire, ä halbs Pfund Angge, ä Glaas Zanderle-Guezäle un ä Päckli Schbageddi gchauft.
Mehr Übersetzungen: Alemannischer Beispielsatz
Alemannische Dialektdichtung
- Johann Peter Hebel
- Hermann Burte
- Philipp Brucker
- André Weckmann
- Markus Manfred Jung
- Doris Haas-Schlegel
- Liesel Meier - s'Breiti-Lieseli
Weblinks
- Alemannisches Wörterbuch & Alemannische Gedichte
- Muettersproch-Gsellschaft
- Badisches Wörterbuch
- http://www.schwarzwald-alemannisch.de.vu/
- http://www.alemanne.info/
- Alemannisch für Anfänger
- Alemán Coloneiro
- Dialektserie von Friedel Scheer-Nahor
