Alexander Wendt

Alexander Wendt wird heute zu den wichtigesten amerikanischen Vertretern des Konstruktivismus in den Politikwissenschaften gezählt. Mit seinem viel beachteten und diskutierten Aufsatz von 1992 in der Zeitschrift International Organization 46,2: „Anarchy is what states make of it: the social construction of power politics“ begründete er den strukturellen Konstruktivismus in den Politikwissenschaften.

Sich auf liberale Theorien berufend, griff er das neorealistische Paradigma an, in einem anarchischen Zustand wären Staaten nur in Ausnahmefällen fähig miteinander zu kooperieren, da sie egoistisch, allein an der eigene Sicherheit interessiert, agierten. Wendt argumtierte, das Handeln von Staaten würde nicht nur von „Strukturen“ sondern auch von „Prozessen“ (interagieren und lernen) beeinflusst. In Lern- und Interaktionsprozessen sind Staaten fähig nicht nur ihr Verhalten, sondern auch ihre Identitäten und Interessen zu verändern. Somit sind Staaten fähig miteinander zu kooperieren genauso, wie sie fähig sind egoistisch zu handeln. Er versuchte die Interessen und Identitäten der Akteure (also der Staaten) endogen in seinem Modell des strukturellen Konstruktivismsus zu erklären. Diese „Sozialtheorie“, die versuchte Interesse und Identitäten von Akteuren zu erklären, nannte er Nicholas Onuf folgend „Konstruktivismus“ und führte diese Theorie erstmalig in die Politikwissenschaften ein. Seine Theorie entstand angesichts der dramatischen Veränderungen im internationalen System ende der 80er Jahre, dem Ende des Kalten Krieges.

„My objective in this article is to build a bridge between these two tradtions [Liberalismus und Rationalismus] (…) by develpoping a constructivist argument, drawn from strucutationist and symbolic interactionist sociology, on behalf of the liberal claim that international institutions can transform state identities and interests. In contrast to the “economic” theorizing that dominates mainstream systemic international scholarship, this involves a “sociological social psychological” form of systemic theory in which identities and interests are the dependent variable.” (Wendt, A. 1992. in IO 46,2. S. 394).

Seit 2004 ist er Mershon Professor für International Security, im Department of Political Science an der Ohio State University mit den Schwerpunkten: Theorie der Internationalen Beziehungen, Philosophie der Sozialwissenschaften und Internationale Organisationen. Vorherige Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren die University of Chicago (1999-2004: Associate Professor, Department of Political Science), das Dartmouth College (1997-1999: Associate Professor, Department of Government)und die Yale University (1995-1997: Associate Professor, 1989-1995: Assistant Professor,Department of Political Science).

Eine umfangreiche Liste seiner Publikationen findet ihr unter: http://psweb.sbs.ohio-state.edu/faculty/wendt/vita.pdf[1]--80.64.176.27 11:20, 8. Jun 2005 (CEST)

See also: Alexander Wendt, Anarchie, Kalter Krieg, Konstruktivismus, Politikwissenschaften, Politischer Neorealismus, Strukturalismus