Algol 60

Die Programmiersprache Algol 60 wurde von 19581963 unter der Führung der Association for Computing Machinery (ACM) und der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM), später dann der International Federation for Information Processing (IFIP), entwickelt. Beteiligt waren unter anderem John Backus, Friedrich Ludwig Bauer, John McCarthy, Peter Naur, Alan J. Perlis, Heinz Rutishauser und Klaus Samuelson. Der Name Algol ist eine Kurzform für Algorithmic Language, 60 steht für das Jahr der »Fastfertigstellung« (ein Diskussionsentwurf wird manchmal als Algol 58 zitiert; die endgültige Fassung stammt aus dem Jahre 1963).

Inhaltsverzeichnis

Der Sprachentwurf

Algol 60 war als international entwickelte, von kommerziellen Interessen unabhängige, portable Programmiersprache in erster Linie für wissenschaftliche, das hieß damals numerische, Zwecke gedacht. Interessanterweise gab es auch nichtnumerische Anwendungen, weil ihre Einfachheit und für damalige Verhältnisse weitgehende Freiheit von Restriktionen sie angenehm zu benutzen machte.

Algol 60 war ein Meilenstein in der Geschichte der Programmiersprachen:

Eigenschaften

Algol 60 führte das Prinzip der Blockstruktur und der Sichtbarkeit von Variablen ein:

Die Sprache kannte zwei Möglichkeiten, Parameter an Funktionen und Prozeduren zu übergeben. Sie unterschieden sich durch die Art, wie die Parameter-Variablen behandelt wurden:

Algol 60 war die erste prozedurale Programmiersprache, die Rekursion ermöglichte.

Algol führte mit LISP das Prinzip der Formatfreiheit in Programmiersprachen ein. Dabei hat ein Schlüsselwort immer die selbe Bedeutung, unabhängig von der Position im Programm. In den damals vorherrschenden Sprachen FORTRAN und COBOL war die Positionierung der Anweisungen auf den Lochkarten dagegen entscheidend – ein Schlüsselwort konnte je nach Position eine andere Bedeutung haben.

Beispiel

Das folgende (vollständige) Algol-60-Programm gibt "HALLO, WELT" auf dem Ausgabekanal 2 aus:

'COMMENT' HALLO, WELT PROGRAMM IN ALGOL 60;
  'BEGIN'
     OUTSTRING(2,'('HALLO, WELT')');
  'END'
 

Wirkungen/Bedeutung/Nachfolger

ALGOL war ein großer Fortschritt gegenüber seinen Nachfolgern -- C.A.R. Hoare.

Algol 68 war dem Namen zum Trotz ein völliger Neuentwurf, der ein geteiltes Echo fand. Der wichtigste Nachfolger war Simula 67. Niklaus Wirth entwickelte aus Algol 60 die Sprache Algol-W (Algol-Wirth), welche zur Grundlage von Pascal werden sollte.

Wirtschaftlich war Algol weniger bedeutsam als FORTRAN oder COBOL. Allerdings beeinflusste es stark die Entwicklung späterer Programmiersprachen, zum Beispiel von PL/1, Pascal, C und sogar noch die des in den 1990ern entwickelten Java. Diesen Nachfolgern war zum Teil wesentlich größerer Erfolg beschieden.

Der Ansatz, die Syntax einer Sprache mit Hilfe der Backus-Naur-Form formal zu beschreiben, ist inzwischen bei Entwurf und Dokumentation von Programmiersprachen allgemein üblich.

Siehe auch

Weblinks


Kategorie:Programmiersprache

See also: Algol 60, 1958, 1963, Alan J. Perlis, Algol 68, Algorithmus, Association for Computing Machinery, Backus-Naur-Form, COBOL, C (Programmiersprache)