Alkohol (Chemie)

[[Bild:Alkhol.jpg|thumb|147px|Isopropanol (= 2-Propanol) in Sicherheitsflasche]] Chemisch sind Alkohole eine Gruppe organischer Verbindungen, in denen eine oder mehrere Hydroxylgruppen (OH-Gruppe), gebunden jeweils an ein gesättigtes Kohlenstoffatom, vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Methanol (Methylalkohol, Holzgeist) ist der einfachste Alkohol, mit der Summenformel CH3OH und der Strukturformel

Bild:methanol.png

Ethanol (Ethylalkohol, Weingeist), der auch zum Genuss geeignete Trinkalkohol, hat die Summenformel C2H5OH, und folgende Struktur:

Bild:ethanol.png

Propanol (C3H7OH) existiert in zwei unterschiedlichen Isomeren:

Bild:propan-1-ol.png Bild:propan-2-ol.png
1-Propanol 2-Propanol

Die homologe Reihe der Alkanole setzt sich fort über Butanol, Pentanol, Hexanol ... usw.

Wertigkeit

Man bezeichnet Alkohole mit einer OH-Gruppe auch als einwertig, Alkohole mit zwei oder drei OH-Gruppen als zwei- bzw. dreiwertig (Diole/Triole), und Alkohole mit vier oder mehr OH-Gruppen als mehrwertig oder allgemein als Polyalkohole (Polyole).

Der einfachste zweiwertige Alkohol ist 1,2-Ethandiol (Glykol):

bild:glycol.png

Ein dreiwertiger Alkohol ist 1,2,3-Propantriol (Glycerin):

bild:glycerin.png

Primär, sekundär, tertiär

Daneben gibt es die Bezeichnung primärer, sekundärer und tertiärer Alkohol. Primäre Alkohole haben eine weitere Alkylgruppe an dem Kohlenstoffatom, an das die OH-Gruppe gebunden ist. Sekundäre (tertiäre) Alkohole haben zwei (drei) weitere Kohlenstoffatome an dem Kohlenstoffatom, an das die OH-Gruppe gebunden ist.

Folgende Verbindung, in chemischer Nomenklatur 2-Methyl-2-Propanol genannt, ist ein tertiärer Alkohol.

bild:tert-butanol.png

Eigenschaften

Die kurzkettigen Alkohole sind leichtbewegliche, farblose Flüssigkeiten, die mittleren sind von öliger Konsistenz; die längerkettigen (ab dem Dodecanol) sind weiße Feststoffe.

Durch die polare OH-Gruppe sind kurzkettige Alkohole hydrophil. Sie mischen sich mit Wasser und lösen manche Ionen. Mit einem hohen pKs-Wert sind sie aber nur schwach sauer und deprotonieren nur mit starken, wasserfreien Basen wie Natriumamid in flüssigem Ammoniak zu Alkoholaten.

Mit wachsender Länge der Kohlenwasserstoffkette werden Alkohole zunehmend hydrophober.

Alkohole werden in der chemischen Industrie als Lösungsmittel und als Frostschutzmittel eingesetzt.

Der Schmelzpunkt von Ethanol liegt bei -114.5 °C, der Siedepunkt bei 78,32 °C.

Alkohole sind oft gesundheitsschädlich und teilweise äußerst giftig. 25 Gramm Methanol sind schon lebensgefährlich; geringere Mengen führen zur Erblindung.

Fest- und Kochpunkte, Löslichkeit

thumb|Fest- und Kochpunkte einiger Alkanole im Vergleich zu Kohlenwasserstoffen Legende:
  1. Festpunkte der homologen Reihe der Alkane
  2. Festpunkte der homologen Reihe der einwertigen, primären, linearen, unverzweigten Alkanole
  3. Kochpunkte der homologen Reihe der Alkane
  4. Kochpunkte der homologen Reihe der einwertigen, primären, linearen, unverzweigten Alkanole
  5. Kochpunkte von Ethandiol-1,2 - Propandiol –1,3 und Butandiol-1,4
  6. Kochpunkt von Glycerin

Abhängigkeit der Kochpunkte:

  1. Im Vergleich zu Kohlenwasserstoffen mit der gleichen Molaren Masse haben Alkanole einen höheren Fest- und Kochpunkt, da die Hydroxylgruppe Wasserstoffbrückenbindungen ausbildet.
  2. Je mehr Hydroxylgruppen ein Molekül aufweist, desto mehr Wasserstoffbrückenbindungen können ausgebildet werden, desto höher ist der Kochpunkt.
  3. Zwischen den Kohlenwasserstoffresten bilden sich zusätzlich Van-der-Waals-Kräfte aus. Deswegen ist der Kochpunkt um so höher, je länger der Kohlenwasserstoff-Rest ist.
  4. Da die Stärke der Van-der-Waals-Wechselwirkungen nicht nur von der Zahl der CH-Glieder im Kohlenwasserstoffrest sondern auch von der Oberfläche des Restes abhängig ist, weisen stark verzweigte, kugelige Moleküle mit der Hydroxylgruppe in der Mitte einen niedrigeren Siedepunkt auf als unverzweigte, langgestreckte, primäre Alkanole.

Abhängigkeit der Löslichkeit:

  1. Die Fähigkeit der Hydroxylgruppe, auch zu Wassermolekülen Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden zu können, ist für die gute Löslichkeit vor allem kurzkettiger Alkanole verantwortlich.
  2. Je mehr Hydroxylgruppen eine Alkanol aufweist, um so besser ist seine Wasserlöslichkeit.
  3. Diesem Effekt wirkt allerdings der hydrophobe, also Wasser abweisende, unpolare Kohlenwasserstoffrest entgegen: Je länger er ist, um so geringer ist die Wasserlöslichkeit des Alkanols.
Anzahl der C-Atome Molare Masse in g/mol Systematischer Name Trivialname Schmelzpunkt in ° C Siedetemperatur in °C Löslichkeit in Gramm pro Liter Wasser
Homologe Reihe der einwertigen, primären, linearen, unverzweigten Alkanole
1 32,0 Methanol Holzgeist -97,8 63,5
2 42,1 Ethanol Alkohol, Ethylalkohol, Weingeist -114,1 78,3
3 60,1 Propanol-1 n-Propylalkohol -126,2 97,2
4 72,1 Butanol-1   -89,3 117,7 79
5 88,2 Pentanol-1 n-Amylalkohol -78,2 128,0 23
6 102,2 Hexanol-1   -48,6 157,1 6
7 116,2 Heptanol-1   -34,0 176,2 2
8 131,2 Octanol-1   -14,9 195,2 0,5
9   Nonanol-1        
10   Dekanol-1   6 228 0
11           0
12   Dodekanol-1 Laurylalkohl 38 259 0
13           0
14   Tetradekanol-1 Myristylalkohol 49 - (167) 0
15           0
16     Cetylalkohol 58 - (189) 0
          0
26     Cerylalkohl     0
          0
30     Myricylalkohol     0
einwertige, verzweigte Alkanole
3 60,1 Propanol-2 Isopropylalkohol, Isopropanol -88,5 82,3
4 74,1 Butanaol-2 Sekundärer Butylalkohol -114,7 92,5 125
4 74,1 2-Methylpropanol-1 Isobutylalkohol -108 107,9 100
4 74,1 2-Methylpropanol-2 Tertiärer Butylalkohol 25,7 82,6
5 88,2 Pentanol-2     120,5  
5 88,2 Pentanol-3     115,6  
5 88,2 2-Methylbutanol-1     128,9 36
5 88,2 3-Methylbutanol-1 Isoamylalkohol -117 130,8 20
5 86,2 2-Methylbutanol-2   -8,4 102,2  
5 88,2 3-Methylbutanol-2     111,8  
5 83,2 2,2-Dimethylpropanol-1 neo-Pentylalkohol, tertiärer Amylalkohol -12 102 125
mehrwertige Alkanole
2 62,1 Ethandiol-1,2 Ethylenglykol, 1,2-Glykol -15,6 198
  76 Propandiol-1,2 Propylenglykol   187
  76 Propandiol-1,3     215
  90 Butanddiol-1,2     192 0
  90 meso-Butandiol-2,3   34 183
  90 Butandiol-1,4   16 230
3 104 Propantriol-1,2,3 Glycerin 18 290
weitere Alkanole
5 96 Cyclopentanol   -19 140  
6 100,2 Cyclohexanol   25,2 161 36
3 58 Propenol-3 Allylalkohol -129 97
4 71 Buten-2-ol-1 Crotylalkohol -30 118 166
Phenole
7 108,14 C6H5CH2OH Benzylalkohol -15 205 39
8 126 C6H5CH(OH)CH3 alpha-Phenylethylalkohol 21 205 0
8 126 C6H5CH2CH2OH beta-Phenylethylalkohol -27 221 16
13 192 (C6H5)2CHOH Diphenyltricarbinol, Benzhydrol 69 298 0
19 292 (C6H5)3COH Triphenylcarbinol 162,5 >360 0

Anmerkung:

  • bei Kochpunkt: Die Substanz zersetzt sich vor erreichen des Kochpunktes. Werte in Klammern geben den Kochpunkt bei 20 hPa Druck an.
∞ bei Löslichkeit: unbegrenzt mit Wasser mischbar.

Bei einzelnen Werten kann es in der Literatur zu Abweichungen kommen. (Siehe Diskussion:Alkohol (Chemie))

Reaktionen

Zwei Alkohole können zu einem Ether kondensieren. Mit Carbonsäuren reagieren Alkohole unter Wasserabgabe zu Estern, diese Reaktion wird Veresterung genannt. Primäre Alkohole lassen sich zu Aldehyden, sekundäre Alkohole zu Ketonen oxidieren. Mit Aldehyden reagieren Alkohole zu Halbacetalen, Halbacetale reagieren nochmals mit Alkoholen zu Acetalen.

Siehe auch

Phenol, Ether, Ketone, Aldehyde

See also: Alkohol (Chemie), 2-Propanol, Acetale, Aldehyd, Aldehyde, Alkohol, Alkoholat, Ammoniak, Basen