Alltag im Dritten Reich
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Der Doppeleintrag zum Artikel Alltag im Dritten Reich befindet sich unter Zeit des Nationalsozialismus. –ahz 20:35, 18. Jun 2005 (CEST)
Der Vorgang der Machtergreifung und Gleichschaltung, der einer „Selbstkrönung“ gleicht, tat der NSDAP keinen Abbruch. Ihr gelang es trotz Entmachtung des Volkes und Auslöschung klassisch- deutscher Literatur, immer mehr Anhänger zu finden und ihre Popularität zu steigern: „Jeder wollte nun dazugehören“. Doch es konnte sich vielmehr kaum einer mehr der übermächtigen Partei verwehren. Es entwickelte sich ein regelrechter Druck zum Eintritt in die NSDAP. Der reelle Zulauf zu der Partei jedoch wurde geschürt durch einen neuen wirtschaftlichen Aufstieg, der nach dem „New Deal“ in den USA und der sich nach der Weltwirtschaftskrise (nach 1929), in den meisten europäischen Ländern wiedererstarkenden Wirtschaft zu erwarten war. Die Propaganda- Maschinerie jedoch machte dies zu einem allein deutschen Erfolg. Die deutsche Wirtschaft, und dies ist nicht eine solche Finte, wurde durch die NS- Arbeits- und Wirtschaftspolitik zusätzlich zu der Erholung der Weltwirtschaft innerlich gestärkt: Staat und Volk wurden „verparteilicht“. Die Ordnung der Partei existierte parallel zu jener des Staates. Nach und nach wurden auch Mitgliedschaften in Parteiorganen obligatorisch. Dies war eines der wirtschaftlichen Erfolgsrezepte der NSDAP. Allein der Reichsarbeitsdienst (RAD), eine Art gigantische Arbeitsbeschaffung für Deutsche, senkte die besonders hohe Arbeitszahl von mehr als 6 Mio. (Frühjahr 1932), der die Bevölkerung politisch radikalisierte und die Zahl der sog. „Verzweiflungswähler“ bis zum Frühjahr 1933 in die Höhe trieb. Mit dem „Vierjahresplan“ von 1936 stiegen zudem die Ausgaben für das Militär („Kanonen statt Butter“). Es wurde „auf Pump“ aufgrüstet. „Deficit spending“ wurde hier praktiziert: Rezessionen, die durch temporären Nachfragemangel entstehen wird entgegengewirkt, indem der Staat selbst mit seiner Finanzkraft (aber im Wesentlichen durch Aufnahme von Staatsschulden) als Nachfrager agiert und die Binnenwirtschaft stärkt. Kein neuer ökonomischer Handlungsspielraum, aber Hitler setzte auf dieses Mittel. Die hohen Auslandsschulden, die begleicht hätten werden müssen, hätten unvermeidlich eine neue starke Rezession zur Folge gehabt. Das 3. Reich entging diesem Wirtschafts- Kollaps mit der Führung von Angriffskriegen und der rigorosen Ausbeutung fremder Staaten. Das Reich wurde flächendeckend umgestaltet und nach allen „überwundenen“ Krisen wieder neu aufgebaut: Der Reichsarbeitsdienst wurde überall als Helfer für einen Neuaufschwung verwendet: Ausbau- und Ausweitung von Schifffahrtswegen, landwirtschaftliche Bebauung größerer Ländereien und die Ausweitung des Straßennetzes: Insbesondere wurde der alte Plan zur Schaffung von Autobahnen aufgegriffen und durch den RAD verwirklicht.
Wie bereits erwähnt hatten die Medien, besonders als wichtiges Instrument zur Meinungsbildung eine wesentliche Rolle. Es bestand das Problem, dass nicht jeder fähig war die Worte des nationalsozialistischen Führers zu hören; hier ist folgendes erwähnenswert: „Was Hitler war, war er als Redner“ [J.C. Fest]. Man kann nicht von der Hand weisen, dass er in seiner Funktion eine Art hypnotische Wirkung auf seine Zuhörer gehabt hat. Dieser Wirkung waren sich die NS- Demagogen bewusst und es kam zur Vorstellung der nahezu legendären Propagandawaffe der Nazis, des Volksempfängers im August 1933 auf der Funkausstellung in Berlin: ein Radio, dass für jeden einfachen Arbeiter erschwinglich war und ihn zur Absorbierung der Propaganda befähigte. Eine deutsche Erfindung wurde nach 1935 zu einem weiteren Projekt, das im kleinen Maßstab betrieben wurde, zur Propagandaverbreitung: Das Fernsehen. Ab März 1935 wurde weltweit erstmals ein regelmäßiges Fernsehprogramm ausgestrahlt. Ein Luxus den sich nur etwa 100 Deutsche leisten konnten. Der Experimentalbetrieb wurde jedoch wieder 1939 wegen mangelnder Kriegswichtigkeit auf Eis gelegt. Alles, was auch im Fernsehen lief, wurde auch in den Kinos gezeigt: die Wochenschau (NS- Nachrichtensendung), aber besonders Propagandafilme, u.a. auch mit parawissenschaftlichen Inhalten, wie Jud Süß, der den Rassenwahn und die Menschenfeindlichkeit des NS- Regimes unterstreicht. Fredericus Rex (1943/44), Münchhausen (1943) und der „Durchhaltefilm“ Kolberg (1945), der den erfolgreichen Befreiungskrieg gegen die napoleonische Herrschaft als heroisches Vorbild für den in die Endphase gehenden Kampf gegen die Rote Armee propagieren sollte, sind weitere Beispiele für die NS- Unterhaltungsfilme.
Die Lebensführung der Deutschen änderte sich schlaghaft im September 1939 mit Beginn des 2. Weltkrieges: Man versuchte ein neues „November 1918“ zu vermeiden und versuchte, der Bevölkerung den Krieg nicht spürbar zu machen; so als wäre er nicht existent. Dieses Vorhalten falscher Tatsachen konnte nicht lange aufrecht erhalten werden, keinesfalls existierte Normalität: Noch im September wurden Treibstoffe rationalisiert und waren nur geregelt auf Bezugsscheine zu erhalten. Im Folgemonat folgten Lebensmittel, wie z.B. Fette, im November 1939 dann auch Textilien (Reichsfettkarte, Reichskleiderkarte). Auch während 1939/40 (Zeit der Blitzkriege) noch vergleichsweise wenige deutsche Soldaten fielen, so änderte sich nach 1941, nicht nur vor dem Hintergrund weiterer Zwangsbewirtschaftungen auf Bezugsscheinen, auch mit Zunahme der Gefallenen die „Heimatfront“. In den Tageszeitungen- volle Seiten mit gefallenen Soldaten in den Familienanzeigen. Dies veränderte auch das Gesicht der Gesellschaft: Im Reich lebten fast nur noch Kinder, Greise und Frauen, die in Rüstungsbetrieben oftmals Nachschub für die Front lieferten. Immer mehr wurde diese von Spenden aus der Heimat abhängig. Nach 1943 wendete sich der selbst ausgerufene „Totale Krieg“ gegen das eigene Volk: Das Deutsche Reich wurde durch dauerhafte Luftangiffe, dem „Terror-bombing“ auf lange Sicht zermürbt. Doch im Wesentlichen hielt die „Heimatfront“. Der Einfluss der Partei wirkte so stark, dass die Deutschen ihr- leider Viele bis zum bitteren Ende- folgten.
