Allaussöhnung

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Allaussöhnung bezeichnet eine Bibelauslegung, nach der sich letztlich Gott mit allen Geschöpfen und alle Geschöpfe sich mit Gott versöhnen werden, also eine gegenseitige Versöhnung.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsklärung

Neben Allaussöhnung werden auch die Begriffe Allversöhnung, christlicher Universalismus oder Apokatastasis ("Wiederbringung Aller" (WA); griechisch: Apokatastasis panta) (oft auch synonym) verwendet:

  1. Allaussöhnung – Die Lehre einer Allaussöhnung stützt sich auf die neutestamentliche Aussage, dass Gott in Zukunft das All mit sich aussöhnen wird. (Kol. 1:20). Zentral in diesem Zitat ist das Verb aussöhnen (gr. apokatallasso pas), im Gegensatz zu versöhnen (gr. katallasso) oder sühnen (gr. hilaskomai). "Apokatallasso pas" kann nach Wortteilen übersetzt mit "Herab-ab-ändern des Alls" oder "gründliche Veränderung/Wechsel des Alls" wiedergegeben werden. Mit "pas" kann in der Auslegung von Anhängern der Allversöhnung nur die Menschheit gemeint sein, da die Versöhnung mit leblosen Dingen unmöglich ist.
  2. Allversöhnung – Der auch oft fälschlicherweise synonym verwendete Begriff Allversöhnung wird dabei einseitig gesehen und nach folgender Stelle als schon geschehen betrachtet: "Denn wenn wir, als wir Feinde waren (als Nichtchristen), mit Gott durch den Tod Seines Sohnes versöhnt (gr. katallasso) wurden, wieviel mehr werden wir, nun versöhnt (gr. katallasso) in Seinem Leben gerettet werden!" (Römer 5:10). Von Aussöhnung kann demnach erst bei einer beidseitigen Versöhnung gesprochen werden; Allversöhnung ist in diesem Sinn die schon geschehene Vorbereitung der Allaussöhnung.
  3. Apokatastasis – Der Begriff Wiederbringung Aller oder Apokatastasis entstammt Apostelgeschichte 3:21 "Ihn (Jesus) muss der Himmel aufnehmen bis auf die Zeit, da alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn". Im Unterschied zur Allaussöhnung, die von einem noch einzigartigen Endzustand ausgeht (also nicht von einer Wiederbringung redet), spricht diese Stelle nach Meinung vieler Ausleger von der Wiederherstellung der Theokratie im 1000-jährigen Reich. Die Verkündung der Allaussöhnung wird statt dessen vor allem bei dem Apostel Paulus gesehen, der daher auch von der Enthüllung eines Geheimnisses redet (z. B. Römer 16:25 ff).

Biblische Grundlage

Die Lehre der Allaussöhnung befasst sich mit dem Ausgang der Menschheitsgeschichte und sieht diese als Heilsgeschichte, durch die Gott Sein Heil bewirkt.

Nach dieser Auslegung ist die Allaussöhnung geschehen, wenn sich erfüllt hat: "Alles hat sich Christus untergeordnet" (1. Kor. 15:25-28, siehe auch Kol. 1:15-17; Eph. 1:9,10,20-23, Phil. 3:21), "damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge" und jede Zunge huldige: "Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters" (Phil. 2:11, Jes. 45:23-24), was nur in Heiligem Geist möglich ist (1. Kor. 12:3). Diese Ausleger wollen sich darin auf "den lebendigen Gott verlassen, welcher der Retter aller Menschen ist" (1. Tim. 4:10, siehe auch 1. Tim. 2:4).

Aus Sicht der Befürworter wurde die Allaussöhnung also erst durch den Tod und die Auferstehung Jesu möglich (was nur deswegen so bedeutungsschwer ist): "Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung Adams für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch durch Jesu Tod für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens" (Römer 5:18; 1. Kor. 15:22). Das Handeln Gottes wird in diesem Heilsverständnis als ausschlaggebend gesehen, und umschliesse auch den Widerspruch der Menschen auf dem Weg hin zum Ziel (Römer 11:32).

Als Weg zu diesem Ziel Gottes wird für bis dahin ungläubig gebliebene Menschen das letzte Gericht gesehen. Diese würden nach Offenbarung 20:11 ff. auferstehen, um vor dem "großen weißen Thron" gerichtet zu werden, entsprechend ihrer Werke (Offb. 20:13). Gericht wird dabei im Sinn einer "Ausrichtung", "Richtigens" oder "Rechtmachens" als eine Maßnahme ausgelegt, durch die nach göttlicher Rechtsnorm, aufgrund der Gerechtigkeit Gottes, die Zurechtbringung des Menschen erfolge (Ps.82:3; Sach.7:9; 5.Mose 16:18; Ps.37:33, Joh.5:22f.). Sie würden dort Jesus als Ihren Herrn erkennen können. Nach diesem Gericht kommen sie in den zweiten Tod: den See des Feuers (Offb. 20:15). Anhänger der Allversöhnung sehen in der Bibel keinen Zusammenhang von Qualen für Menschen mit dem zweiten Tod (die Vorstellung der Hölle wird von ihnen als unbiblisch abgelehnt). Oft wird "Feuersee" dabei als Bild für die reinigende Präsenz Gottes ausgelegt; denn in u.a. Heb. 12:29 ist die Rede davon, dass Gott selbst "verzehrendes Feuer" ist. Der zweite Tod aus dem Buch Offenbarung dauere den letzten Äon an (Offb. 21). Nach dem Abschluss aller Äonen werde auch dieser Tod, als letzter aller Feinde Gottes, unwirksam gemacht (1. Kor. 15:26) und somit dieser Zustand beendet. Dann werde Gott "alles in allen sein" (1. Kor. 15:28).

Geschichte

Die grundsätzliche Sicht der Allaussöhnung kam im Christentum immer wieder vor, obgleich die Begründungen unterschiedlich waren. Mindestens aber die Ablehnung von der Lehre von der Hölle (endlose Qual) bzw. der Vernichtungslehre (endloser Tod) verbindet die Vertreter dieser Lehre.

Apokatastasis wurde zuerst ausdrücklich in Alexandria von Clemens von Alexandria und Origenes (185-254 n. Chr.) gelehrt. Clemens von Alexandrien betrachtete Rache als etwas, was nicht zu Gottes Wesen passe. Rache ausüben wäre nichts anderes als "Böses mit Bösem zu vergelten, wohingegen Gott den Gezüchtigten um seines eigenes Wohles willen züchtigt". Origenes meinte: "Und ich bin der Überzeugung, dass er (Gott) die Lasterhaftigkeit auch in geordneter Weise (einmal) ganz und gar vertilgt, zum Heile des Ganzen." und "Wie es bei den körperlichen Krankheiten und Wunden einige gibt, die durch keine ärztliche Kunst geheilt werden können, so ist es andererseits, wie wir behaupten, unwahrscheinlich, dass bei den Seelen ein von der Sünde herstammendes Gebrechen vorhanden sei, das unmöglich von der über allen waltenden Vernunft und von Gott geheilt werden könnte."

Der Kirchenvater Gregor von Nyssa (335-394) sagte, dass "es nicht hauptsächlich und primär Strafe ist, was Gott den Sündern auferlegt, sondern Er handelt ..., nur um das Böse von dem Guten zu trennen und es in die segensvolle Gemeinschaft zu ziehen". Die hier angesprochene Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die so aussehen wird, dass alle Geschöpfe "in ihrem Verlangen und Wünschen dasselbe Ziel (nämlich Gott) haben werden und dieses Ziel auch (an)schauen werden, und zwar ohne das noch irgendwas Böses in ihnen anzutreffen wäre".

Im vierten Jahrhundert wurde diese Lehre auch von anderen Kirchenvätern, wie Didymus der Blinde, Diodor von Tarsus und Theodor von Mopsuestia) gelehrt. Durch Theodor von Mopsuestias Liturgie wurde sie in der Assyrischen Kirche des Ostens übernommen, wo sie bis heute zur Liturgie gehört.

Einen entgegengesetzten Ansatz vertrat hingegen der (westliche) Kirchenvater Augustinus (354-430): Augustinus stellt sich eine ewige Strafe in der Hölle vor und rechtfertigt sie mit der Bibel. Beispielsweise meinte er, dass die äonische Strafe (oft mit "ewiger Qual" übersetzt, die aber nach Meinung einiger Theologen äonischer, also zeitlich begrenzter, Tod ist: Offb.20:5) aus Matth. 25:46 endlos sei, da das gleich bezeichnete äonische Leben auch endlos sei. Außerdem stellte er die Erbsündenlehre auf, mit der er behauptete, dass jeder Mensch Mittäter beim Sündenfall des Adam gewesen sei und deswegen auch eine endlose Höllenstrafe für jeden Menschen gerechtfertigt sei.

Auch ungetaufte Menschen guten Willens können nach Augustinus nicht erlöst werden, sie kommen aber auch nicht in die Hölle. Die Lehre des Augustinus prägte die katholische und die evangelisch-lutherische Kirche teilweise bis ins 19. Jahrhundert.

Der Kirchenlehrer Hieronymus (gest. 420) schrieb in seiner Erklärung des Propheten Jesaja, die Verdammten würden später reichlicher Tröstungen teilhaftig, aber das müsse geheimgehalten werden, damit die Gläubigen aus Furcht vor den ewigen Höllenstrafen nicht sündigen.

Am Rande des fünften Ökumenischen Konzils, dessen Hauptthema die Christologie war, wurde die Lehre der Apokatastasis zusammen mit anderen Lehren der Origenisten verurteilt, nachdem eine Synode von Konstantinopel ausgehend vom "Liber adversus Origenem" und dessen Anhang Edikt contra Origenes sie kurz vorher verdammt hatte: "Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben oder es werde eine Wiedereinbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen geben, der sei verflucht." Im Konzil wurde das 553 bestätigt: "Wer behauptet, die himmlischen Mächte, alle Menschen, der Teufel und die bösen Geister würden sich [schließlich] mit Gott untrennbar [wieder] vereinen, so wie jener göttliche Geist, den sie Christus nennen, der von göttlicher Gestalt war und sich, wie sie sagen, entäußerte [Phil. 2,6 f], und dadurch werde es ein Ende des [jetzt noch gespaltenen] Königtums Christi geben - den treffe der Bannfluch!" Auch im Athanasischen Glaubensbekenntnis aus dem 6. Jahrhundert wird Andersdenkenden, mit "ewigem Feuer" gedroht. Damit war das Schicksal der Lehre von der Erlösung aller Menschen für lange Zeit besiegelt. Auch die Reformatoren insgesamt wollten sich nicht mehr von der Höllenlehre trennen (Confessio Augustana von 1539, art. 17; Confessio Helvetica posterior von 1566, art.7).

Anselm von Canterbury (um 1033 bis 1109) schrieb auch erst hunderte Jahre später: Göttliche Güte ist so groß, wie sie größer nicht gedacht werden kann und Gottes Gerechtigkeit muss mit grenzenloser Barmherzigkeit gleichgesetzt werden. Auch der bedeutende irische Theologe Johannes Scotus Eriugena (9. Jh.) vertrat in seinem Werk den Universalismus.

Während der Reformation vertraten zwar Martin Bucer (1491-1551) und der deutsche Täuferführer Hans Denk (1495-1527) einen Universalismus, blieben jedoch in der Minderheit. Stärkere Verbreitung fand die Sicht der Allaussöhnung erst wieder in der Folge der Aufklärung, z.B. bei Johann Kaspar Lavater. Der Superintendent Johann Wilhelm Petersen (1649-1727) führt folgende klassische Definition an:

Es ist das ewige Evangelium eine fröhliche Botschaft von der Wiederbringung aller, da verkündigt wird, wie dass alle Kreaturen, [...] doch eine jegliche in ihrer von Gott bestimmten Zeit und Ordnung nach ergangener Läuterung hier in dieser Zeit oder in den zukünftigen Äonen nach rückstelligen Gerichten auf die allergerechteste Art und Weise des gerechten und gütigsten Gottes durch Jesum Christum, [...] von der Sünde und Strafe der Sünden sollen errettet [...] werden.

Auch die Hauptströmungen der biblischen Reformbewegung des Pietismus (ab 1650), vertreten durch Christian Gottlieb Pregitzer ( gest. 1824), Michael Hahn (gest. 1819), Friedrich Christoph Oetinger (gest. 1782) [33; S.123], Johann Albrecht Bengel (gest. 1752), Jung-Stilling (gest. 1817) und die beiden Blumhardts, Vater (gest. 1880) und Sohn (gest. 1919) lehrten die Allaussöhnung. Durch die missionarischen Bestrebungen von George de Benneville und den deutschen Täufergruppen kamen diese Auslegungen auch nach Nordamerika, wo sie dann vor allem durch Unitarier großen Einfluss gewannen. Einige Zeit später (1867) veröffentlichte Andrew Jukes sein Buch The Restitution of all Things (Die Wiederherstellung aller Dinge).

Obgleich mittlerweile wieder in vielen unterschiedlichen christlichen Gemeinden aller Art Christen die Aussöhnung Aller vertreten, bekennen sich nur wenige Gruppen geschlossen dazu, wie die Geistchristliche Kirche, die ehemalige Universalist Church of America (1793-1961), die Bibelkonferenzstätte Langensteinbacher Höhe (Hartmut Maier-Gerber, Karl Geyer, Manfred Mössinger), die Freunde Konkordanter Wortverkündigungin Deutschland und den USA, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Hasenheide sowie die niederländische Gemeinde Eben-Haëzer in Rotterdam.

In jüngerer Zeit haben sich Männer wie der "der Bund gläubiger Lehrer und Akademiker" (Walter M. Borngräber, Adolph Heller, Karl Geyer), Heinz Schumacher, Adolph Ernst Knoch, Theodor Böhmerle, Arthur Muhl und der Bibelübersetzer Fritz H. Baader zur Allaussöhnung bekannt.

Der Theologe Karl Barth, schreibt: "Es gibt kein Recht, es sich verbieten zu lassen, dass in der Wirklichkeit Gottes immer noch mehr, als wir erwarten dürfen, dass in der Wahrheit dieser Wirklichkeit auch die überschwängliche Verheißung der endlichen Errettung aller Menschen enthalten sein möchte".

Außerdem haben auch Ernst Ferdinand Ströter, Wilhelm Michaelis, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Jürgen Moltmann (Theologie der Hoffnung), Hans Urs von Balthasar, Herman Schell, Jonathan Mayhew, Charles Chauncey, Hosea Ballou, Charles Skinner wie auch andere Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts die Lehre der endlosen Hölle abgelehnt.

Während die Volkskirchen zwar immer noch die Existenz der Hölle vertreten, trifft man es in der Predigtpraxis kaum mehr an. Insbesondere fundamentalistische christliche Kreise, wie in einigen Freikirchen anzutreffen, drohen aber nach wie vor offensiv mit einer Hölle.

Theologische Auseinandersetzung

Zur Frage des freien Willens des Menschen

Nach der Lehre vieler christlicher Kirchen hat Gott den Menschen einen freien Willen gegeben, um sich für oder gegen Gott zu entscheiden, um in der Folge die Ewigkeit entweder in direkter Gemeinschaft mit Gott oder in der Hölle gequält zu werden. Wird der freie Wille negiert, sei sowohl die persönliche Entscheidung zum Glauben wie auch die Verantwortung des Menschen vor Gott in Frage gestellt. Außerdem wird behauptet, dass Liebe auf beiden Seiten einen freien Willen erfordere. Wäre zudem Gott auch die Ursache Sünde, wird befürchtet, dass diese nicht mehr bekämpft würde. Diese Auffassung wird auch vom Arminianismus vertreten, der von Arminius (geb. 1559 in Holland) durch die Auseinandersetzung mit dem extremen Calvinismus entwickelt wurde, aber auch in modifizierter Form von der katholischen Kirche.

Vertreter der Allaussöhnung bestätigen, dass nach ihrer Sicht die Bibel lehrt, dass der Mensch keinen freien Willen hat und dass es daher keine daraus folgenden endlose Bestrafungen für Lebenswege gibt. Stattdessen vertreten sie, dass jeder Mensch in allem von Gott geführt werde. Alle menschlichen Entscheidungen seien einem gottbestimmten Kausalgesetz unterworfen, was dem ungläubigen Menschen jedoch nicht bewusst sei. Einzig Gott, der Vater, sei nicht kausal und habe daher als einziger einen freien Willen (Luther: "Vom unfreien Willen"). Wenn Gott aber "will, dass alle Menschen gerettet werden" (1. Tim. 2:4), indem sich Jesus als Herrn letztlich jedem zu erkennen gebe, (Phil. 2:11, Jes. 45:23-24), werde jeder Mensch einmal glauben können.

Zur Frage der Allmacht Gottes

Anhänger der Höllenlehre sehen in einem Verneinen der Möglichkeit einer endgültigen Verdammung eine Einschränkung der Allmacht Gottes. Der allmächtige Gott habe die Freiheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit nach seinem Ermessen und nach seiner Beurteilung der Sünde auszuteilen, und der Mensch könne nicht im Voraus wissen, wie Gott sich gegenüber Gottesleugnern und Gottesfeinden verhalten wird, die eine Gemeinschaft mit Gott ablehnen.

Vertreter der Allaussöhnung sagen, dass man das sehr wohl wissen könne: Sie legen die Aussage der Bibel, dass Gott "will, dass alle Menschen gerettet werden" (1. Tim. 2:4), so aus, dass Gott dies auch wirklich wolle und es daher mit jedem Menschen erreichen werde, weil Gott allmächtig sei. Gottes Allmacht zeige sich gerade darin, dass er durchführen könne, was er sich vorgenommen habe. Außerdem entspräche es Gottes Eigenschaften, dass er sich allen seinen Geschöpfen gegenüber barmherzig und gnädig verhalte (denn niemand könne sich selbst retten). Sie verweisen beispielsweise auf Römer 9, wo ausgesagt wird, dass selbst Gotteslästerer wie Pharao, in ihrer Ablehung von Anweisungen dennoch Gottes Wille durchführen mussten.

Zur Frage der Mission

Manche Kritiker der Allversöhnung, die an die Hölle glauben, sind besorgt, dass die Motivation der Missionare erlahmen könnte, denen das Christentum zu bringen, die sonst Gott nicht kennenlernen würden. Wozu sollte man das Evangelium predigen, wenn ohnehin alle erlöst würden und niemand vor einer Hölle bewahrt werden müsste?

Dem entgegnen Anhänger der Allaussöhnung mit der Frage, ob die Erwartung eines bösen Endes für einen Teil der Menschen überhaupt eine geeignete Motivation sei, anderen Menschen einen liebenden Gott nahe zu bringen. Sie meinen außerdem, dass auch mit der Drohung einer Hölle (die oft nicht mehr direkt ausgesprochen wird) Menschen nicht dazu gebracht werden können, Gott zu lieben. Betrand Russell meinte stellvertretend in "Warum ich kein Christ bin": "Ich muß sagen, dass diese ganze Lehre vom Höllenfeuer als Strafe für die Sünde eine grausame Lehre ist. Sie hat Grausamkeit in die Welt gebracht und für Generationen unbarmherzige Folgen." Vertreter der Allaussöhnung sehen sich natürlich auch in der Pflicht, anderen Menschen die wirklich frohe Botschaft von einem liebenden Gott nahezubringen - darin sehen sie sich aber als Werkzeuge Gottes, um die Allaussöhnung zu erreichen. Die Motivation, andere vor einer "Hölle" zu bewahren, sehen sie nicht als zielführend an. Auch kirchengeschichtlich ist die Behauptung abwegig, denn zu den ersten deutschen Missionaren überhaupt gehörten Pietisten (z.B. Johann Martin Mack, 17715-1784 oder Christian Gottlob Barth, 1824-1838), die die Höllenlehre als unbiblisch ablehnten.
Gegner der Allversöhnung distanzieren sich entschieden von der pauschalen Darstellung, dass sie das Evangelium als Drohbotschaft predigen würden.

Zur Frage der Gerechtigkeit Gottes

Kritiker der Allversöhnung führen die Bibelstellen im Neuen Testament auf (beispielsweise Mt. 25,31-46, wo von einer Scheidung zwischen Gerechten und Ungerechten gesprochen wird (Lehre vom "doppelten Ausgang"): Gerechte erhalten das ewige Leben, während Ungerechte ewig (Grundtext: jeweils äonisch) gestraft werden (V. 46). Ebenso sehen sie in der Bibel keinen Beleg für eine Läuterung nach dem Tod. Weiter vertreten sie, dass die Allaussöhnung zwar Gottes Liebe betone, aber seine Heiligkeit und seine Gerechtigkeit ganz in den Hintergrund stelle.

Befürworter der Allversöhnung finden in der Bibel keinerlei Anhaltspunkte für endlosen Qualen für Menschen bzw. einer wie auch immer gearteten "Hölle". Weder im Hades (Sheol), in der Gehenna der Evangelien noch im Feuersee der Offenbarung würden Menschen endlos gequält. Dagegen sei Gottes Ziel der Allaussöhnung in der Bibel definiert (s.o.), wobei der Weg dort hin Gottes Sache sei. Sie erklären, dass "ewiges" Leben oder "ewige" Strafe falsche Übersetzungen des griechischen "aionion" = äonisch = auf Äonen (Weltzeitalter) seien. Für sie zeige sich die Gerechtigkeit Gottes gerade dann, wenn die Menschheit aus der passiven Kollektivstrafe der Sterblichkeit durch den Sündenfall Adams wieder kollektiv und passiv befreit würde (nach Römer 5:18). Sie stellen in Frage, ob es mit Gottes Gerechtigkeit zu vereinbaren sei, wenn Gott Menschen für Sünden, die maximal ein Menschleben dauern können, eine endlose Strafe anordnen würde. Nach Meinung der Befürworter findet die Läuterung nach der Auferstehung während des Gerichts (=Richtigung, Ausrichten auf Gott) vor dem großen, weißen Thron statt (Offb. 20).
Kritiker sehen in der konsequenten Übersetzung von "aionion" mit äonisch (=Äonen-bezogen) eine Auslegung, die dem Urtext nicht gerecht wird, da das Wort aionion bereits von griechischsprachigen Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte nur teilweise in diesem Sinn und teilweise im Sinn von ewig ausgelegt wird - analog zu herrschenden Dogmen. Zur detaillierten Auseinandersetzung mit dem Begriff "Äon" und den Kontroversen zu seiner Übersetzung siehe Äon (Theologie).

Abgrenzung zu nicht konfessionell-christlichen Sichtweisen

Die Allaussöhnung ist aufgrund der biblischen Basis eine spezifisch christliche Sicht, die es so in anderen Religionen oder Philosophien nicht gibt. Dennoch wird der Begriff aber manchmal mit folgenden Lehren in Verbindung gebracht:

Im Neuplatonismus gab es Lehren, dass der Tod für die menschliche Seele die Befreiung von der negativ gesehenen Materie ist und die Totenwelt daher ein Ort der Freiheit, nichts Negatives, wobei dieser Zustand oft durch viele Reinkarnationen erarbeitet werden muss.

Auch der Mahayana-Buddhismus geht davon aus, dass die Erlösung für alle Menschen zu erreichen ist.

Im New Age wird die Möglichkeit eines vollkommenen Kosmos, ein "universaler Superorganismus" erhofft, als Endstufe einer kosmischen und gesellschaftlichen Evolution, sie spricht auch von der Wiedervereinigung mit dem Brahman. Von Gott und Versöhnung ist auch hier keine Rede.

Religiöser Pluralismus geht davon aus, dass jede Religion einen Weg zur Erlösung und zur richtigen Beziehung mit dem Göttlichen hat, das damit allen Menschen offen steht. Ansatzweise kann dies auch in der Bewegung der Ökume erkannt werden.

Die Baha'i glauben an einen inneren Wandel im Menschen und der Gesellschaft, der die gesamte Welt wieder zur Harmonie bringen wird.

Reinkarnation, u.a. im Buddhismus, Hinduismus und im Bereich der Esoterik gelehrt, geht davon aus, dass es eine unsterbliche Seele (bzw. im Buddhismus wirksame Seinsfaktoren) gebe, die sich aus eigener Kraft in immer neuen Leiderfahrungen langsam läutert.

Im Pantheismus ist das Göttliche letztlich die einzige Wirklichkeit - Menschen müssen ihre Unwissenheit überwinden und erkennen, dass sie Gott bzw. ein Teil Gottes sind. Diese Weltsicht wird, mit einigen Abweichungen, u.a. von Teilen im Hinduismus, Anthroposophie, Unitariern, Christlicher Wissenschaft und Ein Kurs in Wundern vertreten.

Synkretismus, die Vermischung von Elementen aus verschiedenen Religionen, wird manchmal fälschlicherweise auch mit Universalismus gleichgesetzt, hat jedoch nichts damit zu tun.

Literatur

Pro

Contra

Weblinks pro Allaussöhnung

Weblinks contra Allaussöhnung

See also: Allaussöhnung, 1033, 1109, 19. Jahrhundert, 354, 430, 553, A. E. Wilder-Smith, Adam