Alphonse Mouzon

Alphonse Mouzon (* 21. November 1948 in Charleston, South Carolina) ist ein Schlagzeuger, Komponist und Produzent.

Alphonse Mouzon war das zweitjüngste von fünf Kindern. Seine Mutter Emma Mouzon musste die Familie ab 1950 alleine ernähren, da sie sich von ihrem spielsüchtigen Mann scheiden ließ. Emma Mouzon war Köchin und brachte das nicht Verzehrte ihren Kindern zum Essen mit. Sein natürlicher innerer Impuls führte Alphonse Mouzon mit 4 Jahren dazu, auf Kochtöpfen seiner Mutter mit Holzstecken zu trommeln, bald auch vor Publikum. Mit 12 Jahren bekam Mouzon seine erste Trommel und spielte in der Schulband und in verschiedenen professionellen Gruppen. Nach seinem Schulabschluss 1966 zog Mouzon nach New York und begann kurz darauf beim Broadway-Musical "Promises,Promises" und im Ross Carnegie-Orchester zu spielen. Alphonse Mouzon verdiente gut am Broadway, sein großer erster Durchbruch gelang ihm aber, als der Saxophonist Billy Harper, der mit Mouzon und dem Pianisten Lonnie Liston Smith bei einer Hochzeit spielte, Alphonse für eine Plattenaufnahme mit dem großen Komponisten, Arrangeur und Pianisten Gil Evans empfahl. Die Zeit war reif für Alphonse Mouzon’s Plattendebut, welches auf Gil Evans Platte “Blues in Orbit“ von 1969 dokumentiert ist. Sein Plattendebut und die bei den Jamsessions kennengelernten Musiker führten zu Konzerten mit George Benson, Chubby Checker, Robin Kenyatta, Anita O’Day, Stanley Turrentine und anderen, die teilweise auch auf Platte dokumentiert sind. Dies machte ihn damit ab 1969, nur zwei Jahre nach seiner Ankunft in New York, zu einem der meistgefragtesten Schlagzeuger der Ostküste. Sein Stil, der am ehesten dem von Elvin Jones ähnelte, war einzigartig und seine technischen Fähigkeiten außergewöhnlich. Außerdem beherrschte er alle Stilrichtungen - von Jazz und Funk bis zu R&B - perfekt und brachte immer seinen eigenen Stil mit ein.

Mitte 1969 traf Mouzon den Vibraphonisten Roy Ayers, der ihn in seine Band „Ubiquity“ holte. Es folgte eine Tournee durch die USA und Europa, dort u.a beim Montreux Jazz Festival. Außerdem entstand eine Plattenaufnahme mit dieser Band. Nach seiner Zeit mit Roy Ayers ging Mouzon zu Soul-Sänger und -Komponist Eugene McDaniels. In seiner Band war auch der junge tschechische Bassist Miroslav Vitous. Die Band spielte die Platte "Headless Heroes of the Apocalypse" auf Atlantic Records ein, ein Protestalbum gegen den Vietnamkrieg und die Diskriminierung von Schwarzen. Die Platte wird heutzutage als Soul/Funk-Meilenstein angesehen, nicht zuletzt wegen Mouzon's Schlagzeugspiel. Unzählige Rapgruppen sampelten Mouzon's Grooves dieser Platte.

Mitte 1970 bekam Mouzon einen Anruf von Joe Zawinul, der ihn fragte, ob er Interesse hätte mit Wayne Shorter und Miroslav Vitous eine Band zu gründen. Mouzon war sofort interessiert. Er kannte die drei Musiker auch von einem gemeinsamen Projekt. Die Musiker trafen sich und bald war klar, dass diese Band in die Geschichte des Jazz eingehen würde. Joe Zawinul sprach schon nach wenigen Proben von der besten Band der Welt. Weather Report war geboren. Weather Report sollte für die nächsten 15 Jahre eine der führenden Fusion-Bands sein.

Anfang 1972 holte McCoy Tyner, der legendäre Pianist von John Coltrane, Mouzon in seine Band. McCoy Tyner hörte über Mouzon’s Ausstieg bei Weather Report und holte ihn zu einer Session in ein Studio. Das erste Album auf Milestone Records und mit Mouzon, "Sahara", wurde für einen Grammy nominiert. Mitte 1972 kam der nächste große Durchbruch für Alphonse Mouzon, indem er einen Plattenvertrag bei Blue Note Records angeboten bekam.

Mouzon's erstes Soloalbum mit dem Titel "The Essence of Mystery" wurde Ende 1972 veröffentlicht. Alle Kompositionen stammten von Mouzon, und die Musik ist eine Mischung aus Jazz und Funk. Mouzon nahm nach seinem Ausstieg bei McCoy Tyner sein nächstes Album für Blue Note auf. "The Funky Snakefoot" wurde Ende 1973 veröffentlicht. Das Album, eine Mischung aus Soul und Funk wurde von Kritikern mit geteilter Meinung aufgenommen. Manche sahen daran eine gut gelungene und intelligente Nutzung von Soul- und Funk-Elementen, andere hingegen sahen "The Funky Snakefoot" als banales Werk, das weder im Soul- noch Funk-Bereich akzeptiert werden würde.

Larry Coryell, Alphonse Mouzon und der Keyboarder Mike Mandel gründeten Ende 1973 die Band "The Eleventh House" und holten den Trompeter Randy Brecker und den Bassisten Danny Trifan hinzu.

Mouzon musste Ende 1974 ein neues Album für Blue Note einspielen und suchte noch nach den passenden Mitmusikern, als er bei einem Konzert mit The Eleventh House in Colorado den jungen Gitarristen Tommy Bolin hörte, den Larry Coryell kannte. Tommy Bolin hatte ein Jahr zuvor auf Billy Cobham's Album "Spectrum" durch sein Spiel schon für Aufregung gesorgt, und Mouzon jammte im Sommer 1974 immer wieder mit Bolin. Diese Jamsession wurde aufgenommen und durch die Tommy Bolin Foundation 1998 und als Bonustrack einer Wiederveröffentlichung von Mouzon's "Mind Transplant"-Album veröffentlicht. Im Dezember 1974 war es soweit und Mouzon brachte "Mind Transplant" auf Blue Note Records heraus. Sie gilt heute als Fusion-Klassiker. Mouzon arbeitete mit 3 Gitarristen - Tommy Bolin, Lee Ritenour und Jay Graydon.

1975 war ein äußerst produktives Jahr für Mouzon und The Eleventh House. Sie nahmen die Platte "Level One" (Arista Records) auf, es folgten "Planet End" und "Live in Europe" (Bootleg), ein Livemitschnitt von einem Konzert in Paris. Mouzon's Komposition "Some greasy Stuff" auf "Level One" wurde auch als Single herausgebracht. The Eleventh House war gut mit Rockbands wie Led Zeppelin, Deep Purple und Yes befreundet. Led Zeppelin's Schlagzeuger John Bonham wurde zu dieser Zeit schwer von Mouzon beeinflusst und besuchte jedes Konzert des Eleventh House in England. Mouzon gastierte im Mai 1975 als "Special Guest" beim Konzert der "Gitarrengötter" Eric Clapton, Santana und John McLaughlin im Nassau Colosseum, Long Island, NY, vor mehreren zehntausenden Menschen. Der Mitschnitt des Konzerts ist auf der CD "Union of the Gods" veröffentlicht worden. Mouzon trennte sich im Dezember 1975 von The Eleventh House und nahm seine dritte Soloplatte für Blue Note mit dem Namen "The Man Incognito" auf.

Mouzon's Vertrag mit Blue Note war abgelaufen und er unterschrieb einen Vertrag beim deutschen Label MPS (Musik Produktion Schwarzwald). Mouzon's neuer Produzent wurde Joachim-Ernst Berendt, der deutsche "Jazz-Papst". Bei den Berliner Jazztagen 1976 gastierte Mouzon mit dem deutschen Posaunisten Albert Mangelsdorff und dem Bassisten Jaco Pastorius im Trio. Jaco Pastorius hatte seit seinem letzten Treffen mit Mouzon auf Al Di Meola's "Land of the Midnight Sun" bei Weather Report zu arbeiten begonnen und war zum Basssuperstar geworden. Es entstand die Live-Platte "Trilogue - Live" auf MPS, die für alle drei Musiker wohl ein Höhepunkt ihres Schaffens war. Die Platte wurde ausgezeichnet und bekam weltweit hervorragende Kritiken. "Mouzon beweist auf 'Trilogue-Live', dass er nicht nur antrainierte Supertechnik reproduzieren kann" ( Jazzmagazin Jazzpodium)

Beim gleichen Festival in Berlin trat Mouzon auch mit seiner neuen Band auf. Mouzon holte sich für seine nächste Platte und eine Europatournee den Saxophonisten Gary Bartz, Keyboarder Stu Goldberg und den Bassisten Welton Gite in die Band. Mit dieser Band entstand die Platte "Virtue" auf MPS. Auf dieser Platte zeigt Mouzon, dass er den ihm von manchen verliehenen Titel "schnellster Schlagzeuger der Welt" auch unter Beweis stellen will und kann und bewegt sich mit "Virtue" auch wieder vom Kommerz zum kompromisslosen Fusionsound zurück. "Der Niki Lauda der Perkussionsgeschwindigkeit" (Jazz Podium), und das Down Beat-Magazin urteilte über seine achtminütige "Mouzon Drum Suite", es sei eines der eindrucksvollsten und musikalischsten Drum-Solos, das in den 1970er-Jahren aufgenommen wurde.

Von 1978 bis 1981 arbeitete und tourte Mouzon vor allem mit Herbie Hancock, aber auch mit seinen eigenen Bands oder vereinzelt als "featured artist".

Im Sommer 1980 gastierte Mouzon mit Herbie Hancock, Stanley Clarke, Santana, John McLaughlin und John Lucien beim Berklee Jazz Festival. Im Frühling 1981 nahm er die Platte "By All Means" für PAUSA und MPS mit Starbesetzung auf. Mitmusiker sind Herbie Hancock, die Gitarristen Lee Ritenour und Paul Jackson Jr., der Trompeter Freddie Hubbard und die Seawind Horns plus Scott Edwards am Bass. Das Funk-Jazz Album wurde zu Mouzon's bestverkaufter Platte.

Bis Mitte der 80er Jahre verlegte sich Alphonse Mouzon, zumindest auf seinen Solo-Alben, komplett auf Smooth Jazz.

1988 veröffentlichte Mouzon, nun auf dem Optimism-Label, das Album "Early Spring". Mitwirkende Musiker sind u.a die Saxophonisten Ernie Watts, Ronnie Laws und Brandon Fields, der Pianist Jeff Daniel und der Bassist Welton Gite. Mouzon ist auf "Early Spring" neben dem Schlagzeug auch an den verschiedensten Synthesizern und als Sänger zu hören. Die Platte verkaufte sich hervorragend und wurde neben "By All Means" zu Mouzon's kommerziell erfolgreichsten Album. Mit "Early Spring" gelang Mouzon auch wieder der Sprung an die Top-Plätze der Billboard Smooth Jazz Charts.

Anfang 1992 war es dann so weit. Mouzon gründete sein eigenes Plattenlabel "Tenacious Records".

Zwischen 1992 und 2001 veröffentlichte Mouzon auf seinem Label fünf neue Produktionen und wiederveröffentlichte acht seiner in den 1980er-Jahren aufgenommenen Alben.

Mitte 1998 bekam er den Anruf von Larry Coryell's Manager, um an einer Eleventh House Reunion-Welttournee teilzunehmen. Mouzon war von der Idee begeistert, und so startete im Spätsommer 1998 die Eleventh House Reunion Band-Tournee mit drei originalen Mitgliedern aus den 1970er-Jahren: dem Trompeter Randy Brecker, dem Gitarristen Larry Coryell und Alphonse Mouzon am Schlagzeug und dem jungen Starbassisten Richard Bona. Die Band tourte durch die USA, Europa und Asien in wechselnden Besetzungen. Randy Brecker wurde Ende 1998 durch den Trompeter Shunzo Ono oder den Saxophonisten Donald Harrison ersetzt.

Mouzon begann 1997 fünf CD-Projekte, alle mit Stargästen wie den Trompetern Arturo Sandoval, Wallace Roney und Shunzo Ono, den Gitarristen Larry Coryell, Paul Jackson Jr. und Jeff Golub, dem Bassisten Christian McBride und den Pianisten Kenny Barron und Cedar Walton. Keines dieser fünf CD-Projekte wurde bisher zu Ende gebracht.

Mouzon ging im Sommer 2002 auf eine Kurztournee mit "Just Friends", die schon 1991 tourten. Die Band bestand wieder aus Jasper Van't Hof (Keyboards und Klavier), Bob Malach am Saxophon, Michal Urbaniak an der Violine und dem alten Weather Report-Kollegen Miroslav Vitous am Bass. Außerdem gastierte Mouzon mit seiner Band beim Long Beach Jazz Festival in Los Angeles.

Im Winter 2003 tourte Mouzon mit seinem Trio (Ernie Watts - Saxophon, Jeff Berlin - Bass) durch Europa. (niko dolp)

Mouzon, Alphonse Mouzon, Alphonse Mouzon, Alphonse Mouzon, Alphonse

Personendaten
Mouzon, Alphonse
Schlagzeuger, Komponist und Produzent
21. November 1948
Charleston South Carolina

See also: Alphonse Mouzon, 1948, 1950, 1966, 1969, 1970, 1970er, 1972, 1973