Altersbestimmung (Archäologie)
Für die Altersbestimmung von Gesteinen, Fossilien oder archäologischen Funden gibt es verschiedene Datierungsmethoden, die man in zwei große Gruppen unterteilen kann, relative und absolute Altersbestimmung.
Relative Datierungsmethoden
Die relative Altersbestimmung der Geologie vergleicht das Alter verschiedener Gesteinsschichten miteinander, ohne das tatsächliche Alter zu messen. Dabei gilt als Leitprinzip, dass ältere Schichten eher abgelagert sind als jüngere, und somit ältere Schichten unter jüngeren zu finden sind.
Ausnahmen kommen etwa bei Überschiebungen vor: Ein Gesteinsblock wurde durch tektonische Prozesse angehoben, und über einen (nicht angehobenen) jüngeren geschoben. Derartige Prozesse sind selten und durch Aufnahme eines Gesamtbildes identifizierbar.
- Durch Leitfossilien können verschiedene Gesteine dem gleichen Zeitraum zugeordnet werden.
- Durch zeitlich begrenzte, charakteristische Einlagerungen können auch räumlich weit von einander entfernte Gesteine altersmäßig verglichen werden. Zum Beispiel hat sich eine Iridium-Schicht, die beim Aufprall eines großen Meteoriten entstanden ist, weltweit in alle Gesteine der damaligen Zeit eingelagert.
- Warvenchronologie: Hierbei werden Warven, jährliche Sedimentablagerungen in Seen, ausgezählt. Der Boden bekommt durch diese Ablagerungen ein Streifenmuster. Insbesondere für Gegenden mit starker Schneeschmelze ist dieses Verfahren geeignet. Für die Eifelregion gibt es eine Chronologie der letzten 23.000 Jahre, für einen japanischen See für 45.000 Jahre und für den Lago Grande di Monticchio in Süditalien sogar für die letzten 76.000 Jahre.
- Eisbohrkerne: Hier werden die Schichten gezählt, die jedes Jahr durch den Schneefall gebildet werden.
- Magnetostratigraphie: Das Erdmagnetfeld hat sich im Lauf der Zeit oft umgepolt. Dieses Muster lässt sich in den Gesteinen wiederfinden und auszählen.
Daneben gibt es auch relative Datierungsmethoden welche ausgestorbene Radionuklide benutzen. So waren etwa die heute ausgestorbenen Radionuklide 26Al oder 53Mn bei der Entstehung des Sonnensystems noch vorhanden. Mit diesen Methoden können z.B. das Entstehungalter von Meteoriten oder einzelner Bestandteilen von Meteoriten relativ zueinander bestimmt werden. Erst durch Eichen dieser relativen Datierungesmethoden mit absoluten Datierungmethoden wie der Uran-Blei-Datierung können dann auch absolute Alter angegeben werden.
Absolute Altersbestimmung
Bei den radiometrischen Methoden mit nicht ausgestorbenen Radionukliden wird gemessen, wie hoch der Anteil natürlich vorkommender radioaktiver Elemente und eventuell ihrer Zerfallsprodukte ist. Da die Halbwertszeit der radioaktiven Elemente bekannt ist, kann daraus das Alter berechnet werden.
Für das Alter von Gesteinen benötigt man dafür Elemente mit sehr langen Halbwertszeiten. Dafür eignen sich unter anderem (Halbwertszeit in Klammern):
- Uran 238U → Blei 206Pb (4,5 Milliarden Jahre)
- Uran 235U → Blei 207Pb (704 Millionen Jahre)
- Thorium 232Th → Blei 208Pb (14 Milliarden Jahre)
- Rubidium 87Rb → Strontium 87Sr (48,8 Milliarden Jahre)
- Samarium 147Sm → Neodym 143Nd (106 Milliarden Jahre)
- Kalium 40K → Argon 40Ar (1,25 Milliarden Jahre)
Auch das Verhältnis und die Veränderung zweier Isotope kann zur Altersbestimmung herangezogen werden. Als Beispiel ist hier die Alphaspektrometrische Bestimmung junger Silikate nach P. Pesel 1997 anhand des Uran238/Thorium230-Verhältnisses zu erwähnen. Diese Methode bedient ein Zeitfenster von 200 000 bis 600 000 Jahre. In der Archäologie sind derart lange Halbwertzeiten zu ungenau oder nicht anwendbar. Hier eignet sich als weiteres Beispiel für radiometrische Altersbestimmung die so genannte C14-Methode oder Radiokohlenstoffmethode. Hiermit können nur organische Materialien datiert werden. Bei der Radiokohlenstoffdatierung wird der Gehalt an radioaktivem Kohlenstoff 14C, der eine Halbwertszeit von 5.730 Jahren hat, gemessen. Damit sind Altersbestimmungen bis zu 50.000 Jahren möglich. Bei älteren Proben ist der 14C-Anteil bereits zu gering, um noch gemessen werden zu können.
Eine weitere absolute Datierungsmethode ist die Fission-Track Methode. Hier werden die durch die beim radioaktiven Zerfall (z.B. spontanter Zerfall von Uran oder Zerfall von 40K zu 40Ar ) entstandenen hochenergetischen Zerfallsprodukte erzeugten Kristallschäden entlang deren Flugbahnen durch Anätzen unter dem Mikroskop sichtbar gemacht und abgezählt.
Alternativ zu der radiometrische absoluten Altersbestimmung gibt es auch die Baumring-Methode (Dendrochronologie) und die Thermolumineszenzmethode.
