Alttürkische Sprache
385px|thumb|Verbreitungsgebiet moderner Turksprachen
Das erste Auftauchen verschiedener Sprachen einwandfreier turkstämmiger Herkunft fällt in das 6., 8. und 9. Jahrhundert: am Jenissej und Orchon tauchten die ersten Inschriften der Göktürken auf.
Doch scheinen ursprünglich die Wurzeln des Alttürkischen in der Hunnischen Sprache zu liegen.
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Geschichte
Um das Jahr 300 v. Chr. wurden die Turuk und die Hsiung-nu mit den von ihnen unterworfenen Völker endgültig „Hunnen“ genannt, während der alte Volksname „Turuk“ nun dem Erbadel zufiel.
In dem selben Jahrhundert kam es im alttürkischen Sprachgebiet bereits zu einer sprachlichen Trennung in zwei Haupt-Dialektgruppen: Es entstanden die Sprachen Oghusisch, das den Osten des Sprachgebietes beherrschte, und Ogurisch, das den Westen innehatte.
Mit dem Untergang des Hsiung-nu-Reiches (216) kam das Volk der Awaren in Zentralasien an der Macht. Sie setzten sich aus den Resten der Weißen Hunnen und den proto-mongolischen Shou-shan zusammen. Die „Schou-shan“ waren mongolisch-tungusische Stämme unter einer dünnen türkischen Oberschicht. Ihre Sprache ist uns leider nicht überliefert worden: außer einigen Herrschernamen, die allerdings mehrheitlich als türkisch anzusehen waren.
Das Awarenreich ging 552 unter, als sich ein Fürst nun aufmachte, die alttürkischen Stämme zu einen: Teoman Khan. Dieser stammte aus dem Altai- und Sajangebiet - also aus dem alten Stammgebiet der alten Turuk.
Auch Teoman sah sich als „göttlicher Vertreter“ Kök-Tengris auf Erden. Aber im Gegensatz zu den Turuk und den ihnen nachfolgenen Hunnen sah er persönlich nicht mehr den Schan-yü als die höchste Macht an, sondern den Khan bzw. den Khagan. Deshalb nahm er auch den Namen Bumin Khagan an. Doch 553 starb Teoman unerwartet - sein eigener Bruder Istämi brachte ihn wohl um.
Das Reich wurde nun zwischen Istämi Khagan und seinem Neffen Muqan-Khan geteilt:
- Im Westen - dem Khaganat des Istämi - entwickelte aus der Vermischung der staatstragenden Oghusen mit der alteingesessenen indogermanischen und ogurischen Vorbevölkerung die heutigen Westtürken.
- Im Osten - dem Khanat des Muqan-Khan - sollten sich nun die osttürkischen Stämme entwickeln, die ihre Wurzeln in den Oghusen hatten.
Beide Reichshälften waren schließlich ab 581 verfeindet.
Die Westtürken blieben meist unabhängig (standen aber formal unter der Oberherrschaft des sassanidischen Persiens), während die Oghusen sich der chinesischen Sui- und T'ang-Dynastie unterstellten.
Die verschiedenen alttürkischen Dialekte wuchsen nun zu zwei großen Sprachblöcken zusammen, aus denen schließlich das Westtürkische und Osttürkische hervorgehen sollten.
In späterer Zeit fanden in Bereich der Turkologie allerdings andere Faktoren - hauptsächlich geographische Gesichtspunkte - zur Einteilung der einzelnen Turksprachen Verwendung.)
Im 3. Jahrhundert entstanden in der Talas-Region und im 6. Jahrhundert am Jenissej beziehungsweise im 8. Jahrhundert am Orchon erste Inschriften des klassischen Alt-Türkischen, die die einstige Größe des Türkischen Reiches und ihrer Herrscher beschworen.
Diese Inschriften waren in einem Dialekt abgefaßt, der verschiedentlich als „Karlukisch,“ „Uigurisch“ oder „Oghusisch“ bezeichnet wurde. Diese Inschriften für nachkommende Zeiten bestimmt. Das Schriftsystem der Türken erinnert auch stark an germanische Runen, deshalb nennt man sie auch „Türkische Runen.“ Diese „Runenschrift“ stammte noch von den Turuk, die mit den Hsiung-nu das Vorvolk der späteren Hunnen bildeten.
(Alle heutigen Turkvölker führen den Beginn ihrer Literatursprache auf diese Inschriften zurück, die heute als „Alttürkisch“, „Altkasachisch“, „Altkirigisisch“, „Altturkmenisch“ usw. bezeichnet und von den verschiedenen Turkstaaten für sich in Anspruch genommen wird.)
Wenn man diese Inschriften dem modernen Türkisch gegenüberstellt, dann wird man bemerken, dass sich diese Sprache seit dem kaum verändert hat; s. auch das folgende Beispiel:
Sprachbeispiele zwischen Alttürkisch und heutiger Turksprachen
| Göktürkisch |
|---|
| Turuk Oguz begleri, budun, esidin uze tenri basmasar asra yir telinmeser Turuk budun ilinin, torunun kim artati? |
| Türkeitürkisch |
| Türk Oğuz beyleri, soyu, işitin üstte gök basmasa, altta yer delinmese Türk soyu ülkeni, töreni kim atar? |
Die alttürkische Sprache kam nun in den europäischen Westen. Gut überliefert ist uns das Kyptschak-Kumanisch der Kumanen. Als Beispiel werden nun Kumanisch und das moderne Kasan-Tatarische gegenüber gestellt.
| Kyptschakisch |
|---|
| Atamis kim köktä sen Algiszle bulsun sening ating kelsin sening hanlechin bulsun sening tilemegin neçikkim köktä allay ierdä kundegi ötmackimismi bisge bugun bergil dage iazuclarimisni bizgä bozzatkil neçik bis bozzattirbis bizgä iaman etchenlergä dage iecnik sinamakina bisni kuurmagil bassa barça iamandan bisni kuthargil. Amen. |
| Tatarisch |
| Küklärdäge Atabız!
Isemeñ mökatdäs bulsın. Sineñ Patşalıgıñ kilsen. Küklärdä Sineñ iqtıyarıñ bulgan kebek, yjirdä dä Sineñ iqtıyarıñ bulsın. Yaşäü öçen kiräk bulgan ikmäkne bir bezgä. Bez burıçlılaní kiçergän kebek, bezneñ burıçlarní kiçer. Bezne kotkıga kertmä, qäyläkärdän kotkar. Çönki Patşalık ta, kodrät tä, şöhrät tä mäñgegä Sineke. Amin! |
- siehe auch: Vergleichende Betrachtung von Turksprachen
Alttürkische Dialekte und Schriftsprachen
Als eigenständige Zweige des Alttürkischen gelten heute überwiegend folgende Sprachen: Göktürkisch/Altoghusisch, Altuyghurisch, Karlukisch, Choresmisch, Kyptschakisch (die Sprache der Bulgaren, Chasaren, Kumanen, Usen und Petschenegen) und Seldschukisch (Altosmanisch und Altaserbaidschanisch).
Die meisten der oben erwähnten Sprachen entwickelten sich schließlich zu Schriftsprachen türkischer Reiche:
- Karlukisch war die türkische Sprache des Karachaniden-Reiches. Es wies jedoch schon starke Bezüge zum Osttürkischen auf. Diese Sprache ist sehr gut durch Mahmud al-Kaschgar-i belegt worden. Aus ihr sollte schließlich das Tschagataiische hervorgehen.
- Choresmisch war ursprünglich eine westtürkische Sprache im Reiche des Choresm-Schah. Es hatte allerdings schon stärke Bezüge zum Südtürkischen und ist somit als Mischdialekt anzusehen. Diese Sprache war schließlich im 13. Jahrhundert die Amtssprache der Weißen Horde (im Osten der Goldenen Horde); sie wird noch heute zum Westtürkischen gerechnet.
- Kyptschak-Türkisch (türkisch: Kıpçak Türkçesi) war ebenfalls ursprünglich westtürkischer Herkunft und einst die gemeinsame Sprache der alten Bulgaren, Kumanen und Petschenegen. Aber auch die Sprachen der Chasaren, Kimek und Tölös gehören im weitesten Sinne zur Gruppe des Kyptschakischen. Es wurde im 13. Jahrhundert Amtssprache der Blauen Horde (im Westen der Goldenen Horde). Das Kyptschakische wurde zum Hauptvertreter des Westtürkischen.
Außer den runischen Aufzeichnungen der Jenessej-, Talas- und Orchon-Inschriften (türkisch Orhon Türkçesi oder „Orchon-Türkisch“) des 6. und 8. Jahrhunderts (Göktürken), sind uns seit dem 9. Jahrhundert an auch die christlich-religiösen Handschriften der Uiguren bekannt: Diese hatten mit der Annahme des ostkirchlichen (= orthodoxen) Christentum ein bedeutendes Schriftum entwickelt.
400px|thumb|Die verschiedenen "türkischen Runenreihen"
Ebenfalls seit dem 8. Jahrhundert sind uns die wenigen Schriften in Kyptschak-Bulgarischer Sprache bekannt. Ab dem 10. Jahrhundert sind uns die Schriften der Chasaren überliefert worden. Die meisten Schriften dieses Volkes ist zwar in hebräischen Schriftzeichen überliefert worden, doch sind auch einige Inschriften in der türkischen Runenzeichen (im sog. „Talas“- oder „Turan-Stil“) bekannt.
Ebenfalls im 10. Jahrhundert sind die ersten Schriften der Osmanen bekannt geworden, die seit Anbeginn in arabischen Schriftzeichen geschrieben wurden.
Weblinks
- alttürkische Inschrift Tonyukuk (720) – Gegenüberstellung Alttürkkisch <=> Türkeittürkisch
- alttürkische Inschrift Köl Tigin (732) – Gegenüberstellung Alttürkisch <=> Türkeitürkisch
- alttürkische Inschrift Bilge Khagan (735) – Gegenüberstellung Alttürkisch <=> Türkeitürkisch
