Amische

Die Amisch (engl. Amish [ˈaːmɪʃ]), ist eine Religionsgemeinschaft, welche ihre Wurzeln in der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts hat. Im Jahre 1693 spalteten die Amischen sich von der Gruppe der Mennoniten ab. Heute leben sie in 26 Staaten der USA in 1.204 Siedlungen. Sie führen ein meist bäuerliches Leben und sind bekannt dafür, den technischen Fortschritt in den meisten Fällen strikt abzulehnen. Die Amischen legen großen Wert auf Familie, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Sie stammen überwiegend von Deutschen und Deutschschweizern, , wenige aber auch von Engländern, Walisern, Schotten oder Franzosen ab.

[[Bild:Buggy_at_supermarket.jpg|thumb|Amish Buggies an einem Supermarkt in Indiana]]

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Der Name stammt von dem Schweizer Bischof Jakob Amman, der 1693 die Trennung von den Mennoniten in der Schweiz und im Elsass bewirkte. Seine Herkunft ist umstritten, man nimmt aber an, dass er ein Konvertit von den Reformierten war und strengere Glaubensüberzeugungen, als die Hineingeborenen verinnerlichte. Der Name des Gründers ist heute bei Amischen nicht vertreten, wenig ist zudem über sein Leben bekannt, so gibt es keine Grabstelle, die lokalisiert werden kann. Jacob Amman stritt sich mit dem Mennonitenbischof Hans Reist über die Frage der Rettungsmöglichkeit derjenigen, die Mennoniten damals halfen(Treuherzige), aber nicht ihnen beitraten. Jacob verneinte ihre Hoffnung auf Errettung, nur ein Beitritt würde ihnen eine lebendige Hoffnung geben können. Andererseits betont Jacob sehr strenge Kleidungsregeln und den Bart. In dieser Hinsicht kamen starke legalistische Elemente in die neu geformte Gruppe. Wiederum wollte Jacob Amman das 1632 formierte Glaubensbekenntnis aus Dordrecht bei den schweizer Mennoniten praktiziert sehen. Wer mit Jacob Amman nicht übereinstimmte, den bannte er und forderte die Praktizierung der strengen Meidung. Später sah er seine rigide Verfahrensweise ein und bannte sich selbst als Strafe, zu jenem Zeitpunkt war aber die Spaltung zu fest gefahren, dass sie noch hätte rückgängig gemacht werden können. Die Gruppe der Amischen wahrte eine strenge Disziplin innerhalb ihrer Gemeinschaft und sah sich auch deswegen zunehmend Feindseligkeiten und Verfolgungen ausgesetzt. Im Englischen bezeichnet man die Amischen als "Amish", wobei das "A" wie das deutsche A ausgesprochen wird. Selbst bezeichnen sie sich als "Altamische" (Old Order Amish).

Pennsylvania und Amerika

Im 18. Jahrhundert wanderten sie in die USA nach Pennsylvania aus. Die ersten bedeutenden Gruppen erreichten Lancaster County zwischen 1720 bis 1730. Weitere Amische ließen sich in Illinois, Indiana, Missouri, Nebraska, Ohio und auch in Kanada nieder.

Das Leben der Amish

Als Old Order Amish bezeichnet man diejenigen, die mit größter Radikalität bestimmte technische Errungenschaften ablehnen, weil sie diese zum großen Teil mit dem "Englischen", also mit der äußeren Welt, verbinden. Dabei hat die Entscheidung für oder gegen eine technische Errungenschaft mit bestimmter Auslegungsweise von Bibelversen zu tun "Stellet euch nicht dieser Welt gleich,...", auch mit starkem legalistischem Glaubensgehorsam und Gruppenerhaltungsfunktionen zu tun. Amische fahren Pferdekutschen, erwachsene Männer tragen einen Vollbart, jedoch ohne einen Schnurrbart (da dieser Militärtradition ist). Andere, weniger strenge Gruppen, akzeptieren in einem geringen Maß durchaus moderne Techniken, solange deren Einsatz zuvor besprochen und erlaubt wurde. Ihre Kleidung ist zumeist sehr einfach gehalten, gilt aber als qualitativ hochwertig. Einigen Gruppen ist es durch eine spezielle Kleidungsvorschrift nicht gestattet, Knöpfe anzubringen. Sie müssen dann Nadeln verwenden. Kinder der Old Order Amish besuchen heutzutage zumeist keine öffentlichen Bildungseinrichtungen, sondern gesonderte private Schulen, wo sie von jungen unverheirateten Frauen unterrichtet werden. Die eigenen Schulen erlauben die Kontrolle der Unterrichtsinhalte, konditionieren und sozialisieren die Kinder auch stärker zum späteren Beitritt zu die eigenen Gruppen. Nach ihrer Schulzeit arbeiten sie meistens auf der Farm ihrer Familie, bis sie heiraten. Doch ist es bei allen Amischen üblich, vertrauend auf die Schönheit der eigenen Lebensweise, dass Kinder im adoleszenten Alter für einige Zeit die Möglichkeit bekommen, in ein anderes Leben zu schauen.

thumb| Diese Zeit, in der den Jugendlichen auch bewusst sexuelle Freiheit zugestanden wird (anders als bei vielen traditionellen Gemeinschaften), nennt sich rumspringe (vom Wort springen). Die Freizügigkeit hinsichtlich sexueller Freiheit ist seltsamerweise offener bei den traditionelleren Gruppen, in Form des "Bundling", und strenger bei liberalen Gruppen. Es ist eher ein Wegschauen, wobei aber trotzdem die Betonung auf Reinheit vor der Ehe gelegt wird. Teilweise werden vorehelische Schwangerschaften durchs Heiraten "entsündigt" oder rein gemacht.

Die meisten Jugendlichen entscheiden sich für das Leben als Amische, je nach Gruppierung und Dekade waren und sind es zwischen 70 und 95 Prozent. Die meisten Amischen sind dreisprachig. Untereinander sprechen sie den deutschen Dialekt, Pennsylvaniadeutsch oder Schyzerdütsch in einigen Countys Indianas, beim Gottesdienst benutzen sie ein stark dialektal gefärbtes bzw. gemischtes Hochdeutsch, welches auch englische Lehnwörter enthält, z.B. "Wenn mir realize(gespr. ri-ä-lei-ße), des mir arme Sinner uff seller Erd sind..." Die englische Sprache gebrauchen sie, um mit der Außenwelt zu kommunizieren, durch die berufliche zunehmende Anbindung an die Außengesellschaft steigt aber der Gebrauch des Englischen. Die Familie ist ein wesentliches Element der Amisch-Gemeinschaften. Im Alter von 16 Jahren beginnen die Ersten einen Lebensgefährten zu suchen. Im Alter von 20 Jahren finden dann die meisten Hochzeiten statt. Ein junges verheiratetes Paar lebt vorerst bei den Eltern der Braut, bis sie im Frühling des darauffolgenden Jahres in ein eigenes Haus ziehen.

Mennoniten und Amische

Andere Gruppen, besonders die Mennoniten, sind generell weniger streng. Genau wie bei den Amischen entscheidet jede Gemeinde autonom über ihre Belange. Insofern existieren sehr liberale und auch sehr konservative Gemeinden. Zuweilen werden bestimmte Mennonitengruppen mit den Amischen verwechselt, dazu gehören besonders jene, die wie die Amischen alter Ordnung (Altamischen) mit Pferdefuhrwerken fahren. Gemeinhin bezeichnet man diese Mennonitengruppen als "Old Order Mennonites", Eigenbezeichnung entweder nach dem Gründungsbischof oder gegenwärtigen Bischof wie "Wenger Mennischte", "Jeck Stauffer Leit", oder "Altmennischte". Unter ihnen gibt es teilweise noch strengere Gruppen als die Altamischen, wie z.B. die Reidenbach Mennoniten oder bestimmte Gruppen, die seit einer Spaltung 1845 von Jacob Stauffer abstammen.

Jugendliche der Amischen

Bis zu ihrem 18.Lebensjahr leben die Kinder der Amischen bei ihren Eltern, dann dürfen sie für kurze Zeit ein "normales" Leben mit Elektrizität, Alkohol und Zigaretten, teilweise auch Drogen, leben, in dem sie alles ausprobieren dürfen. Dann müssen sie sich entscheiden, ob sie wieder zurück wollen, oder ein "normales" Leben leben wollen. Fällt ihre Entscheidung auf das "normale" Leben, werden sie verstoßen. Nur wenige schaffen es, je wieder in den Kreis der Amischen aufgenommen zu werden.

Gegenwart

Zurzeit gibt es ungefähr 182.000 Amische (Stand 1997), die größtenteils in 250 Gemeinschaften in 26 Bundesstaaten der USA und in Ontario, Kanada leben. Es gibt viele Dutzende amische Gemeinschaften, die sich voneinander insbesonders durch die unterschiedlich hohe Akzeptanz technischer Neuerungen unterscheiden oder durch die Handhabung der "strengen Meidung"(Verhalten gegenüber Ausgeschlossenen: z.B. Transaktionsverbot von Geschäften,...) Von extrem konservativ bis sehr liberal gibt es z.B. in Auswahl folgende Gruppen:

Es gibt auch Mennonitengruppen mit historisch Amischursprungen.

Zwischen und zusätzlich zu diesen Gruppen gibt es noch Dutzende mehr. Einige sind nur regional vertreten und haben keine bundesstaatweiten Verbindungen.

Durch eine besonders hohe Geburtenrate von sechs oder mehr Kindern in einer Familie kann man davon ausgehen, dass ihre Tradition und Sprache auch zukünftig erhalten bleiben wird.

Die Zahl der Amischen beläuft sich heute Dezember 2004 auf 218.651 Personen, das entspricht einem jährlichen Plus von circa drei bis vier Prozent (4,5 % für 2004), alle 20 bis 25 Jahre verdoppelt sich die Anzahl der Amischen. Einige amische Gemeinden wie z.B. die Swartzentrubers haben 12 bis 16 Kinder je Familie, also ca. 57 Geburten auf 1.000 Einwohner und verdoppeln sich alle 15 Jahre. (Zum Vergleich: Deutschland hat 9 Geburten auf 1.000 Einwohner).

Literatur

Peter Ester: Die Amish People - Überlebenskünstler in der modernen Gesellschaft, Patmos Verlag ISBN 3-491-72487-2

Weblinks

See also: Amische, 1720, 1730, 18. Jahrhundert, Buggy (Kutsche), Fortschritt, Illinois, Indiana, Kanada, Lancaster County (Pennsylvania)