Anaerobe Schwelle
Bei der anaeroben Schwelle (Begriff aus der Sportmedizin; manchmal auch als "aerob-anaerobe Schwelle" oder "Laktatschwelle" bezeichnet) handelt es sich um die höchstmögliche Belastungsintensität, welche noch ohne zunehmende Übersäuerung aufrecht erhalten werden kann. Es herrscht hier ein Gleichgewichtszustand ("steady state") zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffaufnahme. Die anaerobe Schwelle liegt typischerweise bei einer Laktat-Konzentration von 4 mmol/l; dieser Laktatwert wird umgekehrt auch zur Definition der aeroben Schwelle verwendet. Der Wert von 4 mmol/l ist jedoch nicht allgemein gültig. Es sind größere individuelle Schwankungen möglich.
- Bei einer Belastung unterhalb der anaeroben Schwelle läuft die Energiebereitstellung rein unter der Verstoffwechselung von Sauerstoff, also "aerob" ab. Eine Ausdauerleistung kann hier sehr lange aufrecht erhalten werden; z.B. bei einem Marathonlauf.
- Eine Belastung an der anaeroben Schwelle ist die relativ höchste Belastung, die langfristig durchgehalten werden kann. (Die Glykogen-Reserven sind allerdings bei intensiver Dauerbelastung je nach Trainingszustand nach 60 bis 90 Minuten weitgehend erschöpft.)
- Bei einer Belastung oberhalb der anaeroben Schwelle erfolgt die Energiebereitstellung "anaerob" unter Milchsäureanfall. Dabei geht der Körper eine "Sauerstoffschuld" ein. Es kommt zu einem die Leistung beeinträchtigenden Milchsäureanstieg (Laktat), so daß die Leistung nur kurzfristig (etwa wenige Minuten) durchzuhalten ist.
Nicht zu verwechseln mit der anaeroben Schwelle ist die "aerobe Schwelle" bei einer Laktat-Konzentration von ca. 2 mmol/l. Bei der "aeroben Schwelle" handelt es sich um die geringste Belastungsintensität, bei der erstmals ein Anstieg des Laktat-Werts gegenüber dem Ruhewert zu messen ist.
Die anaerobe Schwelle hat im Leistungstraining eine große Bedeutung, da dem Training mit einer Intensität knapp unterhalb dieses Grenzwertes ein hoher Effekt bei der Entwicklung der aeroben Leistungsfähigkeit nachgesagt wird.
