Andengemeinschaft
Die Andengemeinschaft (früher Andenpakt, span. Comunidad Andina, Abkürzung: CAN) ) besteht aus den Ländern Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela. Sie hat die wirtschaftliche und soziale Integration dieser Länder zum Ziel. Der Integrationsprozeß begann 1969 mit der Unterzeichnung des Abkommens von Cartagena (Andenpakt) und umfasste zunächst Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien und Peru. Venezuela schloss sich 1973 an, Chile trat 1976 aus dem Andenpakt aus. Dieses Abkommen wurde sukzessive aktualisiert und erweitert und gipfelte im Juni 1997 in der Gründung der Andengemeinschaft.
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Ziele
Die regionale Agenda der Andengemeinschaft wird im Wesentlichen von den Präsidenten der Andenländer bei ihren Gipfeltreffen festgelegt. Die Prioritäten und ihre Reihenfolge ändern sich je nach dem turnusmäßig wechselnden Vorsitz. Dennoch ist eine gewisse Kontinuität festzustellen.
Politische Ziele
Hauptziel der politischen Agenda ist die Festlegung einer gemeinsamen Außenpolitik. Auf dieses Konzept verständigten sich die Länder 1998. Auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene bemüht sich die CAN um eine Annäherung der Positionen der einzelnen Länder, um gemeinsame Standpunkte anzunehmen.
Eine wichtige Rolle spielt auch die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Ein gemeinsamer Standpunkt im Bereich der Drogenbekämpfung führte bereits zur Annahme des andinen Kooperationsplans zur Bekämpfung illegaler Drogen und der damit verbundenen Straftaten (2001).
Wirtschaftliche Ziele
Bis Ende 2005 soll das Ziel eines Binnenmarkts erreicht sein. Ziel ist die Einführung eines gemeinsamen Außenzolls, der bislang nur in Ansätzen vorhanden ist, die Schaffung einer gemeinsamen Agrarpolitik, die Angleichung bestimmter Rechtsvorschriften (Wettbewerb, Investitionsschutz, Doppelbesteuerung), die Harmonisierung bestimmter Daten wie der Statistiken sowie die Einhaltung bestimmter Konvergenzkriterien bei den makroökonomischen Politiken (ähnlich dem Stabilitäts- und Wachstumspakt in der EU). Nicht nur die Waren, sondern auch die Personen sollen frei verkehren können.
Was die Außenbeziehungen anbelangt, so stehen im Terminkalender der Agenda zahlreiche internationale Handelsverhandlungen. Die Region spricht in verschiedenen Gremien mit einer Stimme: in den meisten internationalen Foren, bei den Handelsverhandlungen der FTAA und mit dem Mercosur, bei den Verhandlungen über die Verlängerung der von den Vereinigten Staaten und der EU gewährten Handelspräferenzen. Außerdem äußerte die CAN den Wunsch, mit der EU Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen aufzunehmen, das in erster Linie ein Gegengewicht zur FTAA darstellen soll. Wie Mexiko, der Mercosur und Chile wollen die Andenländer durch Freihandelsvereinbarungen ihre Handelsbeziehungenen auf Dauer ausbauen.
Bedeutung
Die CAN-Mitglieder erstrecken sich über 40 Prozent des Gebiets Lateinamerikas. Rund ein Viertel der Bevölkerung Lateinamerikas lebt in den CAN-Staaten. Gemeinsame Sprache der Mitgliedsländer ist Spanisch. Das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP liegt zwischen knapp 1.000 US-Dollar (Bolivien) und knapp 4.000 US-Dollar (Venezuela). Damit ist die CAN mit Ausnahme Venezuelas hauptsächlich ein Verbund der ärmsten südamerikanischen Staaten.
Die Andengemeinschaft ist der drittgrößte Integrationsraum Amerikas nach der NAFTA und dem Mercosur. Allerdings ist die CAN bedeutend kleiner als der Mercosur; so weist sie lediglich knapp die Hälfte seiner Bevölkerung und sogar nur ein Drittel des Mercosur-BIPS auf.
Die vergleichsweise geringe Bedeutung der Andengemeinschaft zeigt sich auch in der Tatsache, dass das vergleichsweise reiche Chile eine Assoziierung mit dem Mercosur einer Mitgliedschaft in der CAN vorgezogen hat.
Die Exporte der Andenländer sind wenig diversifiziert und bestehen größtenteils aus Rohstoffen und Erzeugnissen der ersten Verarbeitungsstufe. Venezuela exportiert vornehmlich Erdöl und andere Bodenschätze. Kolumbien exportiert Kohle, Mineralien, Kaffee und Schnittblumen. Bolivien exportiert vor allem Mineralien, verzeichnet aber auch zunehmende Gasexporte. Ecuador exportiert hauptsächlich Bananen, Erdöl und Garnelen.
Geografie und Ressourcen
Die südamerikanische Andenregion umfasst eine Vielzahl verschiedener klimatischer und geografischer Dimensionen. Alle fünf Länder haben jedoch Zugang zur Andenkordillere und zum Amazonasbecken. Jedoch unterscheiden sich die Länder bezüglich der weiteren geografischen Lage teilweise deutlich. Diese Unterschiede sind mit dafür verantwortlich, dass die politischen und ökonomischen Interessen der Länder im Rahmen der Andengemeinschaft z. T. deutlich divergieren.
Alle Andenländer verfügen über beträchtliche natürliche Ressourcen, die noch weitgehend ungenutzt sind, wie beispielsweise das Potenzial der Biodiversität (25 Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt finden sich in der CAN), insbesondere im Amazonasbecken (welches ein knappes Drittel der Fläche der Länder ausmacht), die Wasserressourcen (40 Prozent der Süßwasservorräte des Subkontinents) und die Meeresressourcen. Auch Bodenschätze sind reichlich vorhanden: 55 Prozent der Erdöl-, Erdgas- und Kohlvorkommen Lateinamerikas, 10 Prozent der weltweiten Kupfervorkommen.
Bevölkerung
Die Andengemeinschaft stellt einen kulturell und sprachlich vergleichsweise homogenen Raum dar. Zwar weisen die fünf Länder unterschiedliche Ureinwohner auf, jedoch verfügen sie alle über dieselbe (Amts-)Sprache (Spanisch) und einen ähnlichen historischen Hintergrund, da sie vor zwei Jahrhunderten – zu Zeiten Bolivars – in ein und demselben Staat lebten.
Auch bezüglich der Entwicklungstendenzen ähneln sich die Länder: Sie weisen alle ein eingedämmtes Bevölkerungswachstum (durchschnittlich 2 Prozent im Jahr), eine fortschreitende Verstädterung (70 Prozent der Andenbewohner leben in Städten) und eine relativ niedrige durchschnittliche Bevölkerungsdichte (23 Einwohne/km²).
Geschichte
Seit 1994 besteht zwischen den Mitgliedsländern (mit Übergangs- und Ausnahmeregelungen) eine Freihandelszone. Peru gehört dieser Freihandelszone bisher nicht an, könnte jedoch 2005 beitreten.
