Anglozentrismus
Als Anglozentrismus bezeichnet man die vor allem in englischsprachigen Ländern übliche Sichtweise politischer, wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Sachverhalte. Kritiker des Anglozentrismus beklagen hierbei eine Vernachlässigung oder gar Ignoranz der nicht-englischsprachigen Welt sowie das wertende Polarisieren zwischen Errungenschaften der USA, Großbritanniens, Australiens und anderer englischsprachiger Staaten auf der "positiven" Seite einerseits und denen anderer Kulturen auf der "negativen" Seite andererseits. Als Ursache für den Anglozentrismus wird meistens die wirtschaftliche Dominanz v.a. der USA gesehen, verbunden mit der Tatsache, dass die englische Sprache weithin als Lingua franca gilt. Dies führt zu einem verminderten Bedürfnis vieler englischer Muttersprachler, sich mit den vermeintlich "komplizierten" Sprachen und damit verbunden mit den entsprechenden Ländern und Kulturen zu befassen, was wiederum zu deren verminderter Wahrnehmung von Seiten der englischsprachigen Welt, deren Presse, Wirtschaft, Politik und anderer einflussreicher Faktoren führt. Dies schlage sich nach Ansicht der Kritiker in einer häufig ungerechtfertigten Bevorzugung englischsprachiger Wissenschaftler, Kulturschaffender usw. und damit in deren übermäßigen Repräsentation bei Nobelpreisverleihungen, bei internationalen Wettbewerben, in internationalen Fachzeitschriften und bei vergleichbaren Anlässen nieder.
Siehe auch
Nord-Süd-Konflikt, Ost-West-Konflikt, Globalisierungskritik, Kolonialismus, Imperialismus, Antiamerikanismus
