Antiimperialismus

Der Begriff Antiimperialismus ist abgeleitet von anti (griechische Vorsilbe: entgegengesetzt) und Imperialismus (sinngemäß: Herrschaft außerhalb des eigenen Staatsgebiets). Er bezeichnet somit eine gegen den Imperialismus gerichtete politische Haltung oder aus ihr motivierte Aktivität, und ist damit unmittelbar an den Begriff Imperialismus und dessen jeweilige Erklärung gebunden. Gemeint ist in erster Linie eine entgegengesetzte Position zum modernen Imperialismus (seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts).

Mit unterschiedlichen Erklärungsmodellen für den Imperialismus ergeben sich daher auch unterschiedliche antiimperialistische Positionen, die sich z.T. ähneln, aber auch in direktem Gegensatz zueinander stehen können.

Begriffsverwirrung entsteht immer dann, wenn das Wort Antiimperialismus ohne klaren Bezug auf die dahinter stehende Imperialismustheorie verwendet wird.

Formelle und informelle Herrschaft

Die Unterscheidung in formal empire (formelle Herrschaft) und informal empire (informelle Herrschaft) ermöglicht es auch nicht-marxistischen Imperialismustheoretikern, die Beschränkung des Imperialismusbegriffes auf den Kolonialismus zu durchbrechen. So war etwa Kuba auch in der nicht-marxistischen Analyse zwischen 1902 und 1959 zwar keine US-amerikanische Kolonie mehr, aber gehörte zum informal empire der USA, sinngemäß deren politischen, im engeren Sinn wirtschaftspolitischen Einflussspäre.

Inhaltsverzeichnis

Historischer Antiimperialismus

USA

Antiimperialistische Bewegungen gab es sowohl in Europa im Zeitalter des Imperialismus als auch in den USA beginnend mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 und dem damit verbundenen Eintritt der Vereinigten Staaten in den Kreis der imperialistischen Weltmächte. Besonders in den USA gehörten auch einflussreiche bürgerliche Politiker zu den Antiimperialisten, die eine Vernachlässigung der wirtschaftlichen Entwicklung im eigenen Land befürchteten (Isolationismus).

Deutschland

In Deutschland war es besonders die SPD, die vor Beginn des 1. Weltkrieges 1914 antiimperialistische Forderungen gegen die kolonialen Ansprüche des Deutschen Kaiserreichs bzw. dessen Politik in den entsprechenden Kolonien (den heutigen Staaten Togo, Namibia, Tansania und (Ost-)Samoa) vertrat.

Mit der Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten des Deutschen Reiches 1914 während des 1. Weltkriegs und dem Auseinanderbrechen der 2. Internationale in nationale Arbeiterbewegungen, die z.T. die Kriegspolitik ihrer Regierungen stützten, erfuhr der bisherige Antiimperialismus eine Zäsur.

Antiimperialismus als Antikapitalismus

Mit der Entstehung der Kommunistischen Parteien aus den Sozialistischen und Sozialdemokratischen Arbeiterparteien und ihrer Ablehnung des "Imperialistischen Weltkrieges" (1. Weltkrieg) verband sich die Verwendung des Begriffes Antiimperialismus stark mit der marxistisch-leninistischen Imperialismustheorie. Der Imperialismus wird nicht als eine vorübergehende Erscheinung (wie im bürgerlichen Antiimperialismus) gesehen, sondern als Wesenselement der kapitalistischen Gesellschaft auf ihrer monopolkapitalistischen und staatsmonopolkapitalistischen Entwicklungsstufe. Er ist damit auch nicht mehr an einzelne Staaten gebunden, sondern an das ganze Gesellschaftssystem.

Seit dem von Lenin 1916 verfassten Aufsatz Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus ist der Antiimperialismus zu einem grundlegenden Begriff marxistisch-leninistischer Geschichtsinterpretation im 20. Jahrhundert geworden.

Entscheidend für diese Sichtweise des Imperialismus ist, dass folgende Elemente als Unterbegriffe von Imperialismus verstanden werden:

In dieser Lesart sind dann Antikolonialismus, Internationalismus, Antirassismus und Antifaschismus Unterbegriffe von Antiimperialismus und Antikapitalismus.

Gerade in den antikolonialen Bewegungen, im Antirassismus und Antifaschismus gab und gibt es aber bedeutende Gruppen, die sich durchaus nicht in der marxistischen Tradition sehen, sondern gegen ungewünschte "Ausuferungen" einer ansonsten als gerecht empfundenen Gesellschaftsordnung angehen.

Antikolonialismus

Zahlreiche gegen den Kolonialismus gerichteten nationalen Befreiungsbewegungen entstanden in ihrem Kern bereits nach dem Ersten Weltkrieg und der mit ihm verbundenen Erschütterung der damaligen Weltordnung. Viele Gründer antikolonialer Bewegungen kamen in Kontakt mit der Kommunistischen Weltbewegung (KOMINTERN), z.B. der Vietnamese Ho Chi Minh, und fühlten sich als Teil einer weltweiten antiimperialistischen Bewegung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine Welle von antikolonialen Bewegungen in nahezu allen Kolonien. Zumindest in ihrer Anfangszeit suchten sie nach Unterstützung und viele fanden sie in der einigenden Theorie marxistisch-leninistischer Imperialismustheorie. Neben dem Aspekt politischer Unterstützung spielte aber auch die materielle Unterstützung durch die Staaten des "Antiimperialistischen Lagers" in der Atmosphäre des Kalten Krieges seit den 1950er Jahren eine mitunter entscheidende Rolle. Dies gilt z.B. für:

Antiimperialismus nach Ende des Kalten Krieges

Bereits vor dem Auseinanderfallen des Ostblocks zeichnete sich in einigen der neu entstandenen Staaten der Dritten Welt eine Abkehr vom Antiimperialismus ab.

Globalisierungsgegner

Während der Begriff Globalisierung die Gleichberechtigung innerhalb einer neuen Weltordnung, die das nationalstaatliche Modell des 19. Jahrhunderts überwinden soll, suggeriert, benutzen die Kritiker der Globalisierung diesen Begriff häufig synonym mit Imperialismus, mitunter auch um sich vom Antiimperialismus marxistisch-leninistischer Lesart abzusetzen.

Seit Mitte der 1990er Jahre, nach dem Niedergang der UdSSR und des europäischen Ostblocks und mit der verstärkten Öffnung der internationalen Märkte, vor allem der Kapitalmärkte im Zuge der neoliberalen Globalisierung bekam der Kapitalismus und mit ihm auch der Imperialismus wieder eine neue, von vielen als aggressiver und zugleich subtiler empfundene Qualität gegenüber den entsprechenden Entwicklungen bis dahin. Die sich gegen diese Entwicklungen international organisierende Bewegung der Globalisierungskritiker versucht seither, auch neue Konzepte und Strategien des Antiimperialismus zu entwickeln. Dabei besteht die Schwierigkeit der Antiimperialisten in einer zunehmenden Anonymisierung ihrer Gegner, bei denen es sich immer weniger um konkrete imperialistische, im bisherigen Sinn kolonialistische Staaten und immer mehr um international operierende Wirtschaftsunternehmen und Banken handelt.

„Antiimperialismus“ und Neofaschismus

Im Rahmen faschistischer Demagogie wurden häufig Begriffe aus der marxistischen Arbeiterbewegung verwendet und umdefiniert. Beispiele dafür sind:

Literatur

siehe auch

Weblinks


Kategorie:Ideologie Kategorie:Politik

See also: Antiimperialismus, 1. Weltkrieg, 1898, 19. Jahrhundert, 1902, 1914, 1916, 1917, 1918, 1950er