Antikoagulation
Die Gabe vom Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung wird als Antikoagulation bezeichnet. Nötig wird dies bei Erkrankungen oder Zuständen, bei denen eine gesteigerte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) vorliegt, um Komplikationen wie z.B. Thrombosen oder Embolien zu vermeiden.
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Gründe für eine Antikoagulation
- für längere Zeit (Monate bis lebenslang):
- Vorhandensein von künstlichen Herzklappen
- Vorhofflimmern
- Erkrankungen des Blutgerinnungssystems
- wiederholte Thrombosen oder Embolien
- fortgeschrittene Arteriosklerose (Koronare Herzerkrankung, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Verengung der Halsschlagader)
- Herzwandaneurysma
- untypische Hämodynamik z.B. nach Pallitiv-OP bei angeborenem Herzfehler
- und andere
- für kurze Zeit:
- perioperativ
- zur Therapie von Thrombosen und Embolien (Beinvenenthrombose, Lungenembolie, Schlaganfall, Herzinfarkt)
- bei Herzkathetereingriffen
- bei Blutentnahme zur Stammzellapherese
- und andere
Medikamente und wesentliche Eigenschaften
Aus der Wirkung der Medikamente ergibt sich auch die wesentliche Nebenwirkung aller Antikoagulanzien. Vor allem bei Überdosierung besteht die Gefahr von Blutungen (Magenblutung, Schlaganfall u.a.).
- Acetylsalicylsäure (ASS)
- orale Gabe (Tablette)
- billig
- gut wirksam in Schlagadern, schlecht wirksam in Venen
- Wirkung hält lange an (nachteilig bei Blutungen oder Operationen)
- Wirkung kann im Notfall durch ein Gegenmittel gestoppt werden
- bei 20-30% der Bevölkerung unwirksam
- Clopidogrel (Plavix®)
- orale Gabe (Tablette)
- teuer
- gut wirksam in Schlagadern, schlecht wirksam in Venen
- Wirkung hält lange an (ca. 1 Woche) und kann schlecht gestoppt werden
- bei einem Teil der Bevölkerung (ca. 15-20%) nicht wirksam
- wirkt ähnlich wie Acetylsalicylsäure aber an anderer Stelle, so dass sich die Wirkungen bei gleichzeitiger Einnahme verstärken
- Phenprocoumon (Marcumar®)
- orale Gabe (Tablette)
- billig
- gut wirksam in Schlagadern und Venen
- Wirkung hält lange an (nachteilig bei Blutungen oder Operationen)
- Wirkungskontrolle durch häufige Blutabnahmen notwendig
- Heparin
- parenterale Gabe (Spritze) 2-3 x täglich oder als Dauergabe
- billig
- gut wirksam in Schlagadern und sehr gut wirksam in Venen
- Wirkung lässt sehr schnell nach (ist manchmal notwendig!)
- Niedermolekulare Heparine
- parenterale Gabe (Spritze) 1 x täglich
- teuer
- gut wirksam in Schlagadern und sehr gut wirksam in Venen
- Wirkung lässt schnell nach
Neben diesen häufig verwendeten Medikamenten gibt es andere seltener benötigte und einige, die neu auf den Markt gekommen sind.
Messung
Die Wirkung der Medikamente wird alsINR (früher Quick) gemessen. Die Bestimmung wird normalerweise einmal monatlich durch den Arzt (bzw. ein nachgeschaltetes Labor) vorgenommen.
Bei stabilen chronisch kranken Patienten wird diese Aufgabe in zunehmendem Maß, im Wege des Gerinnungsselbstmanagements, auf den Patienten übertragen. Hierfür gibt es handliche Testgeräte (inRatio, Coaguchek). Diese werden bei ärztlicher Befürwortung ggf. durch die Kassen gestellt und erlauben dem Patienten eine zuverlässige Kontrolle seiner Therapie, auch bei plötzlichen INR-Schwankungen und beispielsweise auf Reisen. Eine vorherige individuelle Patientenschulung ist als Voraussetzung für die Kostenerstattung durch die gesetzl. Krankenkassen notwendig.
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