Antinous
thumb|Relief des Antinoos Antinoos (Ἀντίνοος), in lateinischer Form Antinous, war ein junger Mann aus Claudiopolis in Bithynien, Liebling und Reisegefährte des Kaisers Hadrian. Er starb freiwillig unweit Besa im Nil aus Schwermut oder, einem Aberglauben folgend, um durch seinen Opfertod das Leben des Kaisers zu verlängern.
Der Kaiser ließ ihn unter die Heroen versetzen, erbaute ihm zu Ehren Antinoopolis auf den Trümmern von Besa sowie zahlreiche Tempel in Bithynien, in Arkadien und anderwärts und ordnete ihm jährliche Festspiele an. Auch ein Sternbild erhielt seinen Namen. Auf Hadrians Veranlassung wurde Antinoos ein beliebter Gegenstand für die Kunst, und es verbreitete sich eine Menge von Statuen und Büsten, Gemmen und Münzen, die ihn als das Ideal jugendlicher Schönheit darstellen, oft mit den Attributen einer bestimmten Gottheit (Dionysos, Hermes, Apollon, Asklepios etc.).
Viele dieser Bildwerke haben sich erhalten und gehören zu den schönsten Werken der römischen Kunst. Berühmt ist die kolossale Bildsäule des Antinoos im Vatikan, aufgefunden in Palestrina, wo Kaiser Hadrian eine Villa hatte, den Jüngling als Dionysos darstellend, mit Efeukranz und hängenden Locken, sowie die Antinoosstatue im Museo Capitolino, gefunden in der Villa Hadrians zu Tivoli.
Als die treffendste Darstellung des Antinoos dürfte das Reliefbrustbild aus Marmor in der Villa Albani gelten, das ebenfalls aus Hadrians Villa bei Tivoli stammt. Als gemeinsame Züge der Antinoosbilder nennt Winckelmann einen gewissen melancholischen Gesichtsausdruck, große Augen, sanft abwärts gehendes Profil und schöne Form des Mundes und Kinns. Charakteristisch sind aber besonders die auffallend hoch entwickelte Brust, die etwas zu hoch stehende rechte Schulter, das starke, etwas durcheinander geworfene Haupthaar und die plastisch hervorgehobenen, breiten Augenbrauen.
Die in Gipsabgüssen verbreiteten sogenannte Antinoosbüsten mit gesenktem Haupt sind Hermesbüsten. Gegen Verehrung des Antinoos eiferten noch im 4. Jahrhundert die christlichen Kirchenlehrer vergebens.
Literatur
- Hugo Meyer: Antinoos. Die archäologischen Denkmäler unter Einbeziehung des numismatischen und epigraphischen Materials sowie der literarischen Nachrichten. Ein Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte der hadrianisch-frühantoninischen Zeit. Fink, München 1991, ISBN 3-7705-2634-1
- Ch. W. Clairmont: Die Bildnisse des Antinous. Ein Beitrag zur Portraitplastik unter Kaiser Hadrian. Schweizerisches Institut in Rom 1966
