Arbeitswerttheorie

Die Arbeitswerttheorie ist eine von Karl Marx herausgearbeitete ökonomische Theorie, die darlegt, dass der primäre, grundlegende Wertmaßstab für eine Ware (Warenwert) der in der Ware enthaltene Wert menschlicher Arbeit ist.

Daraus lässt sich auch Ausbeutung ableiten. Wenn Ware unter ihrem, in der Ware enthaltenem Arbeitswert verkauft wird wird der Arbeiter ausgebeutet. Im Kapitalismus soll das nach Marx für jeden die Regel sein, da "zinstragendes, fiktives Kapital" den daraus resultierenden Mehrwert sich aneignet und vernichtet. Der Mehrwert fließt in Strukturen, die nichts mit der Arbeit an der Ware zu tun haben (zum Beispiel Staatsanleihen, shareholder value) und gelangt von da nie wieder in den einfachen Warenkreislauf. Würde man diese Strukturen abschaffen, ließe sich nach Marx der Kapitalismus beseitigen.

David Ricardo und Karl Marx werden sehr oft mit dieser Theorie verbunden, tatsächlich hat sie bei John Locke ihre Ursprünge.

Versuch einer Bewertung

Richtig an der Arbeitswerttheorie dürfte sein, dass der Mehrwert einer Ware auch durch Arbeit geschaffen wird. Beispielsweise ist eine Tonne Eisen nach der Bearbeitung zu Stahl mehr Wert als vorher. Die aus dem Stahl hergestellten Werkzeuge wiederum mehr wert als der Ausgangsrohstoff. Marx meint, dass dieser Mehrwert vom Arbeiter (von der Arbeitszeit der daran beteiligten Menschen) geschaffen wurde und daher ihm zusteht (nicht ihm!). Die Gegenposition sieht den Mehrwert eher als Unternehmerlohn für die Bereitstellung von Maschinen (Kapital) und Arbeitsort (Boden), die nach der klassischen Wirtschaftstheorie zusammen mit der Arbeit die drei Produktionsfaktoren darstellen. Es ist der Gedanke von Adam Smith, dass nur die Arbeitzzeit Werte schafft)

Problematisch an der Theorie ist die Fixierung auf den Arbeiter als einziges Subjekt, das Mehrwert schafft. Auch ein Verkauf der Waren unter dem in ihnen enthaltenen Arbeitswert muss man kritisch hinterfragen. Wird dieser Wert als Lohn (etwa Lohnstückkosten der produzierten Waren) verstanden würde auch kein vernünftiger Kapitalist die Waren unter Wert verkaufen, da er immer mehr Wert erzielen will als er seinem Arbeiter zahlen muss. Der Arbeitswert als abstrakte Größe lässt sich aber nicht exakt bestimmen (der Gesamtwert einer Periode wird im Nettonationalprodukt abgebildet, er enthält nicht die Abschreibungen und die Vorleistungen) und damit auch nicht der Wert einer Ware. Der Versuch diesen Wert als Größe zu bestimmen, die der Arbeiter benötigt um seine Arbeitskraft zu erhalten dürfte nicht zum Ziel führen, da dieser Wert zum einen sehr individuell ist zum anderen noch keine Rückschlüsse zulässt auf die Qualität der Arbeit. Wenn zwei Arbeiter beispielsweise beide eine Stunde arbeiten müssten sie nach der Arbeitswerttheorie beide das selbe verdienen, selbst wenn einer der beiden in der selben Zeit das doppelte schafft (Das ist eine unsinnige Interpretation der Arbeitswertheorie, die zusätzlichen, wegen der höheren Produktivität, entstandenen Produkte, bei gleichbleibenden Preisen und gleichen Löhnen, den Gewinn des Unternehmens). Dies würde auf die Spitze getrieben dazu führen, das der Faule belohnt wird bzw. der engagierte, rationell arbeitende bestraft, da sich sein Einsatz nicht lohnt.

[Ergänzung] Bei dem "Versuch einer Bewertung" wurde die Arbeitswerttheorie nicht verstanden oder ein Teil der Theorie ignoriert. Die Arbeitswerttheorie bezieht sich bei der wertschaffenden Arbeit nicht auf die konkrete, sondern auf abstrakte Arbeit. Als abstrakte Arbeit versteht die Theorie die in einer Gesellschaft durchschnittliche Arbeit, die zur Produktion einer Ware und damit die zur Wertschaffung gesellschaftlich notwendige Arbeit. Deswegen haben die identischen Waren, egal ob vom faulen und ungeschickten langsam oder vom engagiert und rationellem Arbeiter schnell produziert, den gleichen Wert, denn dieser bestimmt sich gesellschaftlich. Es ist also für ein Verständnis der Arbeitswerttheorie notwendig, dass man in der Lage ist, diese Abstraktion nachzuvollziehen.

Des Weiteren werden sowohl in dem "Versuch einer Bewertung" als auch bei der Darstellung der Theorie selbst immer wieder Begriffe verwechselt, zum Beispiel Wert und Preis, Lohn(-stückkosten), Reproduktionskosten und Mehrwert, die ein Nichtverständnis deutlich machen und daher nur zur Verwirrung oder Irreleitung des Lesers beitragen dürften.

Siehe auch

See also: Arbeitswerttheorie, Arbeit (Marxismus), Arbeitskraft, Arbeitsort, Arbeitswertlehre, Ausbeutung, Boden, David Ricardo, Eisen, John Locke