Arbeitszeit

Arbeitszeit ist definiert als die Zeit, in der ein Mensch einer Arbeit nachgeht. Meist bezieht sich diese Bezeichnung auf eine entgeltliche Tätigkeit, die zur Sicherung des Lebensunterhalts dient.

Die Länge der Arbeitszeit wird normalerweise im Arbeitsvertrag geregelt und hat häufig direkten Einfluss auf die Berechnung der Entlohnung für die geleistete Arbeit. Die Rahmenbedingungen der erlaubten Arbeitszeit sind im Arbeitszeitgesetz festgelegt. thumb|Wöchentliche Arbeitszeit aller Vollzeitbeschäftigten in der EU 2002

Inhaltsverzeichnis

Arbeitszeitveränderungen

Arbeitszeitverlängerung

thumb|Wöchentliche Arbeitszeit aller abhängig Beschäftigten in der EU 2002 Zur Überwindung von wirtschaftlichen Schwächeperioden wurden in Deutschland von Arbeitgeberseite Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich gefordert. Der erhoffte betriebswirtschaftliche Effekt ist ein geringerer Stundenlohn und damit verringerte Lohnstückkosten. Volkswirtschaftlich gesehen ist der Effekt einer Verlängerung der Arbeitszeit umstritten. Während neoliberale Befürworter dieser Maßnahme die sinkenden Lohnstückkosten und die dadurch verbesserte internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hervorheben, bemerken unter anderem auf gewerkschaftlicher und globalisierungskritischer Seite tätige Menschen die bereits kaum steigerbare Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und befürchten eine weitere Erhöhung der Arbeitslosigkeit und Schwächung der Binnenkaufkraft und damit einhergehend eine Verstärkung der wirtschaftlichen Krise.

Arbeitszeitverkürzung

Die Gegenseite zur Verlängerung von Arbeitszeit ist deren Verkürzung (u.a. in Teilzeit). Argumente für eine Arbeitszeitverkürzung sind die steigende Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde und die gerechtere Verteilung von Arbeitszeit unter der arbeitsfähigen Bevölkerung. Nach der Theorie reagiert der Arbeitsmarkt selber auf die wirtschaftliche Krise bereits mit Arbeitszeitverkürzungen zu Lasten der mit einer Arbeitszeit von Null vom Erwerbsleben ausgegrenzten Arbeitslosen. Eine generelle Verkürzung der persönlichen Arbeitszeit soll danach Arbeitsplätze schaffen, weil die absolute Zahl geleisteter Arbeitsstunden auf mehr ArbeitnehmerInnen aufgeteilt wird. Zusätzlich können die Arbeitskosten sinken, da geringere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu bezahlen sind. Befürworter von Arbeitszeitverlängerungen bemängeln entgegen dem empirischen Befund einer höheren Arbeitsproduktivität und den sinkenden Lohnkosten steigende Ausgaben, da langwierigere Abstimmungsprozeduren bei den öfter auftretenden Schichtwechseln und höhere Kosten für die Personalverwaltung zu erwarten seien. Das größte Problem bei der Verkürzung von Arbeitszeit ist die Frage des Lohnausgleichs. Wird der vorher vereinbarte Stundensatz weitergezahlt, bedeutet eine Verringerung der Arbeitszeit gleichzeitig eine Verringerung des Nettolohns. Diese Verringerung fällt zwar nicht so stark aus wie die des Bruttolohns (durch den progressiven Einkommensteuersatz), aber sie hindert viele ArbeitnehmerInnen daran, eine Teilzeitstelle anzunehmen. Gegen eine Erhöhung des Stundenlohnes wiederum sprechen sich die Arbeitgeberverbände aus, die ohnehin hohe Lohnkosten als Hauptgrund für die Arbeitslosigkeit in Deutschland darstellen.

Arbeitszeitflexibilisierung

Zusätzlich wird auch immer wieder über Arbeitszeitflexibilisierungen diskutiert, die vom Modell der Regelarbeitszeit abweichen. Damit sind verschiedene Modelle gemeint wie Jahresarbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Gleitzeit, Halbtagsarbeit, Arbeitsplatzteilung, Lebensarbeitskonten, Modulare Arbeitszeit, Telearbeit, Zeitautonome Arbeitsgruppen, Arbeit auf Abruf, Individuelle Arbeitszeit und Sabbatical. Bei der Berechnung des Arbeitslohnes werden unterschiedliche Modelle zu Grunde gelegt. Es gibt Arbeitsverhältnisse, in denen nur die jeweiligen Arbeitsstunden entlohnt werden und andere, bei denen eine feste monatliche Grundvergütung unabhängig der von der Anzahl der Arbeitstage abhängigen Anwesenheitszeit gezahlt wird. Insgesamt gesehen, erleichtert eine geringere tatsächliche Wochenarbeitszeit die Flexibilisierung erheblich, da auf mehr Freizeiträume zurückgegriffen werden kann. Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen hängen sehr stark von konkreten Spielregeln (z.B. Ankündigungsfristen von Veränderungen), vom Umfeld (z.B. Verkehr, Kinderbetreuung) und davon ab, ob Beschäftigte selbst relevanten Einfluss auf die Festlegung der Zeiten haben. Die konkreten Formen und die Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle unterscheiden sich sehr stark von Land zu Land.

Schichtarbeit

Schichtarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass mehrere Personen zu unterschiedlichen Zeiten am gleichen Arbeitsplatz oder an der gleiche Arbeitsaufgabe arbeiten (z.B in der Früh und am Abend) oder Personen sehr ungewöhnlichen Zeiten arbeiten (z.B. primär in der Nacht). Schichtarbeit führt zu erhöhter physischer und psychsosozialer Belastung und bringt auch höhere Fehler und Unfallrisiken mit sich. Die Verbreitung von Schichtarbeit ist von Land zu Land sehr unterschiedlich.

Situation in Deutschland

thumb|Jahresarbeitszeit aller Voll- und Teilzeitbeschäftigten in Stunden Mit 40,9 Arbeitsstunden pro Woche liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt von 39,1 Stunden. Es sind allerdings verschiedene Zahlen im Umlauf. So kam die EU-Kommission in einer Stichprobe auf 39,9 Stunden pro Woche und einen europäischen Durchschnitt von 40,0 Stunden Link

Bei der Urlaubszeit liegt Deutschland mit 29,1 Tagen im Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt (25,9 Tage). Hingegen entfielen zwischen 2000 und 2002 auf 1000 ArbeitnehmerInnen nur 10 Streiktage. Damit liegt Deutschland in dem Drittel der EU-Länder, in denen am wenigsten gestreikt wird; in Spanien streikten die ArbeitnehmerInnen im selben Zeitraum 489 Tage lang, in Italien 433 Quelle: DIW

Weblinks

Materialien

See also: Arbeitszeit, Arbeit (Beruf), Arbeit auf Abruf, Arbeitslose, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosigkeit, Arbeitsplatzteilung, Arbeitsverhältnis, Arbeitsvertrag, Arbeitszeitgesetz