Armand Jean du Plessis (Herzog von Richelieu)

thumb|Der Herzog von Richelieu - 1,55 m x 2,22 m; gemalt um 1635 bis 1639; Künstler: Philippe de Champaigne; Louvre, Paris Armand-Jean I. du Plessis de Richelieu (* 9. September 1585 auf Schloss Richelieu, Dépt. Indre-et-Loire; † 4. Dezember 1642 in Paris), Marquis du Chillou, Bischof von Luçon (1608), Kardinal (1622), 1. Herzog von Richelieu (1631) und 1. Herzog von Fronsac (1634), Generalabt von Cluny, Cîteaux und Prémontré. Auch "rote Eminenz" genannt; maßgeblicher Berater Ludwigs XIII.; seine vordringlichen Ziele waren die Umgestaltung Frankreichs in einen absolutistischen Staat und das Beenden der habsburgischen Vormachtstellung in Europa.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Armand du Plessis war das vierte von fünf Kindern und der letzte von drei Söhnen. Seine Familie war, obwohl sie nur zum niederen Adel von Poitou zählte, einigermaßen bedeutend: Sein Vater, François du Plessis, war ein Soldat und Höfling, der das Amt des Großpropst von Frankreich bekleidete; seine Mutter, Susanne de La Porte, war die Tochter eines berühmten Juristen. Als Richelieu fünf Jahre alt war, fiel sein Vater in den Hugenottenkriegen. Mit Hilfe von königlichen Zuschüssen war Richelieus verschuldete Familie in der Lage finanzielle Schwierigkeiten zu vermeiden. Im Alter von neun Jahren wurde der junge Richelieu an das Collège de Navarre in Paris geschickt um Philosophie zu studieren. Nach dem Abschluss des Studiums strebte er eine militärische Karriere an, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

König Heinrich III. hatte Richelieus Vater für seine Teilnahme in den Hugenottenkriegen belohnt, indem er seiner Familie die Diözese von Luçon zusprach. Die Familie Richelieus wies den Großteil der Einkünfte der Diözese dem privaten Gebrauch zu und wurde dadurch vom Klerus kritisiert, der sich eine rein kirchliche Verwendung der Mittel wünschte. Um die Nutzung dieser wichtigen Einkommensquelle für die Zukunft sicherzustellen, versuchte Richelieus Mutter ihren zweiten Sohn, Alphonse Louis du Plessis, zum Bischof von Luçon zu machen. Als jedoch Alphonse, anstatt den Bischofssitz einzunehmen, in den Kartäuserorden eintrat, musste Richelieu seines Bruders Stelle als Anwärter auf die Diözese einnehmen. Er beendete daher seine militärische Ausbildung und begann ein Theologiestudium. Gerade weil Richelieu ein kränkliches und schwaches Kind war, war er der Aussicht auf den Bischofssitz keinesfalls abgeneigt, da sich ihm dadurch die Möglichkeit bot seine akademischen Interessen weiter zu verfolgen.

Im April 1607 wurde er mit Dispens des Papstes (er hatte das kanonische Alter noch nicht erreicht) zum Bischof von Luçon geweiht und promovierte kurz darauf in Paris. Schon kurz nachdem er im Jahre 1608 nach Luçon zurückkehrte begann er mit großer Energie die Ordnung seiner in den Wirren der Hugenottenkriege verwahrlosten Diözese. Er war der erste Bischof in Frankreich, der die Beschlüsse des Konzils von Trient umsetzte.

Ungefähr zu dieser Zeit freundete sich Richelieu mit François Leclerc du Tremblay an (besser bekannt als "Père Joseph"), einem Kapuziner-Mönch, der später zu einem engen Vertrauten Richelieus wurde. Aufgrund seiner engen Beziehung zu Richelieu (l’éminence) und der grauen Farbe seiner Roben erhielt Du Tremblay den Spitznamen l'Éminence grise ("Die Graue Eminenz"). In späteren Jahren setzte Richelieu Du Tremblay oft bei diplomatischen Verhandlungen als Vermittler ein.

In der Generalständeversammlung von 1614 nahm er als Repräsentant des Klerus von Poitou teil und beeindruckte die übrigen Teilnehmer mit einer brillanten Rede. Maria von Medici, als Königinmutter Regentin für ihren Sohn Ludwig XIII., holte ihn 1616 an den französischen Königshof. Im selben Jahr wurde er Staatssekretär mit den Ressorts Außenpolitik und Krieg. Als der junge Ludwig die Herrschaft seiner Mutter abschüttelte, fiel Du Plessis in Ungnade. Der König ließ den ersten Minister Concino Concini beseitigen und schickte seine Mutter ins Exil. Richelieu verlor sein Amt und wurde verbannt. Erst 1619 holte ihn der König zurück an den Hof, um zwischen ihm und seiner Mutter, die zwischenzeitlich aus dem Exil geflohen war und zusammen mit ihrem zweiten Sohn Gaston d'Orléans eine Revolte angeführt hatte, zu vermitteln. Richelieu gelang eine Aussöhnung zwischen Mutter und Sohn, was ihm die Gunst des Königs einbrachte.

Politisches Wirken

Als der königliche Favorit und erste Minister Ludwigs, Charles de Luynes, der 1621 eine Ernennung Richelieus zum Kardinal verhindert hatte, im selben Jahr plötzlich starb, stand dessen Aufstieg nichts mehr im Wege. Am 3. November 1622 wurde Richelieu von Papst Gregor XV. zum Kardinal ernannt. Ab 1624 gehörte er wieder dem Ministerrat an und wurde zu einem unverzichtbaren Berater für den König, der ihn im selben Jahr zum ersten Minister machte.

Seinen Einfluss auf den König nutzte Richelieu, um Frankreich nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Er reformierte die Verwaltung, entmachtete den Amtsadel, baute ein eigenes System von ihm treu ergebenen Verwaltungsbeamten und Spionen auf, beschnitt die Rechte und den Einfluss des Adels und betrieb die Vernichtung der Hugenotten als militärische Kraft.

Kampf gegen die Hugenotten

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Kardinal Richelieu bei der Belagerung von La Rochelle, von Henri Motte (1881).

Die Hugenotten bildeten im Frankreich Ludwig XIII. einen Staat im Staate. Durch die Garantien des Edikts von Nantes verfügten sie über Städte und Befestigungsanlagen unter eigener Verwaltung und über erhebliche militärische Kräfte. Nach dem Tod der Integrationsfigur Heinrich IV. kam es wiederholt zu Unruhen und militärischen Auseinandersetzungen. Richelieu musste, um das von ihm angestrebte königliche Machtmonopol durchzusetzen, diese zweite Kraft im Staat ausschalten.

So kam es zu andauernden Kriegen, bis es Richelieu 1628 gelang, die bedeutende hugenottische Stadt La Rochelle nach über einjähriger Belagerung zur bedingungslosen Kapitulation zu zwingen. Mit dem Frieden von Alais 1629 war die Entmachtung der Hugenotten vollzogen.

Rolle im Dreißigjährigen Krieg

Um die spanische Vormachtstellung in Europa zu brechen, nutzte Richelieu Spaniens Engagement im Dreißigjährigen Krieg. Er stützte die protestantischen Fürsten, um Spaniens Kräfte im Krieg zu binden. Im Vertrag von Bärwalde (1631) sicherte er dem schwedischen König Gustav II. Adolf eine Unterstützung von 1 Million Livres (Pfund) pro Jahr zur Kriegsführung zu, was jenem ermöglichte, mit seinen Truppen bis nach Süddeutschland vorzudringen. 1635 trat Frankreich dann aktiv an der Seite Schwedens in den Krieg ein.

Verschwörungen gegen Richelieu

In der Wahl seiner Methoden folgte Richelieu dem Grundsatz "Der Zweck heiligt die Mittel". Politische Gegner wurden rücksichtslos ausgeschaltet, Bündnisse nach Zweckmäßigkeit eingegangen. Seine Bündnisse mit verschiedenen protestantischen Fürstenhäusern sorgten für Empörung in Adel und katholischer Kirche. Seine Politik stieß auf große Widerstände im eigenen Land. Es gab zahlreiche Verschwörungen und Attentate, die er dank seines Spionagenetzes meist rechtzeitig aufdecken konnte.

Chalais

1626, als er gemeinsam mit der Königinmutter versuchte, den Bruder des Königs, Gaston d'Orleans, in eine Ehe mit Marie de Bourbon-Montpensier zu zwingen, kam es zum ersten hochrangig besetzten Mordkomplott. Einige hohe Adlige, darunter die Herzogin von Chevreuse und ihr Liebhaber, der Marquis de Chalais unterstützten d'Orleans Widerstand und planten Richelieus Tod. Das Komplott wurde aufgedeckt, Chalais hingerichtet, Mme. de Chevreuse nach Poitou verbannt. D'Orleans wurde begnadigt, musste aber die ungeliebte Frau heiraten. Damit begann eine lebenslange Feindschaft zwischen dem Bruder des Königs und dem Ersten Minister.

Montresor

Zehn Jahre später gab es erneut ein Mordkomplott. Richelieu sollte 1636 im Feldlager von Amiens, beim Rückzug nach einer Kampagne gegen spanische Truppen in der Picardie, den Tod finden. Daran beteiligt waren unter anderem der Comte de Montresor, Favorit von Gaston d'Orleans, und der Comte des Soissons, Feldherr und Parteigänger von Maria de Medici. Soissons floh daraufhin 1637 nach Sedan und sammelte andere Gleichgesinnte um sich. 1641 kehrte Soissons mit einer habsburgischen Armee nach Frankreich zurück. Er besiegte den französischen Feldmarschall de Chatillon in der Schlacht von La Marfée 6. Juli 1641, starb aber im Augenblick des Triumphes durch die Kugel eines Heckenschützen.

Cinq-Mars

Die letzte Verschwörung gegen Richelieu ging 1642 vom königlichen Favoriten, dem Marquis de Cinq-Mars, aus. Der Marquis war der Sohn eines engen Freundes von Richelieu und ursprünglich sein Protegeé. Richelieu brachte ihn an den Hof, in der Hoffnung, seinen Einfluss auf Ludwig durch den jungen Mann verstärken zu können. Cinq-Mars gewann auch wirklich die Gunst des Königs, wurde sein Favorit und mit Ämtern überschüttet, entwickelte aber eigenen politischen Ehrgeiz. Richelieu versuchte, den Einfluss von Cinq-Mars zu beschneiden, worauf jener mit anderen Aufständischen, darunter wieder d'Orleans, plante, den Spaniern die Grenzen zu öffnen, um Richelieu zu stürzen. Ein Geheimvertrag über spanische Unterstützung für die Rebellion fiel Richelieu in die Hände, so dass er Cinq-Mars den Prozess machen konnte. Cinq-Mars wurde am 12. Oktober 1642 in Lyon hingerichtet.

Förderer der Künste

Richelieu war ein vielseitig interessierter Mann, der neben seinen Staatsgeschäften auch ein großes Interesse an der Kunst besaß und mit seinem im Amt erworbenen Wohlstand zahlreiche Künstler förderte.

So besoldete er den Architekten Jacques Lemercier, der bei der Erweiterung des Louvre seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Lemercier entwarf in seinem Auftrag die Kapelle der Sorbonne, in der Richelieu gemäß seinem letzten Willen beigesetzt wurde, und das Palais Cardinal, die Residenz des Kardinals in Paris. Das Palais beherbergte neben der Kunstsammlung des Kardinals auch ein Theater, das seinerzeit die modernste und schönste Bühne in Paris war. Es wurde 1641 mit einer Aufführung von Jean Desmarets Mirame eröffnet. Die Dekoration des Palais Royale übertrug er dem ersten Hofmaler von Ludwig XIII., Simon Vouet. Ebenfalls zu seinen Schützlingen zählte der junge Philippe de Champaigne. Das Bild zu diesem Artikel ist ein Ausschnitt aus einem Dreifach-Portrait, das Champaigne ca. 1640 anfertigte. Es ist heute in der National Gallery in London ausgestellt.

Das größte künstlerische Interesse des Kardinals galt aber der Literatur. So griff er die Idee einer Gesellschaft zur Pflege der französischen Sprache und Kultur auf und machte bereits 1635 aus dem informellen Zirkel um Valentin Conrart, der sich seit 1630 dieser Aufgabe widmete, eine offizielle Einrichtung, die Académie Française. Er protegierte zahlreiche junge Dramatiker, darunter auch den hochbegabten, jungen Pierre Corneille. Im Streit um Corneilles gefeierte Tragikkomödie "Le Cid", deren Triumph zahlreiche Neider auf den Plan rief, stellte er sich allerdings gegen seinen Protegée. In seinem Auftrag erstellte die Académie Française ein Gutachten, welches negativ ausfiel und Richelieu zum Vorwand diente, weitere öffentliche Aufführungen des Stückes zu untersagen. Seine Motive hierfür sind unklar. Neid mag eine Rolle gespielt haben, ebenso wie der Umstand, daß die Moral im Cid für seine Bemühungen zur Eindämmung von Duellen nicht förderlich war.

Ende

Richelieu starb am 4. Dezember 1642 an der Syphilis. Seit dem 18. November auf dem Sterbebett liegend, ordnete er seinen politischen Nachlass und konferierte noch zwei Tage vor seinem Tod mit dem König. Er wurde nach eigenem Wunsch in der Kapelle der Sorbonne begraben.

Die Diamantspangenaffäre

Trotz seiner politischen Leistungen und großen Verdienste um Kunst und Kultur ist vielen der Name Richelieu vor allem aus dem Roman "Die drei Musketiere" von Alexandre Dumas d. Ä. bekannt. Dort ist der Kardinal der finstere Gegenspieler der Helden, der dem englischen Premierminister Buckingham die Liebe Anna von Österreichs neidet. Anna begeht den Fehler, dem Herzog von Buckingham bei einem geheimen Stelldichein ein Liebespfand zu geben, ein Kästchen mit 12 Diamantspangen, das sie selbst als Geschenk vom König erhalten hatte. Als Richelieu davon erfährt, läßt er Buckingham zwei dieser Spangen durch eine Agentin stehlen. Dann bewegt er den König dazu, die Königin zu einem Ball zu bitten, wo sie eben diese Diamantspangen tragen soll. D'Artagnan muss mithilfe seiner Freunde die Spangen noch vor dem Ball aus England zurückholen, damit Richelieu die Königin nicht öffentlich bloßstellen kann.

Das Grundthema dieser Handlung, die Diamantspangenaffäre, findet sich allerdings nicht erst bei Dumas. Schon der Dichter La Rochefoucauld berichtet diese Episode in seinen Memoiren. La Rochefoucauld war sowohl ein enger Vertrauter der Königin und Herausgeber ihrer Memoiren als auch der Geliebte ihrer langjährigen Busenfreundin, der Madame de Chevreuse. Daher ist es durchaus denkbar, dass sich die Affäre tatsächlich zugetragen hat.

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Personendaten
Richelieu, Armand Jean du Plessis de
Herzog von Richelieu
Französischer Kardinal
9. September 1585
Schloss Richelieu, Dépt. Indre-et-Loire
4. Dezember 1642
Paris

See also: Armand Jean du Plessis (Herzog von Richelieu), 12. Oktober, 1585, 1607, 1608, 1614, 1616, 1619