Armenistan
Armenistan war eine im Osten Kleinasiens gelegene Provinz des Osmanischen Reiches. Es sollte nach dessen Zerfall im Friedensvertrag von Sèvres (1920 zwischen Sultan und Entente) die Selbständigkeit erhalten, was aber durch neue politische Bewegungen (v.a. Atatürk) und andere Spannungen nicht zustande kam.
thumb|right|450px|Osttürkei und Armenien der Antike
Frühe Geschichte
Armenistan war in seiner Geschichte unterschiedlich groß; sein Kerngebiet war meist nördlich vom Vansee bis Erzurum und im Gebiet des jetzigen Armenien, der früheren Sowjetrepublik. Im heutigen politischen Sprachgebrauch der Türkei wird der Begriff vermieden – großteils wegen der Vertreibungen um 1895 und 1914/15.
Nach dem griechischen Historiker Herodot (484-425 v. Chr.) gehen die Armenier auf die Phrygier zurück und wanderten im 8. Jahrhundert über den Bosporus nach Osten - in die Region des obersten Euphrat und des heiligen Berges Ararat (siehe Arche Noah).
Nach dieser Überlieferung geht Armenistan auf das alte Reich Urartu zurück, das ebenfalls in der Bibel erwähnt wird. Das Siedlungsgebiet der Armenier lag zu einem großen Teil im Osten der heutigen Türkei, reichte jedoch im Norden bis an den Kleinen Kaukasus, ins südliche Georgien und über das heutige Armenien nach Süden bis in den Nordwesten des Iran (siehe auch Aserbaidschan).
Kirchlich war Großarmenien im Westen in etwa von der Linie Trapezunt-Edessa begrenz, die staatliche Südgrenze verlief westlich des Tigris parallel zu diesem von Samosata nach Osten, dann südlich des Van-Sees zum Kaspischen Meer, umfasste also die ganze heutige Osttürkei einschliesslich Kurdistans. Im Westen daran schloss sich Kleinarmenien an, dass das restliche Pontus und Kappadokien umfasste. Auch Kilikien war im Mittelalter armenisches Siedlungsgebiet und hatte armenische Herrscher.
Verstreuter Siedlungsraum
Die Armenier hatten - wohl auch durch die Gebirgslage bedingt - einen relativ lockeren Siedlungsraum. Dadurch erlebte Armenistan nur wenige „ruhige Zeiten“: Konflikte mit Skythen, Medern, Persern, Makedoniern und Seleukiden, Römern, Arabern, Seldschuken und im 15. sowie 19./ 20. Jahrhundert vor allem mit den osmanischen Türken, die das gesamte Gebiet bis 1918/1922 beherrschten.
Nur zwei- bis dreimal schaffte es Armenistan zu einem unabhängigen Reich:
- Großarmenisches Reich unter Tiganes im 1. Jahrhundert v. Chr.,
- 884-1045 Königreich der Bagratiden mit der Hauptstadt Ani in persisch Armenien
- armenisches Königreich in Kilikien von 1080 bis 1375. Für den Zusammenhalt der Armenier in islamischer Umgebung war jedoch
- das Christentum noch wichtiger. Es wurde anno 301 in Armenistan quasi Staatsreligion - über 10 Jahre vor seiner Duldung im Römischen Reich (Edikt von Mailand 313). Der Mönch Gregor der Erleuchter taufte König Trdat III. und wurde Kirchenoberhaupt („Katholikos aller Armenier“).
- Die Tatsache, dass Armenistan zum ersten christlichen Land der Welt wurde, gibt den seither zu Millionen vertriebenen Armeniern von Russland bis Amerika das Gefühl des Zusammenhalts. Armenistan ist sozusagen global geworden, insbesondere seit den Pogromen von 1895 und 1914/15.
Siehe auch: Liste der Herrscher von Armenien, Ararat, Aserbeidschan, Eriwan, Armenier, Kurden, Provinz Muş, Osttaurus, Östlicher Euphrat, Murat, Süphan Dağı, Türkei, Liste der türkischen Provinzen
Weblinks
- Armenische Geschichte und Staaten, Jungtürken und Genozid
