Arnold J. Toynbee

Arnold Joseph Toynbee (* 14. April 1889 in London; † 22. Oktober 1975 in New York) war britischer Kulturtheoretiker und einer der bedeutendsten Geschichtsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Er gilt als letzter großer Universalhistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Arnold J. Toynbee wird oft mit seinem Onkel, dem Wirtschaftshistoriker Arnold Toynbee (* 1852, † 1883) verwechselt, der den Begriff Industrielle Revolution prägte. Der Neffe studierte Geschichte in Winchester, in Heidelberg und am Balliol College in Oxford und arbeitete sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg für das Foreign Office, das britische Außenministerium. Im Jahr 1919 nahm er an der Friedenskonferenz von Versailles teil. Gleich anschließend übernahm er eine Professur für byzantinische Geschichte an der University of London und 1924 den Lehrstuhl für Internationale Geschichte an der London School of Economics and Political Science. Von 1925 bis 1956 war er zudem Direktor des Royal Institute for International Affairs.

Der Gang der Weltgeschichte

Zwischen 1934 und 1961 arbeitete Toynbee an seinem epochemachenden 12-bändigen Hauptwerk A Study of History (dt.: Der Gang der Weltgeschichte), in dem er die Bedingungen von Entstehung, Aufstieg und Verfall von Kulturen (civilizations) umfassend analysierte. Dabei widmet er in Abkehr von einer eurozentristischen Geschichtsschreibung, den außereuropäischen Kulturen ebenso viel Aufmerksamkeit wie der europäischen. Das monumentale Werk begründete Toynbees Ruf als einer der letzten großen Universalhistoriker in der Tradition Jacob Burckhardts und Oswald Spenglers.

Toynbees Kulturtheorie

Der Gang der Weltgeschichte knüpft an Spenglers (Der Untergang des Abendlandes) an, vertritt aber nicht dessen kulturpessimistisch-deterministische Sicht, nach der alle Kulturen eine quasi naturgesetzliche und voneinander unabhängige Entwicklung von Aufstieg, Blüte und Verfall durchlaufen. Vielmehr propagiert Toynbee eine evolutionäre, prinzipiell ergebnisoffene und damit differenzierte Sichtweise. Danach entwickeln sich nicht alle Kulturen in einem steten Kreislauf von Aufstieg und Verfall, sondern jeweils unterschiedlich - je nach ihrer Fähigkeit, "Antworten" (responses) auf "Herausforderungen" (challenges) zu finden.

Er vertritt die Auffassung: Je höher der Anreiz zur Entwicklung einer Kultur, desto höher deren spätere Entwicklungsstufe. Die Herausforderung könne aber auch zu stark sein und zu einer Überdehnung der Kräfte führen. Demnach entwickelten sich Kulturen, die vor zu einfache oder zu schwere Herausforderungen gestellt werden, überhaupt nicht oder fallen in Stagnation. Letzteres sei beispielsweise bei den Polynesiern und den Inuit des Fall, die sich der extremen Herausforderung gestellt hätten, die Wasserwüsten des Pazifik bzw. die Eiswüsten der Arktis zu besiedeln.

Andere Kulturen hätten dagegen eine Lösung für eine zu bewältigende Aufgabe gefunden - wie etwa die altägytische Kultur auf die jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen des Nillandes - und seien dadurch zu großer Blüte gelangt. Einige davon gehen laut Toynbee auch wieder unter, andere dagegen erleben eine Transformation in eine oder mehrere Tochterkulturen. So seien etwa die abendländische und die byzantinische Kultur aus der römisch-hellenistischen hervorgegangen. Wieder andere erwiesen sich als sehr langlebig - weil anpassungs- und wandlungsfähig - wie etwa die chinesische Kultur. Als entscheidende Triebkraft der Geschichte sieht Toynbee keine abstrakten Ideen oder Gesetzmäßigkeiten, sondern das Wirken konkreter Menschen.

Eine kritische Aufnahme seiner Ideen findet sich bei Franz Borkenau (Ende und Anfang).

Weltkultur und Weltstaat

Toynbee sah eine allgemeine Weltkultur im Entstehen, deren große Herausforderung seiner Ansicht nach darin besteht, einen den Frieden garantierenden Weltstaat zu schaffen. Viele sehen in Toynbee daher einen frühen Propheten der Globalisierung. In seinem letzten, unversalgeschichtlichen Werk Menschheit und Mutter Erde von 1974 schreibt er:

"Die gegenwärtigen unabhängigen Regionalstaaten sind weder imstande, den Frieden zu bewahren, noch die Biosphäre durch die Verunreinigung durch den Menschen zu schützen oder ihre unersetzlichen Rohstoffquellen zu erhalten. (...) In einem Zeitalter, in dem sich die Menschheit die Beherrschung der Atomkraft angeeignet hat, kann die politische Einigung nur freiwillig erfolgen. Da sie jedoch offenbar nur widerstrebend akzeptiert werden wird, wird sie wahrscheinlich so lange hinausgezögert werden, bis die Menschheit sich weitere Katastrophen zugefügt hat, Katastrophen solchen Ausmaßes, dass sie schließlich in eine globale politische Einheit als kleinerem Übel einwilligen wird." (S. 501f.)

Zitate

Werke

(Auswahl)

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Literatur

Toynbee, Arnold J. Toynbee, Arnold J. Toynbee, Arnold J. Toynbee, Arnold J. Toynbee, Arnold J.

Personendaten
Toynbee, Arnold Joseph
britischer Kulturtheoretiker und Geschichtsphilosophen
14. April 1889
London
22. Oktober 1975
New York

See also: Arnold J. Toynbee, 14. April, 1852, 1883, 1889, 1919, 1924, 1925, 1934