Aromaten

Aromaten (aromatische Verbindungen) sind zyklische organische Verbindungen mit einer bestimmten elektronischen Struktur. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften unterscheiden sich aufgrund dieser spezifischen Bindungsstruktur deutlich von den Aliphaten. Zur Unterscheidung zwischen Aromat und Aliphat dienen die Aromatizitätskriterien.

Inhaltsverzeichnis

Aromatizitätskriterien

Historische Definitionen

Diese Definition ist natürlich zu unpräzise (da subjektiv) und antiquiert (da bei Aromaten mit hohem Molekulargewicht oder stark polaren Substituenten kein Geruch wahrnehmbar ist).

Diese Namensbestimmung, die eine experimentelle Unterscheidung erlaubt, war beispielsweise im 20. Jahrhundert gültig, schon bevor die Struktur- und Bindungsverhältnisse geklärt waren. Heute wird in der Regel eine allgemeinere Definition über die elektronische Struktur bevorzugt. Die angegebenen Eigenschaften - kurz: Substitution statt Addition - sind natürlich dennoch charakteristische und sehr wichtige Merkmale.

Definition der Aromaten

Notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzungen für einen Aromaten:

Gleichbedeutend und kürzer lautet diese Bedingung:

Ein Aromat liegt dann vor, wenn auch die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

Die Hückel-Regel wird meist durch die Formel (4n + 2) π-Elektronen (n = 0,1,2,3...), delokalisiert über alle Ringatome des Systems, wiedergegeben. Zyklisch konjugierte π-Systeme mit 4n π-Elektronen (n = 1,2,3...) heissen Antiaromaten

Die Grundstruktur vieler aromatischer Verbindungen ist das Benzol C6H6. (Die Hückel-Regel ist hier mit n=1 erfüllt: Benzol besitzt 6 π-Elektronen.) Das Benzol wird daher als einer der einfachsten aromatischen Kohlenwasserstoffe angesehen - insbesondere da die besonderen Eigenschaften aromatischer Verbindungen am Benzol und dessen Derivaten entdeckt wurde. Benzol ist gegenüber einem hypothetischen (das heißt nicht herstellbaren) Cyclohexatrien mit lokalisierten Doppelbindungen stabiler und damit weniger reaktiv.

Da laut Hückel-Regel auch ein planares, zyklisch konjugiertes System mit 2π-Elektronen als Aromat gilt, sind auch Cyclopropenium-Salze Aromaten:

Bild:Cyclopropenyl.png

Dieses Molekül ist deutlich kleiner als Benzol, da hier n = 0 ist, während beim Benzol n = 1 ist.

Reaktionen von Aromaten

Additionsreaktionen am Aromatenkern sind nur schwer zu erreichen. Überwiegend herrschen Substitutionsreaktionen vor, beispielsweise

Für die Zweitsubstitution am Aromaten gelten spezielle Regeln, die von den bereits vorhandenen Substituenden abhängig sind.

Einteilung der Aromaten

Kriterien

Es gibt eine gewaltige Zahl (mehrere Millionen sind bekannt) verschiedenster aromatischer Verbindungen. Sie können nach verschiedenen Kriterien in Gruppen eingeteilt werden:

Beispiele aromatischer Verbindungen

Kohlenwasserstoffe

Kohlenwasserstoffe mit genau einem Benzolkern

Kohlenwasserstoffe mit einem Benzolkern und der Kohlenwasserstoffsubstuienten werden Arene genannt. Eine Untergruppe der Arene sind polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe.

Kohlenwasserstoffe mit mehreren Ringen

Kohlenwasserstoffe mit mehreren Benzolringen werden Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe genannt, sie sind eine Untergruppe der Arene.

Aromatische Ionen

Vom Benzol durch Substitution abgeleitete Derivate

Heteroaromaten

framed|v.l.n.r.:Furan, Thiophen, Pyridin


Antiaromaten

Siehe auch

Weblinks

See also: Aromaten, 20. Jahrhundert, Addition (Chemie), Additionsreaktion, Aliphat, Anilin, Anorganische Chemie, Anthracen, Azulen, Benzol