Arroganz
Mit Arroganz (lat. von „arrogantia") bezeichnet man im deutschen Sprachgebrauch gleichermaßen die älteren Begriffe Anmaßung, Hochmut und Dünkelhaftigkeit, ohne dass man sich dieses Zusammenhanges heute bewusst wird. Denn "Arroganz" wird heute häufig als Vorwurf gegen vielerlei Haltungen vorgebracht, mit denen sich Menschen vor Aufdringlichkeit schützen oder generell auf soziale Distanz achten (vgl. auch Duzen, Ehrfurcht, Snob, Würde).
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Wortherkunft
Schaut man sich die verwandten lateinischen Wörter dabei an, bekommt der Ursprung schon einen anderen Sinn: „arrogatio" bedeutet die Annahme einer gewaltfreien Person an Kindes statt, was ursprünglich durch Befragung des Volkes ( „rogatio") in den Kuratkomitien geschah, während "arogo" = jemanden noch einmal nach etwas fragen, alles mit den Waffen ertrotzen oder gar sich etwas anmaßen ( „sibi alquod arrogare") bedeutete. Also verschob sich der Sinn hin zu etwas negativem, also seiner eigenen Person mehr Nachdruck als angemessen zu verschaffen.
Verwendung im klassischen Sprachgebrauch
- Georg Büchner: „LEONCE: Weißt du auch, Valerio, daß selbst der Geringste unter den Menschen so groß ist, daß das Leben noch viel zu kurz ist, um ihn lieben zu können? Und dann kann ich doch einer gewissen Art von Leuten, die sich einbilden, daß nichts so schön und heilig sei, daß sie es nicht noch schöner und heiliger machen müßten, die Freude lassen. Es liegt ein gewisser Genuß in dieser lieben Arroganz. Warum soll ich ihnen denselben nicht gönnen?''
- (Büchner: Leonce und Lena, Büchner-WuB, S. 138)
„Und wie geht's in Berlin den Leutenants
Der Garde? Haben sie noch ihre Arroganz
Und ihre enggeschnürte Taille?
Schwadronieren sie noch von Kanaille?
Ich rate euch, nehmt euch in acht,
Es bricht noch nicht, jedoch es kracht
Und es ist das Brandenburger Tor
Noch immer so groß und so weit wie zuvor,
Und man könnt euch auf einmal zum Tor hinausschmeißen,
Euch alle, mitsamt dem Prinzen von Preußen -
Die Menge tut es."
- (Heine: Nachlese, S. 45, Heine-WuB Bd. 2, S. 382)
Verwendung in der deutschsprachigen Philosophie
- Anselm Feuerbach: „Gott ist kein physiologisches oder kosmisches, sondern ein psychologisches Wesen. Wer keinen Gott in die Natur schon hineinlegt, der bringt auch keinen aus ihr heraus. Die Beweise von der Existenz Gottes aus der Natur sind nur Beweise von der Unwissenheit und Arroganz des Menschen, mit welcher er die Schranken seines Kopfes zu Schranken der Natur macht."
- (Feuerbach: Das Wesen des Christentums, S. 532, Feuerbach-Wesen Bd. 2, S. 437)
- Johann Gottfried Herder: „Auch die Tendenz, in andrer Augen zu sein, was man gern sein möchte, ist aufmunternd, ein Sporn zu vielem auszeichnend Guten und Edeln. Nenne man's Eitelkeit, Selbstliebe; diese Eitelkeit, die uns mit andern bindet, sie zum Spiegel unsrer Vorzüge macht, ist, ohne Aufdringlichkeit und Arroganz, ein sehr verzeihlicher Fehler."
- (Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität, S. 795, Herder-HB Bd. 2, S. 150)
Interpretation
Wohlmeinende Verhaltenspsychologen gehen bei Individuen, die sich insbesondere durch Arroganz kennzeichnen, davon aus, dass es sich um einen Schutzmechanismus handelt, mit dem quasi als Maske das ungenügende Selbstwertgefühl überdeckt werden soll.
Weblinks
- Subjektive Darstellung des Projektes "Basisreligion" zum Stichwort "Arroganz"
- "Die zerstörerische Arroganz der herrschenden Meinung" - Wandel von Lehrmeinungen von Kersti Nebelsiek
