Aschkenasim
Aschkenasim (von hebr. Aschkenas = Enkel des Noach - spätere etymologische Belegung mit "Deutsche [Juden]") ist die Selbstbenennung der Juden Mittel- und Osteuropas, die eine gemeinsame religiöse Tradition, Kultur und die Jiddische Sprache verbindet.
Die geschichtlich gewachsenen kulturellen und ethnischen Unterschiede zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden machen diese beiden europäischen Hauptstränge des Diasporajudentums zu mehr oder weniger klar definierten jüdischen Identitäten. Israel vereint heute neben der aschkenasischen und sephardischen Linie auch das orientalische und äthiopische Judentum zu einer multikulturellen Nation.
Geschichte
Die ältere Forschung nahm teilweise an, dass die Aschkenasim von hebräischen Juden abstammten, die nach dem Aufstand von 70 n. Chr von der römischen Regierung in Mitteleuropa, vor allem entlang dem Rhein angesiedelt wurden. Neuere genetische Untersuchungen - an Y-chromosomaler und mitochondrialer DNA - ergaben, dass die aschkenasischen Juden - wie andere jüdische Gruppen auch - vermutlich aus der Verbindung eingewanderter jüdischer Männer aus dem nahöstlichen Raum mit einheimischen Frauen hervorgingen, die zum Judentum konvertierten.
Sie behielten im Laufe der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters ihre Religion und Kultur bei, nahmen aber die deutsche Sprache auf, abgewandelt mit zahlreichen hebräischen Begriffen (Judeo-Deutsch), die mit hebräischen Zeichen geschrieben wurde. Im Zuge der Kreuzzüge - und später vor allem während der Pestepidemie von 1349 - kam es im französischen und deutschen Sprachraum zu zahlreichen Pogromen gegen die dortigen jüdischen Gemeinden. Einige Überlebende flohen, vor allem nach Polen-Litauen, wo sie beim Aufbau von Städten mitwirkten und deshalb willkommen waren. In diesem Umfeld entwickelte sich Jiddisch, eine lexikalisch vorwiegend auf dem Mittelhochdeutschen aufbauende Sprache mit hebräischen und slawischen Elementen.
(Weitere Schreibweisen: Askenasim, Ashkenasim, Aschkenasen)
