Astronomische Uhr
Eine Astronomische Uhr ist eine mechanische Uhr, die außer der Uhrzeit auch astronomische Sachverhalte wie Mondphasen, Sonnenstand oder die Flugbahnen der großen Planeten anzeigt. Diese Art von Uhren wurde etwa ab dem 14. Jahrhundert gebaut. Bekannte astronomische Uhren findet man beispielsweise in Prag und in Straßburg und allgemein in vielen mitteleuropäischen Städten.
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Allgemeines
Astronomische Uhren sind mechanisch sehr anspruchsvolle Werke. Sie sind meist kunstvoll verziert und von monumentaler Größe. Solche Uhren befinden sich bevorzugt an wichtigen Gebäuden, wie beispielsweise an Rathäusern oder in Kirchen. Sie waren abgesehen von der Dastellung der damals aktuell erforschten Himmelsbewegungen dazu gedacht, den Betrachter neben der schlichten Anzeige der Uhrzeit auch zum tieferen Nachdenken über die Zeit und, besonders in Kirchen, über seine Vergänglichkeit anzuregen. Dazu wurden oft auch Figuren benutzt, die diese Zusammenhänge deutlich machen sollten; man findet beispielsweise die Darstellung des menschlichen Lebens von der Kindheit bis zum Tod, die in je 24 Stunden einmal durchlaufen wird.
Eine der ersten, wenn nicht sogar die erste astronomische Uhr wurde von Giovanni de Dondi in Padua erbaut. Obwohl diese Uhr vor der heutigen Zeit zerstört wurde, konnte sie nach Zeichnungen von Leonardo da Vinci sowie vor allem durch äußerst exakte technische Zeichnungen und Beschreibungen, die de Dondi während des Baus niederschrieb, rekonstruiert werden. Sie war komplett aus Messing in 107 Einzelteilen gefertigt und trug die Bezeichnung "astrarium". Im Gegensatz zu vielen anderen hier beschriebenen Uhren hatte diese Uhr nur eine geringe Größe. Die astronomische Genauigkeit und Vielseitigkeit dieses Werks war bis dahin ungekannt. Die Rekonstruktionen sind heute in verschiedenen Museen unter anderem in London und Washington zu sehen.
Berühmte Astronomische Uhren
Überall in Europa wurden besonders zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert großartige astronomische Uhren hergestellt. Bekannte und wichtige Uhren finden sich unter anderem in den folgenden Städten:
Prag
Die astronomische Uhr in Prag ist als Prager Orloj (tschechisch: Uhr) weltweit bekannt und befindet sich an der Südmauer des alten Rathauses. Die ältesten Teile, die mechanische Uhr sowie das astronomische Zifferblatt, stammt aus dem Jahr 1410 und begründen damit die weltweit drittälteste Uhr dieser Art. Sie wurde von den Uhrmachern Mikulas von Kadan und Jan Sindel gebaut. Um 1490 wurde die Fassade mit gotischen Bildhauereien verziert und ein Kalendarium hinzugefügt. Die Uhr wurde viele Male repariert, das erste Mal 1552 von Jan Taborsky. Im 17. Jahrhundert wurden erst bewegte Figuren eingebaut, nach einer größeren Reparatur 1865-66 außerdem die bekannte Darstellung der umlaufenden zwölf Apostel, die zu jeder vollen Stunde zu bewundern sind.
In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges erlitt die Orloj schwere Schäden während eines deutschen Angriffs. Das Rathaus brannte dabei vollständig ab, zusammen mit hölzernen Skulpturen und dem künstlerischen Ziffernblatt des Kalendariums. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten konnte die Mechanik in ihren Originalzustand zurückversetzt werden und läuft seit 1948 wieder.
Straßburg
Diese Uhr im Inneren des Straßburger Münsters wurde in mehreren Abschnitten erbaut und erweitert. Sie gehört mit einer Höhe von 18 Metern zu den größten aber auch zu den bedeutendsten astronomischen Uhren der Welt.
Der erste Vorläufer war die sogenannte Dreikönigsuhr von 1352-1354, die sich noch an der Wand gegenüber vom heutigen Standort der Uhr befand. Dann wurde ab 1547 von Conrad Dasypodius eine neue Uhr geschaffen, die bereits astronomische Funktionen hatte. Diese funktionierte bis ins späte 18. Jahrhundert und ist heute teilweise im Museum für dekorative Kunst in Straßburg zu besichtigen.
Die heute bestehende und immer noch funktionsfähige Uhr, die schon alleine durch ihre gewaltige Größe beeindruckt, stammt aus den Jahr 1838-1848 und wurde von Jean Baptiste Schwilgué auf der Grundlage der Dasypodius-Uhr erbaut, dabei allerdings mit einer völlig neuen Mechanik ausgestattet. Sein erstes Modell fertigte er 1812, und schon damals beinhaltete es die erste Realisierung eines ewigen Kalenders, der alle kirchlichen Daten seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders 1582 anzeigen konnte. Der astronomische Teil ist von außergewöhnlicher Genauigkeit; es werden Schaltjahre, Tag- und Nachtgleiche, Sonnen- und Mondgleiche und viele weitere astronomische Daten angezeigt. Damit war es schon viel mehr eine komplexe Rechenmaschine als bloß eine Uhr. Oft wird die komplizierte Funktionsweise der Straßburger Uhr, die nicht nur technisches, sondern auch viel mathematisches Fachwissen nötig machte, als analoger Vorgänger der heutigen Computertechnik bewundert.
Für die weniger wissenschaftlich interessierten Zuschauer bietet die Uhr viele weitere Details: die umlaufenden Apostel, die stündliche Darstellung des menschlichen Lebens vom Kind bis zum Greis, die sieben Wochentage als Planeten und der krähende Hahn sind wieder nur einige davon.
Besançon
Die Uhr in Besançon (Frankreich) weist die große Besonderheit auf, dass sie erst vergleichsweise spät erbaut wurde, nämlich in den Jahren 1858-1863. Sie wurde als Ersatz für die damals nicht mehr funktionierende Uhr der Kathedrale Saint-Jean von Kardinal Mathieu in Auftrag gegeben. Da sich in Besançon zu dieser Zeit viele Schweizer Uhrmacher niedergelassen hatten, auf der Flucht vor den Unruhen im Anschluss an die Französische Revolution, kam nur ein außergewöhnliches Prachststück für diese Uhr in Frage. Dennoch wurde die Uhr schliesslich nicht in Besançon gebaut, sondern in Beauvais vom dort ansässigen Uhrmacher Auguste-Lucien Vérité gefertigt - für die Uhrenstadt Besançon war dies schon fast eine Beleidigung.
Im Gegensatz zu anderen astronomischen Uhren ist diese Uhr nicht an einer weithin sichtbaren Wand plaziert, sondern in einem Raum in der Kirchturmspitze. Auch an der zu anderen astronomischen Uhren deutlich verschiedenen Uhrenfront wird deutlich, dass es hier in erster Linie um ein wissenschaftlich exaktes Werk anstelle eines Kunstwerks ging: insgesamt 70 Zifferblätter zeigen beispielsweise die Uhrzeiten in 17 Orten der Welt, der Tidenhub in verschiedenen französischen Häfen, einen ewigen Kalender sowie die Schaltjahrzyklen an. Insgesamt besteht die Uhr aus mehr als 30.000 mechanischen Teilen; die Uhrzeit wird dabei auf die außen angebrachte Turmuhr über die Mechanik übertragen. Die künstlerischen Elemente, die dennoch vorhanden sind, dienen mehr der angemessenen Verzierung dieses komplexen Werks als der Attraktion der Zuschauer.
Bern
In Bern findet man den Zytglogge-Turm (schwyzerdytsch: Zeitglocken-Turm), ein im 13. Jahrhundert als Stadttor erbauter Uhrturm, zu dem um 1530 ein automatisches Figurenspiel sowie eine astronomische Kalenderuhr hinzugefügt wurde. Zu dem Spielwerk zählen ein krähender Hahn, ein Narrenmännchen, ein kunstvoller Ritter als Stundenschläger sowie ein "militärischer" Aufmarsch des Berner Wappentiers, des Bären. Das Kalendarium zeigt die Stunde, Sonne, Mond, die Sternbilder und Planetenstellungen ebenso an wie den aktuellen Monat, Tag und Wochentag.
Rouen
Im nordfranzösischen Rouen befindet sich die Gros Horloge (große Uhr). Der Glockenturm der Gros Horloge wurde von 1389 bis 1398 von Jean de Bayeux auf den Fundamenten eines zerstörten Stadtturms erbaut. Der Turm wurde 1527 mit dem alten Rathaus durch einen Torbogen verbunden; seither ist die Uhr auf den beiden Seitwänden des Tores zu sehen, während sie vorher am Turm selbst angebracht war. Die Uhr wurde in ihren Grundzügen 1389 von Jehan de Felains konstruiert und gehört damit ebenfalls zu den ältesten astronomischen Uhren überhaupt. Das Ziffernblatt von 1527, welches 1892 restauriert wurde, zeigt zusätzlich den Planeten an, der mit dem jeweiligen französischen Namen des Wochentags verbunden ist: Mond(lune - lundi), Mars(mars - maredi), Merkur(mercure - mercredi), Jupiter (jupiter - jeudi), Venus (venus - vendredi) sowie Saturn und Sonne für Samstag und Sonntag. Eine drehende Kugel oberhalb der Ziffernblätter symbolisiert den Mond mit seinen Phasen. Heute wird die Uhr, die bis 1928 mit ihrer ursprünglichen Mechanik funktionierte, von einer Funkuhr gesteuert.
