Atomstreitkraft

Mit Atomstreitkraft ist im allgemeinen die Militärmacht einer Nation gemeint, die in Kombination mit den klassischen Teilstreitkräften zu Lande, zu Wasser und in der Luft eine Streitkraft bereitstellt, die den Einsatz von Atomwaffen ermöglicht bzw. ein entsprechendes Potential als Abschreckung gegen mögliche Feinde unterhält.

Hierzu halten die Atommächte jeweils permanent einsatzfähige militärische Einrichtungen in Betrieb, die einer größeren Sicherheitsstufe unterliegen. Zugleich verfügen Atomstreitkräfte über kürzere Befehlsstrukturen, um ihre Einsatzbereitschaft durch einen Oberbefehlshaber in kürzester Zeit herbeiführen zu können.

Zur Aufrechterhaltung einer Atomstreitkraft müssen die Atommächte neben Fachpersonal auch hohe Betriebskosten einkalkulieren, die entsprechenden Einrichtungen unter besonderen Schutz stellen und zudem permanent warten.

Moderne Atomstreitkräfte verteilen ihr Atomwaffen-Arsenal auf mehrere Trägersysteme und mobile Einheiten. Ihr Abschreckungspotential stützt sich dann auch darauf, dass nicht alle eigenen Trägersysteme zerstört werden können und dadurch ein atomarer Gegenangriff möglich ist, die sogenannte Zweitschlagskapazität.

Moderne Trägersysteme können neben landgestützten Interkontinentalraketen auch Atom-U-Boote, Bomberflugzeuge und Kampfflugzeuge sein, die über entsprechende Atomwaffen verfügen.

Hier aufgelistet sind Atomstreitkräfte mit Daten zum atomaren Rüstungspotential einer Nation und deren Einsatzmöglichkeiten durch verschiedene Trägersysteme.

Nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es auch heute noch zahlreiche Manöver von Atomstreitkräften und auch Überlegungen und Tests zur Verbesserung von Sprengköpfen und Trägersystemen bis hin zum möglichen Einsatz von Atomwaffen als taktische Waffe gegen sehr harte Ziele wie beispielsweise besonders massiv geschützte Bunker oder unter Gebirgsmassiven vorhandene Kommandozentren. Nicht zuletzt durch den von den USA geführten Kampf gegen den internationalen Terrorismus u.a. in Afghanistan 2001 werden Einsatzmöglichkeiten in möglichen Militäroperationen ausgearbeitet.

Inhaltsverzeichnis

US-Atomstreitkräfte (US Nuclear Forces)

Anzahl der Sprengköpfe und die geplante Verringerung

Landgestützte Atomwaffen

Interkontinentalraketen (ICBM, Intercontinental Ballistic Missile, Reichweite über 5500 km).

Insgesamt verfügen die USA im Jahr 2002 über 1.700 Sprengköpfe für landgestützte Interkontinentalraketen.

Alle LGM-3DG Minuteman III-Interkontinentalraketen Mk12 und einige Mk12A sollen bis 2007/2009 durch den neuen Sprengkopf W87 ersetzt werden. Die LGM-118A MX/Peacekeeper sind die modernsten US-Interkontinentalraketen, die nach dem START II-Abkommen und neuere Vereinbarungen ab 2003 einer vorerst dreijährigen Deaktivierung (bis 2006) unterliegen. Die 50 MX/Peacekeeper-Raketen mit W87-Mehrfachsprengköpfen sollen ab Oktober 2002 auf die Minuteman III-Raketen eingesetzt werden. Allerdings sollen für das 250 Millionen US-Dollar teure Umrüstprogramm SERV (Safety Enhanced Reenetry Vehicle) noch Flugtests der Minuteman III mit W87-Sprengköpfen durchgeführt werden. Die MX-Raketen des Typs Peacekeeper können bis zu 21 Sprengköpfe tragen, sind aber durch Rüstungsvereinbarungen auf 10 Sprengköpfe begrenzt.

Ab 2018 plant das US-Verteidigungsministerium den Bau von neuen Interkontinentalraketen als Ersatz für die von Boeing entwickelten Minuteman III.

Seegestützte Atomwaffen

SLBM (Sea-Launched Ballistic (Cruise) Missile)

Insgesamt verfügen die USA über 3.120 Sprengköpfe für Atom-U-Boote.

Die seegestützte amerikanische Atomstreitmacht besitzt rund die Hälfte der strategischen Nuklearsprengköpfe der Vereinten Staaten und ist verteilt auf insgesamt 18 Atom-U-Boote der Ohio-Klasse. 7 U-Boote sind an der Pazifikküste stationiert und ausgerüstet mit UGM-96A Trident I C4. Im Rahmen des START I-Abkommens wurden die Sprengköpfe auf diesen U-Booten bis 2001 von 8 auf 6 verringert. Die anderen 11 U-Boote sind mit den moderneren und größeren UGM-133A Trident II D5 Mk-4- und Mk-5-Raketen ausgerüstet und befinden sich an der Ostküste.

Überwasserkampfschiffe: Mit Atomsprengköpfen ausgerüstete Cruise Missiles (Tomahawks) befinden sich seit 1994 nicht mehr an Bord. Allerdings können die Schiffe die Versorgung von Angriffs-U-Booten (SSNs) mit Cruise Missiles übernehmen. Die Angriffs-U-Boote (SSN) der Seawolf- und Los-Angeles-Klasse sind nur noch mit konventionellen Tomahawks und Mk-48-Torpedos bestückt.

Um die seegestützten Cruise Missiles mit einem einheitlichen Sprengkopf auszustatten, entwickelt die US Navy mit ihrem SWPP (SLBM Warhead Protection Program) einen neuen Sprengkopf, der die W76 und W88 ersetzen soll. Lockheed Martin produzierte seit 1976 rund 5.000 Sprengköpfe W76 für die Trident I C4 der amerikanischen und britischen U-Bootflotte.

Die seit 1976 im Einsatz befindliche Trident I C4 wird nach und nach ausgemustert. Bis 1986 wurden insgesamt 570 Stück produziert und 117 Flugtests mit 222 Trident I-Raketen durchgeführt. Die Trident I C4 hatte danach eine Startzuverlässigkeit von 85 % (188), 34 Teststarts (15 %) schlugen fehl. Ab 1990 wurden auch im Atlantik Tests durchgeführt und ab 1993 im Testgebiet bei Florida. Zuletzt verschoss unter anderem die USS Ohio (SSBN 726) vier SLBM des Typs Trident I C4 am 9. Dezember 2001.

Rund 390 Trident II D5 mit einer Reichweite von über 11.000 km sind im Besitz der USA und weitere 35 Stück sollen beschafft werden, vor allem wegen der Umrüstung einiger U-Boote. Von den 425 Stück sollen 228 Stück mit Sprengköpfen auf 12 U-Booten ausgerüstet werden, 137 Stück dienen zu Testzwecken bis 2014. Seit 1987 wurden 116 Tests durchgeführt und nur 5 Tests (4 %) schlugen fehl. Die Bestückung der Trident II D5 auf den US-Booten beträgt 8 Sprengköpfe, obwohl auch 12 möglich wären. Auch Großbritannien besitzt für seine strategische U-Bootflotte diesen Typ auf der Vanguard-Klasse, stationiert in Faslane, Schottland.

Die vier ältesten U-Boote der Ohio-Klasse (gebaut 1974-1976), die ihren Heimathafen an der Pazifikküste (Bangor, Washington) haben: USS Ohio (SSBN-726), USS Michigan (SSBN-727) USS Florida (SSBN-728) und USS Georgia (SSBN-729), wurden ab 2003 umgerüstet und mit 154 konventionellen Cruise Missiles bestückt. Bis 2006 sollen nur noch 14 U-Boote mit Atomsprengköpfen im Einsatz sein, u.a. auch um die jährlichen Unterhaltskosten von über 500 Millionen US-Dollar zu reduzieren. Durch die Verringerung verlegt die amerikanische U-Boot-Flotte 4 U-Boote der Ohio-Klasse von der Ostküste (Kings Bay, Georgia) zur Westküste Bangor, Washington). Sodann verbleiben jeweils 7 strategische U-Boote an beiden US-Küsten. Ab 2029 sollen de ersten SSBN's mit Trident-SLBM's außer Dienst gestellt werden.

Ersetzt werden sollen diese U-Boote der Ohio-Klasse in naher Zukunft durch eine modifizierte Version der Angriffs-U-Boote (SSN) der Virginia-Klasse (u.a. SSN-774) mit ihrer vertikalen Abschussvorrichtung (VLS-System) oder durch einen völlig neuen U-Boottyp, der ab 2016 gebaut werden soll.

16 Flugzeuge des Typs E-6B Tacamo (steht für take charge and move out) sollen modernisiert werden und dienen als Kommando- und Verbindungsflugzeug zu den strategischen U-Booten (SSBNs).

Strategische Bomber

Strategische Langstrecken-Bomberflugzeuge der USA

Die großen B-52H Stratofortress-Bomber können im Gegensatz zu der B-2 Spirit alternativ auch gleichzeitig Cruise Missiles oder frei fallende Nuklearbomben Typ B-61 mit sich führen. Die B-52H kann die Cruise-Missiles ACM AGM-86B mit einem W80 Sprengkopf mit sich führen oder die AGM-129A mit einem W80 Sprengkopf. Im Gegensatz zu der ALCM-Version einer Cruise-Miisles verfügt die modernere ACM über eine größere Reichweite und besitzt Stealth-Eigenschaften.

Die US Air Force verfügt insgesamt über 1.142 ALCMs und 460 ACMs.

Die F-117A Nighthawk kann Atomwaffen mit sich führen, ist aber nicht vom Air Combat Command dafür vorgesehen. Stattdessen erfolgt nur das Training hiermit. Der Nachfolger der Kampfflugzeuge F-16 und F-15E, der Joint Strike Fighter (JSF), der voraussichtlich ab 2008 in Dienst gestellt wird, soll in die Planung zum Tragen von Atomsprengköpfen einbezogen werden. Auch die NATO-Partner mit ihren F-16 oder Tornado-Kampfflugzeugen verfügen über die Möglichkeit, die US-Atombomben abzuwerfen.

Taktische Atomwaffen

Taktische Atomstreitmacht (SLCM, Atombomben)

800 Atombomben, darunter die Typen B-61-3, B-61-4 und B-61-10. In Dienst seit 1979 und Atombomben B-61-3, B-61-4 und B-61-10.

Insgesamt 1120 Sprengköpfe als taktische Atomwaffen.

Nach Ende des Kalten Krieges wurden die taktischen Atomwaffen drastisch verringert. Die USA haben ungefähr 1.620 taktische Atomsprengköpfe, davon rund 1.300 B-61 in 3 verschiedenen Versionen und 320 TLAM/N (Tomahawk Land-Attack Cruise Missile), teilweise als Reserve oder "inaktiv". Die taktischen Nuklearbomben B-61 lagern auf der Kirtland Air Force Base (New Mexico) und der Nellis Air Force Base (Nevada) und stehen im Kriegsfall den Kampfflugzeugtypen F-16C, F-16D Fighting Falcon und F-15E Strike Eagle zur Verfügung. Ungefähr 150 der B-61 befinden sich in Europa, verteilt auf 10 Luftwaffenstützpunkten in 7 NATO-Ländern.

Die TLAM/N befinden sich seit 1997 nahe den U-Bootbasen Bangor (Washington/Westküste) und Kings Bay (Georgia/Ostküste).

Abkürzungen

Siehe auch: Atommacht, Atomwaffen, Atomwaffensperrvertrag (NPT Non-Proliferation Treaty), Marschflugkörper

See also: Atomstreitkraft, 1976, 1979, 1984, 1994, 1997, 2001, 2002, 2003, 2006