Aufguss
Der Begriff Aufguss hat im Deutschen zwei Bedeutungen.
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Tee oder Inhalation
Zum einen bezeichnet er das Aufgießen pflanzlicher Zutaten (zum Beispiel Früchte, frische oder getrocknete Kräuter) in einem hitzefesten Topf oder einer Kannne mit heißem oder kochendem Wasser. Das heiße Wasser bewirkt, dass Heil- und Aromastoffe aus den Zutaten gelöst werden. Diese können anschließend entweder als Getränk eingenommen werden (zum Beispiel bei Kräutertee) oder zur Inhalation als Heilmittel gegen Erkrankungen der Atemwege (zum Beispiel Schnupfen und Erkältung) dienen.
Sauna
Zum anderen bezeichnet man in der Sauna mit "Aufguss" das Begießen der heißen Steine des Saunaofens mit kaltem oder lauwarmem Wasser. Das Wasser verdampft auf den mehrere hundert Grad Celsius heißen Steinen zu Wasserdampf und erhöht so kurzzeitig die Luftfeuchtigkeit in der Sauna. Der Dampfstoß, auch "Gluthauch" oder nach dem finnischen Wort Löyly genannt, steigt durch die Hitze zunächst nach oben an die Decke des Saunaraums. Durch Verwirbelung der Luft mit einem Handtuch kann er gleichmäßig im Saunaraum verteilt werden. Der Löyly verstärkt den Hitzereiz der Sauna und sorgt für ein gesteigertes Schwitzerlebnis. In einer sehr heißen Sauna kann der Löyly auf den oberen Bänken an der Grenze des ertragbaren Schmerzes sein. Empfindlichen und ungeübten Saunabesuchern wird daher empfohlen, sich während des Aufgusses auf eine der unteren Bänke zu setzen, wo die Luft weniger heiß ist. Allgemein wird der Aufguss meistens als der Höhepunkt des Saunabadens angesehen.
In Zentraleuropa ist es üblich, dem Aufgusswasser einige Tropfen ätherischer Öle, im Fachhandel Aufgusskonzentrate oder Saunadüfte genannt, zuzugeben. Beim Aufguss entfalten sich die Aromastoffe des Öls als wohlriechender Duft, zum Schwitzen kommt ein Dufterlebnis hinzu.
Aufgusszeremonie
Da dem Aufguss eine zentrale Rolle beim Saunabad zukommt, hat er sich zu einer mehr oder weniger ausgefeilten Zeremonie entwickelt. Die Aufgusszeremonie wird in unterschiedlichen Ländern jedoch sehr unterschiedlich zelebriert. Im Folgenden wird die heute (2005) im deutschsprachigen Raum vorherrschende Form des Aufgusses beschrieben.
Für den Aufguss wird ein hölzerner Aufgusskübel mit etwa 5 Litern frischem Wasser gefüllt und ein Aufgusskonzentrat nach Wahl zugegeben. "Klassische" Düfte sind Nadelhölzer wie Fichte, Eukalyptus, Latschenkiefer, Zitrusdüfte, Menthol oder Minze. Die Düfte wirken entweder anregend oder beruhigend auf den Körper.
In öffentlichen Saunen wird der Aufguss meist von einem Saunameister durchgeführt. Es ist dort unüblich oder sogar verboten, dass Besucher selbst einen Aufguss machen. Die Aufgüsse laufen meist nach dem gleichen Schema ab, nur das Duftöl wird variiert.
Zunächst wird meistens frische Luft in den Saunaraum gelassen, indem die Türen und Fenster für einige Minuten weit geöffnet werden. Anschließend nehmen die Saunabadenden in der Sauna Platz und schwitzen einige Minuten vor, bevor der Aufguss beginnt.
Während der Aufgusszeremonie wird die Sauna nicht verlassen, da das Öffnen der Tür den Aufgusseffekt stören würde. Besuchern, denen es zu heiß wird, wird empfohlen, sich tiefer zu setzen. Bei echtem Bedarf oder gar gesundheitlichen Problemen (Kreislauf) kann der Saunaraum selbstverständlich jederzeit verlassen werden. Des weiteren ist es höflich und der Entspannung förderlich, in der Sauna generell und besonders während des Aufgusses zu schweigen.
Das Aufgusswasser wird mit einem hölzernen Saunalöffel (auch Löylykelle oder Aufgusskelle genannt) portionsweise auf die heißen Steine des Saunaofens gegeben, wo es verdampft. Nachdem etwa ein Drittel des Wassers aufgegossen ist, verwirbelt der Saunameister mit einem Handtuch den entstandenen Wasserdampf im Saunaraum. Dabei gibt es spezielle Handtuchtechniken: die gängigsten sind das rasche Herumwirbeln des längs gefalteten Handtuchs wie ein Propeller und das "Herunterschlagen" des Gluthauchs von der Saunadecke auf die Saunagäste. Der Wasserdampf kondensiert zum Teil auf der kühleren Haut und überträgt dabei seine Hitze auf den Körper.
Das Aufgiessen und Wedeln wird meist drei Mal wiederholt. Nach der letzten Aufgussportion und Wedeln ist der Aufguss beendet. Wenn möglich, wird nach dem letzten Wedeln noch eine oder zwei Minuten nachgeschwitzt, bevor die Saunabadenden den Saunaraum verlassen, um sich mit frischer Luft und Kaltwasseranwendungen wieder abzukühlen.
Für einen gut gemachten Aufguss gibt es am Ende meistens lobende Worte und/oder einen kleinen Applaus.
Bei privaten Saunen kann der Aufguss im Prinzip genauso, aber von einem der Saunabadenden durchgeführt werden. Da private Saunen meist etwas kleiner sind, ist hier weniger Aufgusswasser notwendig und das Handtuchwedeln kann bedingt durch den kleineren Raum nicht ganz so ausholend erfolgen. Werden bei kleinen Saunen nur wenige Schöpfkellen Aufguss benötigt, so kann das ätherische Öl auch tropfenweise einzeln auf den wassergefüllten Saunalöffel gegeben werden. Keinesfalls darf aber das Öl ohne Wasser auf die Steine gelangen, da es sonst Feuer fangen würde.
Besondere Aufgussarten
Eis-Aufguss
Hierbei wird das Aufgusswasser mit Eiswürfeln oder zerstoßenem Eis gemischt. Es können beliebige Duftöle verwendet werden.
Daneben werden gerne auch bei normalen Aufgüssen Eiswürfel oder zerstoßenes Eis zum Einreiben und Lutschen verteilt, was zum Teil ebenfalls "Eis-Aufguss" genannt wird.
Honig-Aufguss
Beim Honig-Aufguss reiben die Saunabadenden nach dem Vorschwitzen oder dem ersten Aufguss den ganzen Körper mit Honig ein. Der Honig wird durch die Wärme sehr flüssig, duftet gut und zieht in die Haut ein, wo er hautreinigend und pflegend wirkt. Als Aufgussöl sind beim Honig-Aufguss fruchtige Duftrichtungen beliebt.
Es gibt im Fachhandel mittlerweile auch spezielle Honigpasten zum Einreiben, die weitere Zusätze enthalten.
Salz-Aufguss
Hier wird der Körper nach dem Vorschwitzen oder dem ersten Aufguss mit Salz eingerieben. Dazu wird entweder grobkörniges Mineralsalz (zum Beispiel "Totes-Meer-Salz") oder gewöhnliches Kochsalz verwendet (wobei der Kopf, der Genitalbereich und offene Wunden ausgespart werden sollten). Das Salz wirkt schweisstreibend, desinfizierend und entschlackend, außerdem wird die Haut durch das Abreiben gepeelt (Salzpeeling).
Als Duftöl sind beim Salzaufguss Nadelhölzer beliebt.
Da beim Abreiben mit Salz immer einiges Salz zu Boden rieselt, wird die Salzanwendung häufiger in Dampfbädern und Hamams angeboten, wo der Schwitzraum wegen der hohen Luftfeuchtigkeit gefliest ist.
Frucht-Aufguss
Hier wird während des Aufgusses in kleine Stücke geschnittenes Obst an die Besucher verteilt. Die Früchte werden als willkommene und leckere Erfrischung gegessen und stärken die Badenden für den zweiten Teil des Aufgusses.
Wenik-Aufguss (Birken-Aufguss)
In der finnischen Sauna und im russischen Banja sind ätherische Ölzusätze kaum üblich. Hier wird entweder nur mit Wasser aufgegossen oder mit dem Birkenwasser, in dem zuvor die Birkenbüschel (in Finnland Vihta, in Russland Wenik genannt), die zum Abschlagen der Haut ("Quästen") gebraucht werden, eingeweicht wurden. Es gibt hier auch in öffentlichen Saunas/Banjas selten Saunameister, sondern es ist üblich, dass die Saunabadenden den Aufguss selbst durchführen. Einen Saunabesuch ohne Aufguss gibt es hier kaum und es wird meist auch sehr viel Aufgusswasser verwendet.
Während des Wenik-Aufgusses schlagen sich die Saunabadenden den Körper selbst oder gegenseitig mit den Weniks ab, was angenehm erfrischend wirkt und wodurch die Blutzirkulation angeregt wird.
In Zentraleuropa wird dem Aufgusswasser bei Wenik-Aufgüssen zum Teil Birken-Duftöl zugesetzt, um den Birkenduft noch zu verstärken.
Weitere Aufgussvarianten in Russland
In der russischen Banjasauna werden gelegentlich dem Aufgusswasser auch Spirituosen wie Wodka oder Bier hinzugefügt. Bier erzeugt beim Aufguss einen starken brotähnlichen Duft.
