Reichstag zu Augsburg

Ein Reichstag zu Augsburg wurde besonders von Herrschern aus dem Hause Habsburg gerne abgehalten. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation fanden seit dem 12. Jahrhundert, aus den Hoftagen des Kaisers hervorgegangen, Reichstage statt. Sie entwickelten sich zu einer festen Rechtsinstitution. Drei Gruppierungen bestimmten außer dem Regenten das Geschehen: Kurfürsten, Fürsten und (später) die Vertreter der Reichsstädte. Augsburg war als Bischofs- und Reichsstadt mehrfach Gastgeber der Reichsstände.

Im 16. Jahrhundert konzentrierten sich mehrere Reichstage in der Stadt am Lech. Davon sind zwei besonders hervorzuheben:

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Ein Zusammenhang dieser häufigen Tagungen mit den Finanzproblemen der Habsburger Kaiser ist nicht von der Hand zu weisen. Kaufmannsgeschlechter wie die Fugger und Welser, die im Handel gut verdienten und mit Krediten Herrschern unter die Arme griffen, konnten auch die mit einem Reichstag verbundenen Kosten und Belastungen für die Freie Reichsstadt abfedern. Die heimischen Wirtschaftsmagnaten hatten Kontakte zu Kaiser und Papst, zu weltlichen und geistlichen Fürsten. Augsburg war zu jener Zeit eine Weltstadt, in der Politik gemacht wurde.

Auch die Lage an Poststraßen war bei der Wahl eines Reichstagsortes ein Kriterium. Die Vernetzung der Handelshäuser (Zentrale zu ihren Niederlassungen) ließ einen reichen Strom von kaufmännischen wie politischen Informationen nach Augsburg fließen.

Hof- und Reichstage zu Augsburg

Die folgende Übersicht stellt Tagungen in der schwäbischen Metropole und Informationen über das jeweilige Geschehen dar. Sie erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Der Übergang des Begriffes "Hoftag" zum Begriff "Reichstag" war fließend; einschließlich 11. Jahrhundert ist nachfolgend einheitlich „Hoftag“ verwendet.

952

1040

1040 versuchten auf einem Hoftag italienische Reichsgrößen gegen Bonifatius IV., Markgraf. von Tuszien und Markgraf von Canossa, vorzugehen, konnten aber bei Kaiser Heinrich III. mit ihren Argumenten nicht durchdringen.

1077(?)

Der Investiturstreit mit Papst Gregor VII. war entbrannt. Der Papst exkommunizierte Heinrich I. am 22. Februar 1076 und erklärte ihn für abgesetzt. Zuvor hatte Heinrich IV. den aus seiner Sicht unrechtmäßig an die Macht gekommenen Papst seinerseits für abgesetzt erklärt. Für den 2. Februar 1077 wurde ein Hoftag nach Augsburg einberufen, zu dem sich auch Papst Gregor VII. eingeladen hatte, um über Heinrich IV. das Urteil zu sprechen. Dem kam Heinrich zuvor, indem er Gregor entgegen reiste. Der Gang nach Canossa endete nach zähen Verhandeln mit dem päpstlichen Segen, nicht aber der Rücknahme der Absetzung. Vermutlich ist dieser geplante Reichstag in Augsburg entfallen. Einige deutsche Fürsten wählten ihren Favoriten, den Schwabenherzog Rudolf von Rheinfelden, am 15. März in Forchheim zum neuen König. Der wiederum anerkannte die kanonische Wahl der Bischöfe und verzichtete auf die Erblichkeit der Königswürde. Damit schienen Papst und Fürsten den Sieg davongetragen zu haben. Heinrich gab sich jedoch damit nicht geschlagen.

1138

Konrad III. fordert Heinrich den Stolzen auf dem Reichstag auf, sich von einem seiner Herzogtümer, Bayern oder Sachsen, zu trennen.

1155

leider keine weiteren Angaben

1158

1179

Die Auseinandersetzung mit dem welfischen Herrscher nach dessen Treuebruch im Jahr 1176 dauerte an. Der Kaiser Friedrich I. Barbarossa hatte für Mitte September 1179 einen Reichstag nach Augsburg einberufen, um die süddeutschen Fürsten auf ihre Treue zum Reich einzuschwören. Um Heinrich hier im Süden in seinem Herzogtum Bayern und bei dessen Nachbarn zu isolieren, blieb der Kaiser bis zum Jahresende im Süden und pflegte enge Kontakte mit den dortigen Fürsten. In Lüneburg feierte unterdessen Heinrich der Löwe pompös das Weihnachtsfest 1179, um zu signalisieren, dass die Reichsacht ihn nicht kümmere.

1207

Im Spätherbst des Jahres 1207 wurde das politische Bündnis zwischen König Philipp von Schwaben und Ottokar I. Přemysl von Böhmen gelegentlich des Reichstages durch eine Eheschließung ihrer Kinder untermauert.

1226

Ludwig der Kelheimer, Herzog von Bayern, übernahm auf diesem Reichstag im Juli das Amt des Reichsverweser("Gubernator").

1251

Nach seiner Exkommunikation durch Papst Innozenz IV. im April 1251 ernannte König Konrad IV. im Juni bei einem Reichstag Herzog Otto II. von Bayern zu seinem Stellvertreter.

1275

1282

König Rudolf I. belehnt auf dem Reichstag am 17. Dezember 1282 seine Söhne Albrecht und Rudolf "zur gemeinsamen Hand" mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark.

1473

1474

1500

1503

Auf Initiative von Kaiser Maximilian I. gewährte der Reichstag Landsknechten das Recht, sich nach eigenem Gutdünken zu kleiden.

1510

Der Reichstag wurde im Stadtpalast von Jakob Fugger abgehalten. Hamburg wurde vom Reichstag zur Reichsstadt erklärt. Diese Erklärung wurde von Dänemark nicht anerkannt. Hamburg neigte grundsätzlich zur Ansicht, Teil der holsteinischen Landesherrschaft zu sein. Diese Meinung vertraten auch die dänischen Könige, die dort 1460 die Schauenburger Grafen abgelöst hatten. Kaiser und Reichstag hingegen maßen dem Ort an der Elbe den Status einer freien und unmittelbaren Reichsstadt zu.

1517

Ulrich von Hutten wurde von Maximilian I. auf dem Reichstag zum poeta laureatus gekrönt und zum kaiserlichen Orator ernannt.

1518

1525

Ein kurzer Reichstag zum Ende des Jahres widmete sich den Spannungen nach dem Bauernkrieg. Während die eine Seite die strikte Durchführung des Wormser Edikts von 1521 forderte, plädierten andere für die Umsetzung kirchlicher Neuerungen. Man einigte sich auch unter Konrad Peutingers Einfluss auf den Kompromiss, in Glaubensfragen die Entscheidung eines Konzils abzuwarten. Die Predigtklausel des 3. Nürnberger Reichstags und die Konzilsforderung wurden wiederholt. Eine Vertagung auf das Folgejahr in Speyer wurde beschlossen.

Siehe auch:

1530

Siehe auch:

1547/1548

Siehe auch:

1550/1551

Der Reichstag behandelte im Kern die gleichen Themen wie 1548 weiter. Die Absichten Karls V., die Wahl Philipps durchzusetzen, scheiterten 1550. Hauptgegner Karls waren sein Bruder Ferdinand und die protestantischen Kurfürsten, die erneut eine Koalition bildeten. Die Fürsten waren mit den kaiserlichen Plänen unzufrieden. In der Fürstenverschwörung, angeführt von Moritz von Sachsen und Landgraf Wilhelm von Hessen im protestantischen Lager, wurde die Reichs- und Religionspolitik, speziell dessen Erbreichspläne und Angriffe auf die ständische Libertät, zum Stein des Anstoßes. Nachdem sich auch einige katholische Fürsten in der Machtfrage gegen den Kaiser stellten, musste Karl V. seine Pläne aufgeben.

1555

Siehe auch:

1558/1559

Dieser Reichstag wurde geprägt durch Ausgleichsbemühungen zwischen kaiserlich-ständischen und katholisch-protestantischen Vorstellungen.

1566

Die Forderung von Pius V. nach Unterwerfung unter die Beschlüsse des Tridentinischen Konzils begleitete die Beratungen des Reichstags, der andererseits erneut im Zeichen von Ausgleichsbemühungen zwischen kaiserlich-ständischen und katholisch-protestantischen Vorstellungen stand. Rom war mißtrauisch und vermutete im Reichstag eine potenzielle Gefahrenquelle für den Heiligen Stuhl, falls dort über Glaubensfragen verhandelt würde. Hierfür war nach Auffassung der Kurie ausschließlich ein Konzil zuständig. Die Kirche zapfte im Vorfeld bereits ihr Informationssystem (Nuntiatur, Orden [Jesuiten], Fürstbischöfe und zum Teil katholische Reichsstände) an, um vor Überraschungen gefeit zu sein. Als Nuntius wurde Kardinal Commendone eingesetzt, welcher über gute Kenntnisse des Landes und der Sprache verfügte.

Siehe auch:

1582

Außenwirkung

Über das Verhandlungsgeschehen im Rathaus oder anderen Räumlichkeiten sowie Verköstigungen und gesellschaftliche Ereignisse in Patrizierhäusern hinaus zeigte ein Reichstag auch eine nicht zu unterschätzende Außenwirkung auf die Bevölkerung.

Die Rituale

waren öffentliche Veranstaltungen mit hohem Publikumsinteresse. Die Einigkeit von Kaiser und Reich wurde hier optisch geschickt präsentiert. Jedermann erhielt Zutritt mit seinem Anliegen zum Kaiser während seines Verweilens in der Stadt. Gemeinsames Auftreten des Regenten und der Reichsstände sollten, trotz bestehender Differenzen gerade in Glaubensfragen seit Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schloßkirche, gleichwohl eine gemeinsame Verwaltung des Reiches signalisieren.

Immerwährender Reichstag

Ab 1663 ersetzte ein ständiger Gesandtenkongress (Immerwährender Reichstag) mit dem festen Sitz in Regensburg die bis dahin stets wechselnden Tagungsorte.

Literatur

Gottlieb, Gunther (Herausgeber); Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart, 1984; ISBN 3-8062-0283-4

See also: Reichstag zu Augsburg, 1. April, 10. April, 1040, 1076, 1077, 1138, 1155, 1158, 1176