Exklusion

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Exklusion, wörtlich Ausschluss (aus dem lat. exclusio), sinngemäß auch Ausgrenzung, beschreibt in der gehobenen Umgangssprache die Tatsache, dass jemand (aus unterschiedlichen Gründen, ggf. gegen seinen Willen) von einem Vorhaben, einer Versammlung u.ä. ausgeschlossen (exkludiert) wird. Die Teilnehmer möchten – beispielsweise aus Reputationsgründen oder Misstrauen – unter sich (exklusiv) bleiben. Eine gewisse Abwertung bis hin zur Diskriminierung derer, die ausgeschlossen werden, geht damit einher. Der Gegenbegriff ist die Inklusion.

Die faktische Ausschließung Höchstgestellter, ‚erhabener‘ Persönlichkeiten vom allgemeinen Umgang, die deren hohe Wertschätzung betont, mag diesen oft unangenehm sein (der japanische Kaiser ‚badet nicht in der Menge‘, der Papst macht keine Kneiptour, bei Einkäufen hat die englische Königin persönlich nie Geld bei sich), wird aber nicht als „Exklusion“ betrachtet, sondern soll sie davor schützen, ins 'Gemeine' herab gezogen zu werden.

Inhaltsverzeichnis

Soziologische Verwendung

Begriff

In der Soziologie ist „Exklusion“ (engl. exclusion) i.A. ein Begriff, der in einer neuzeitlichen Gesellschaft den nachhaltigen Ausschluss einzelner sozialer Akteure oder ganzer Gruppierungen aus denjenigen sozialen Kreisen bezeichnet, die sich (ggf. gemeinsam) als die ‚eigentliche‘ Gesellschaft verstehen. Auch empfindet sich, wer so ausgegrenzt wird, selber als ‚wertlos‘ und ‚außenstehend‘, akzeptiert die Werte des ihn ausschließenden Kollektivs nicht (mehr) und handelt entsprechend. Dennoch verbindende soziale Interaktionen werden dabei als unerheblich betrachtet (Warenkauf, Teilnahme am öffentlichen Nahverkehr, gelegentliche sprachliche Kommunikation, Wehrdienst, öffentliche Unterstützung).

Der Begriff umfasst somit einen schärfer abgewerteten sozialen Tatbestand als die Begriffe „Single“, „Außenseiter“, „Randgruppe“ oder „Einsiedler“.

Soziale Exklusion ist der Verlust an sozialen und politischen Teilhabechancen. Sie kann für die Betroffene sogar zu einem mentalen oder physischen Überlebensproblem werden. Betrifft diese Exklusion große Gruppen (z.B. Obdachlose, Aidskranke, Langzeitarbeitslose, Slumbewohner, Einwanderer, historisch: Juden in Europa), so kann dies zu einem (sozial-, gesundheits-, ordnungs-, staats-) politischen Problem werden. Die mit Beginn der 1980er Jahre einsetzende Diskussion um „Neue Armut“, v.a. deren Rezeption in der Soziologie in Frankreich („exclusion“) und den USA („underclass“), hat den Begriff Exklusion entscheidend geprägt.

Ältere soziale Formen

Exklusion ist der Sache nach eine historisch früh auftretende soziale Erscheinung (vgl. den Ostrakismos im antiken Athen). Harte Formen der Exklusion – oft verrechtlicht – kannten sowohl akephale Gesellschaften (Geächtete, Vogelfreie) als auch Kasten- und Ständegesellschaften (Parias, Ehrlose), Kirchen (Exkommunizierte) und totalitäre Diktaturen (‚Abweichler‘). (Siehe auch Fahrendes Volk, Schausteller) - dort auch Einzelhinweise.

Literatur

Siehe auch: Marginalisierung, Prekarisierung

See also: Exklusion, Acht, Akephalie, Akteur, Athen, Außenseiter, Diskriminierung, Ehre, Einsiedler