Aussprache der französischen Sprache
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Viele Deutschsprachige stellt die Aussprache der französischen Sprache vor Probleme, da das Französische mehrere Laute enthält, die im Deutschen unbekannt sind. Dazu zählen vor allem die Nasallaute.
Weitere Schwierigkeiten treten beim Erlernen der Schriftsprache auf, weil sich Schriftbild und die korrekte Aussprache seit Jahrhunderten auseinander entwickelt haben, allerdings meist recht einfachen Regeln folgt.
| Inhaltsverzeichnis |
Stumme Zeichen
Wortanfang
Ein h am Wortbeginn bleibt stumm.
Wortende
Die Konsonanten werden am Wortende praktisch nie ausgesprochen. Bei der Konjugation der Verben gilt die Regel, dass die Konjugationssilbe -ent für die dritte Person Plural stumm bleibt.
- haut - [o] "hoch"
Auch ein e am Wortende ist zumeist stumm. Es zeigt meist das weibliche Geschlecht des Wortes an. Außerdem ist es ein Hinweis darauf, dass der Konsonant vorher zu artikulieren ist.
Konsonanten
Bei den seltenen Konsonantenhäufungen ist oftmals auch der eine oder andere Buchstabe nur noch ein stummes Überbleibsel der Etymologie, weil er dem Wohlklang im Wege stand:
Bisweilen aber tauchen stumme Konsonanten am Wortende in der Aussprache wieder auf, wenn das folgende Wort mit einem Vokal beginnt. Es wird dann eine so genannte Liaison vorgenommen, also beide Wörter werden zusammenhängend ausgesprochen.
Da das "h" im Französischen nicht gesprochen wird, wird also auch bei vielen Wörtern, die mit "h" beginnen, eine Liaison vorgenommen.
Jedoch wird nicht immer eine Liaison durchgeführt. In manchen Fällen besteht ein Wahlrecht.
Zudem gibt es eine ganze Reihe von Wörtern, die mit einem "aspirierten h" beginnen. Dieses "h" bleibt zwar ebenso stumm, aber durch seine Existenz wird gewissermaßen die Autonomie des Wortes bewahrt, also keine Liaison vorgenommen.
Faustregeln
Zur Aussprache gewisser Buchstabengruppen lassen sich zumeist schnell Regeln finden, die auch in den meisten Fällen Gültigkeit haben.
- "u" - [y]
- "ai", "ei" - [ɛ] (gilt nicht, wenn das "i" zur Buchstabengruppe "ill" gehört)
- "oi" - [wa] (gilt nicht, wenn das "i" zur Buchstabengruppe "ill" gehört)
- "(e)au(x)" - [o]
- "eu(x)" - meist [ø] (neben [œ])
- "œ(u)" - meist [œ] (neben [ø])
- "é" - immer [e]
- "è", "ê" - immer [ɛ]
- "ô" - immer [o]
- Vokal(e) + "n" oder "m", wenn kein Vokal oder weiteres "n, m" folgt - nasale Aussprache des Vokals (oft mit neuer Klangfarbe des Vokals); siehe unten.
- "j" - [ʒ] stimmhafter sch-Laut
- "c" vor "e, i, y" und den jeweiligen Vokalbuchstaben mit diakritischen Zeichen (Vokalbuchstaben, die helle Vokale wiedergeben, außer "œ" und "u") - [s], sonst [k]
- "ç" - [s]; nur vor "a", "o" und "u" und den jeweiligen Vokalbuchstaben mit diakritischen Zeichen (Vokalbuchstaben, die dunkle Vokale wiedergeben, außerdem "u")
- "g" vor "e, i, y" und den jeweiligen Vokalbuchstaben mit diakritischen Zeichen - [ʒ] stimmhafter sch-Laut, sonst [g]
- "gu" vor "e" und "i" und den jeweiligen Vokalbuchstaben mit diakritischen Zeichen - [g]
- "q(u)" - [k]
- "ch" - [ʃ]
- "ill" - [ij], nach Vokalbuchstaben [j] ("ll" wird ähnlich dem Spanischen zu einem j-Laut in diesem Fall)
Homonyme
In speziellen Fällen können Homonyme unterschiedliche Aussprachen haben:
- "le/les fils" - [lə fis] / [le fis] - der Sohn, die Söhne
- "le fil" - [lə fil] - der Faden
- "les fils" - [le fil] - die Fäden
Die Nasalvokale
Die Nasalvokale tauchen immer dann auf, wenn nach dem Vokal ein m oder n und danach ein anderer Konsonant oder das Wortende folgt. In diesen Fallen dient das m oder n nur zur Anzeige der nasalen Aussprache des davor stehenden Vokals. Im Folgenden wird die nasale Aussprache durch das "~" verdeutlicht:
- un - [œ̃] - "eins"
- mon - [mɔ̃] - "mein"
- pompe - [pɔ̃p] - "Pumpe"
- plante - [plɑ̃t] - "Pflanze"
- main - [mɛ̃] - "Hand"
- grand-mère - [gʁɑ̃ˈmɛːʁ] - "Großmutter"
Folgt dem m bzw. n derselbe Konsonant oder ein Vokal, dann tritt keine Nasalierung ein:
- grammaire - [gʁaˈmɛːʁ] - "Grammatik"
- pomme - [pɔm] - "Apfel"
- Anne - [an] - "Anna"
- une - [yn] - "eine"
Die Adjektive
Das Adjektiv nimmt stets das Geschlecht und auch die Zahl des Bezugswortes an. Dabei wird die weibliche Form meist durch das Anfügen eines "e" gebildet, was dazu führt, dass sich die Aussprache ändert:
Eine ganze Reihe von Adjektiven aber ändert sich im Stamm, aber nicht immer in der Aussprache:
- "dangereux" - [dɑ̃ʒˈʀø] - gefährlich (männliche Form)
- "dangereuse" - [dɑ̃ʒˈʀøz] - gefährliche (weibliche Form)
Schließlich gibt es auch Adjektive, deren männliche und weibliche Formen, die deren Schriftbild und Aussprache identisch sind:
Die Adjektive "beau", "nouveau" und "vieux" haben drei Formen:
- "beau" - [bo] - schön (männliche Form)
- "belle" - [bɛl] - schöne (weibliche Form)
- "bel" - [bɛl] - schön (2. männliche Form)
Diese zweite Form wird immer dann benutzt, wenn dem Adjektiv ein männliches Substantiv mit vokalischen Anlaut folgt, um das Aufeinandertreffen zweier Vokale zu vermeiden - im Sinne des Wohlklangs.
Die Adjektive stehen im Französischen in der Regel hinter dem Substantiv, auf welches sie sich beziehen.
- "un homme triste" - [œ̃n ɔm tʀist] - ein trauriger Mensch/Mann
- "la langue hongroise" - [la lɑ̃g ɔ̃ˈgʀwaz] - die ungarische Sprache
Eine ganze Reihe von kurzen, häufig verwendeten Adjektiven aber steht immer vor dem entsprechenden Substantiv:
- "un bon livre" - [œ̃ bɔ̃ livʀ] - ein gutes Buch
- "une grande maison" - [yn gʀɑ̃d mɛˈzɔ̃] - ein großes Haus
daher: "une jolie voiture française" - [yn ʒoli vwaˈtyʀ fʀɑ̃ˈsɛz] - ein schönes französisches Auto
In einigen Fällen die Stellung des Adjektives die Bedeutung ändern:
- "un grand homme" - [œ̃ gʀɑ̃ˈdɔm] - ein großartiger Mensch/Mann
- "un homme grand" - [œ̃n ɔm gʀɑ̃] - ein groß gewachsener Mensch/Mann
Will man die Bedeutung des Adjektivs unterstreichen, setzt man es vor das Substantiv.
Die Adverbien
Adverbien werden gebildet, indem an die weibliche Form des Adjektivs die Silbe "-ment" angefügt wird. Bei vielen kurzen Adverbien sind beide Formen identisch.
- "lent" - [lɑ̃] - langsam (männliche Form)
- "lente" - [lɑ̃t] - langsame (weibliche Form)
- "lentement" - [lɑ̃tˈmɑ̃] - langsam (Adverb)
Die Mehrzahlbildung
Die Bildung der Mehrzahl ist im Französischen nicht sehr schwierigund erfolgt in den meisten Fällen durch das Anhängen eines "s", das allerdings in der Aussprache im Allgemeinen stumm bleibt. Auch wenn sich eine Endsilbe wie "-es" ergeben sollte, hört man zwischen Einzahl- und Mehrzahlform keinen Unterschied - es sei denn, es kommt zu einer Liaison.
Bei vielen Substantiven, die in der Einzahl auf "-al" enden, lautet die Mehrzahlform auf "-aux".
Andere folgen der normalen Mehrzahlbildung mit -s. Die bekanntesten sind
- "bal" - [bal] - der Tanzball
- "cal" - [kal] - die Schwiele
- "carnaval" - [kaʀnaˈval] - der Karneval
- "chacal" - [ʃaˈkal] - der Schakal
- "festival" - [fɛstiˈval] - das Festival
- "récital" - [resiˈtal] - das Rezital
- "régal" - [reˈgal] - der Leckerbissen
Bei Substantiven, die auf "s" oder "x" enden, sind Einzahl- und Mehrzahlform identisch.
Letzten Endes kennzeichnet also nur der Artikel in der Aussprache den Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl.
- "le livre rouge" - [lə livˈʀə ʀuːʒ] - das rote Buch
- "les livres rouges" - [le livˈʀə ʀuːʒ] - die roten Bücher
Die Geschlechter
Im Französischen gibt es nur zwei Geschlechter: männlich und weiblich. Den Substantiven ist es allerdings oft nicht entnehmbar, welches Geschlecht sie haben. Es muss also der Artikel - "le" für männlich, "la" für weiblich - (oder besser "un" oder "une" - siehe unten) mitgelernt werden. Die Mehrzahlform des bestimmten Artikels lautet in beiden Fällen "les".
- "le tour" - [lə tuːʀ] - die Rundfahrt
- "la tour" - [la tuːʀ] - der Turm
- "les tours" - [le tuːʀ] - die Türme; die Rundfahrten
Die Geschlechter stimmen oft nicht mit jenen überein, die man im Deutschen gewöhnt ist.
Das Erlernen des Geschlechtes wird dadurch erschwert, dass die bestimmten Artikel apostrophiert werden, wenn das Substantiv mit einem Vokal oder einem stummen h (außer bei aspiriertem h) beginnt (daher besser mit "un" oder "une" lernen).
- "l’heure" - [lœʀ] - die Stunde --- ist weiblich; aber: "une heure" - [yn œʀ] - eine Stunde
- "l’homme" - [lɔm] - der Mann --- ist männlich; und: "un homme" - [œn ɔm] - ein Mann
- "le haricot" - [ləʔaʀiˈko] - die Bohne --- ist männlich
- "la hache" - [laʔaʃ] - die Axt --- ist weiblich
Die Apostrophierung
Französisch erhält seinen Wohlklang nicht nur durch den Wegfall der Aussprache "unnötiger" Konsonanten, sondern auch durch das Auslassen von Vokalen, damit es zu keiner Häufung kommt. Das Auslassen wird dann durch einen Apostroph gekennzeichnet.
- "ce" - [sə] - "es"
- "que" - [kə] - was, wie, das(s)
- "c’est" - [sɛ] - es ist
- "Qu’est-ce que c’est?" - [kɛs kə sɛ] - Was ist das?
- "je" - [ʒə] - ich
- "ai" - [ɛ] - habe (1. Person Einzahl von "haben")
- "j’ai" - [ʒɛ] - ich habe
- "j’en ai marre" - [ʒɑ̃nɛ maʀ] - Ich habe genug davon!
Aber nicht immer wird apostrophiert:
Aber:
In der Umgangssprache wird "tu" zumeist trotzdem verkürzt (z.B. "t'as" statt "tu as").
Fragestellungen auf Französisch
Will man im Französischen eine Frage stellen, hat man drei Möglichkeiten. Das ist so teilweise auch im Deutschen üblich.
Einmal als Intonationsfrage. Dabei entspricht die Wortstellung dem Aussagesatz, lediglich die Sprechmelodie ist anders, sie hebt sich zum Ende des Satzes hin.
- "Vous êtes gentils." - [vuˈzɛt ʒɑ̃ˈti] - Ihr seid freundlich.
- "Vous êtes gentils?" - [vuˈzɛt ʒɑ̃ˈti] - Ihr seid freundlich?
Die zweite, ebenfalls sehr umgangssprachliche und für Französisch Lernende aufgrund der Fragesignalisierung zu Beginn des Satzes sehr einfache Form besteht darin, dem Aussagesatz ein "est-ce que" voranzustellen. Sollte ein Fragewort den Satz einleiten, steht dieses vor "est-ce que".
- "Il est six heures." - [ilɛ siˈzøʀ] - Es ist sechs Uhr.
- "Est-ce qu’il est six heures?" - [ɛskilɛ siˈzøʀ] - Ist es sechs Uhr?
Die dritte Möglichkeit der Fragestellung ist die Inversion, also die Umkehrung der Satzstellung von Personalpronomen und dazugehörigem Verb. Sie entspricht unserer deutschen Fragestellung.
- "Qu’est-ce que vous faites?" - [kɛskə vu fɛt] - Was machen Sie? / Was macht ihr?
wird zu
- "Que faites-vous?" - [kə fɛt vu] - Was machen Sie? / Was macht ihr?
- "Est-ce qu’il est six heures?" - [ɛskilɛ siˈzøʀ] - Ist es sechs Uhr?
wird zu
- "Est-il six heures?" - [ɛtil siˈzøʀ] - Ist es sechs Uhr?
Die Inversion gilt als eleganter, aber auch schwerfälliger und wird vor allem in der Schriftform benutzt.
Verneinungen
Wird im Französischen eine Satzaussage verneint, geschieht das immer durch zwei Wörter. Das konjugierte Verb (niemals das Partizip) wird von der Verneinung gewissermaßen von beiden Seiten umfasst. Die Verneinung beginnt zunächst immer mit der Partikel "ne"; es folgt das Verb; schließlich folgt die eigentliche Verneinung, je nachdem, welche Art von Verneinung vorliegt.
- "ne ... pas" - [nə … pa] - nicht
- "ne ... rien" - [nə … ʀiɛ̃] - nichts
- "ne ... jamais" - [nə … ʒamɛ] - niemals
- "ne ... plus" - [nə … ply] - nicht mehr
aber
- "ne ... que" - [nə … kə] - nur
Dabei werden auch hier oft Apostrophierungen vorgenommen:
- "Je n’ai pas d’argent" - [ʒənɛ pa daʀˈʒɑ̃] - Ich habe kein Geld.
- "J’en n’ai rien" - [ʒɑ̃nɛ ʀiɛ̃] - Ich habe nichts davon.
- "Je n’ai jamais fumé" - [ʒənɛ ʒamɛ fyˈme] - Ich habe nie geraucht.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Einleitungspartikel bzw. deren apostrophierte Formen in der Umgangssprache oft weggelassen wird.
Rechtschreibreform?
Eine Reform der Schrift weg von der Schreibweise des 11./12. Jahrhunderts hin zu einer Schreibweise, die mehr an der modernen Aussprache angelehnt ist, wird stets mit folgendem Argument abgeschmettert: Man will die Eindeutigkeit der geschriebenen Wörter bewahren, die in der Aussprache schon längst Homonyme sind, also identisch gesprochen werden.
- je vois - [ʒə vwa] - ich sehe
- il voit - [il vwa] - er sieht
- elle voit - [ɛl vwa] - sie sieht
- ils voient - [il vwa] - sie sehen
- elles voient - [ɛl vwa] - sie sehen (Gruppe rein weiblicher Individuen)
- la voie - [la vwa] - das Gleis
- les voies - [le vwa] - die Gleise
- la voix - [la vwa] - die Stimme
- les voix - [le vwa] - die Stimmen
oder auch
- eau - [o] - Wasser
- eaux - [o] - Wässer
- haut - [o] - hoch/hoher
- hauts - [o] - hohe (männliche Form der Mehrzahl)
Das Argument der Eindeutigkeit mag aufgrund dieser Beispiele zunächst einleuchten. Da aber die Wörter stets in einem bestimmten Kontext stehen, wird deren Bedeutung stets klar. Ansonsten wäre im Französischen keine mündliche Verständigung mehr möglich - was aber augenscheinlich nicht der Fall ist.
