Babylonische Gefangenschaft
Die Babylonische Gefangenschaft (auch Babylonisches Exil) ist eine Epoche in der Geschichte des jüdischen Volkes.
Der Beginn wird auf das Jahr 586 v. Chr. datiert, in dem der babylonische König Nebukadnezar II. Jerusalem eroberte und den Tempel zerstörte. Dies geschah im 19. Regierungsjahr des König Nebukadnezar II.. Anschließend wurde die jüdische Oberschicht in die Gefangenschaft nach Babylon verschleppt. Nach der Eroberung des babylonischen Reiches erlaubte der Perserkönig Kyros II. den Gefangenen ab 537 v. Chr. die Rückkehr in ihre Heimat, um den Tempel wiederaufzubauen, welcher dann im März 515 soweit fertig gestellt war, dass die Juden ihre Anbetung in Jerusalem wieder aufnehmen konnten. Ein Teil blieb jedoch in Babylon zurück und bildete dort ein kulturelles jüdisches Zentrum. Aus den dort geführten Diskussionen der Schriftgelehrten entstand im 6. Jhd. n. Chr. der babylonische Talmud.
Wie die Juden ihre Lage während des Exils empfanden, kommt sehr gut im Psalm 137 zum Ausdruck:
An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangenhielten, hießen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: "Singet uns ein Lied von Zion!" Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremdem Lande? Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein. HERR, vergiß den Söhnen Edom nicht, was sie sagten am Tage Jerusalems: "Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!" Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast! Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!
Lutherbibel revidierte Fassung von 1984
Vor dem Hintergrund der Babylonischen Gefangenschaft spielt die Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Auch der Hit "Rivers of Babylon" von Abba beschreibt dieses Ereignis
Luther verwendet den Begriff im übertragenen Sinne und spricht von der "Babylonischen Gefangenschaft der Kirche", um Missstände in der damaligen katholischen Kirche aufzuzeigen, die er in Irrtümern und falschen Abhängigkeiten quasi gefangen und entführt sah.
