Bacteroides fragilis

Bacteroides fragilis

none|250px|Bacteroides fragilis Bacteroides fragilis (Gram-Färbung) </small>

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Stammgruppe: Bacteroidetes/Chlorobi
Abteilung: Bacteroidetes
Ordnung: Bacteroidales
Familie: Bacteroidaceae
Gattung: Bacteroides
Art: Bacteroides fragilis

Bacteroides fragilis gehört, wie die übrigen Mitglieder der Bacteroides, zu den gramnegativen, obligat anaeroben und nicht sporenbildenden Stäbchen-Bakterien. Bacteroides spec. gehören zu der physiologischen Flora des Menschen und von Tieren. Als Bestandteil der physiologischen Flora kommt dem Bakterium eine wichtige Rolle bei der sog. Kolonisationsresistenz zu. Bacteroides fragilis findet sich häufig bei Mischinfektionen mit aeroben bzw. fakultativ anaeroben Bakerien.

Eigenschaften

Bacteroides fragilis ist ein obligat anaerobes, gramnegatives und nicht sporenbildendes Stäbchen-Bakterium. Gegen Umwelteinflüsse ist Bacteroides fragilis auf Grund der Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff relativ empfindlich. Bacteroides sind galleresistent, spalten Saccharose und sind nicht pigmentiert. Bacteroides fragilis bildet z.T. eine Kapsel, die das Bakterium in Kombination anderer anti-phagozytärer Substanzen vor Phagozytose schützt. Das Lipopolysaccharid (LPS) von Bacteroides fragilis unterscheidet sich von dem der aeroben Bakterien und entfaltet eine geringere Toxizität im Wirtsorganismus. Bacteroides fragilis besitzt zur Verbesserung der Adhärenz Fimbrien. Außerdem finden sich unterschiedliche Ektotoxine und Enzyme.

Verursachte Krankheiten

Bacteroides fragilis und Bacteroides thetaiotaomicron finden sich häufig in Mischinfektionen, so z.B. bei Peritonitis, gynäkologischen Infektionen (z.B. Adnexitis), intraabdominellen Abszessen, Aspirationspneumonien, Sinusitiden und Hirnabszessen.

Ausbreitung

Bacteroides fragilis gehört nicht zu den typischen Umweltkeimen. Er gehört vielmehr zur normalen Bakterien-Flora des Menschen.

Übertragung

Die Besiedelung des Menschen durch Bacteroides spec. findet meist während der ersten Lebensjahre statt. Infektionen sind daher meist endogen, d.h. von der physiologischen Flora des eigenen Körpers ausgehend.

Häufigkeit

Etwa 5-10% der Sepsis-Fälle, die durch gramnegative Stäbchen hervorgerufen werden, gehen auf Infektionen durch Bacteroides spec. zurück. Bacteroides fragilis ist dabei der häufigste isolierte Keim der Bacteroides. Bei intraabdominalen Infektionen finden sich ebenfalls häufig Bacteroides spec.

Inkubationsdauer

Die Inkubationszeit beträgt meist nur wenige Tage.

Pathogenese

Als Bestandteil der physiologischen Flora ist Bacteroides fragilis nicht pathogen. Infektionen entstehen durch Keimverschleppung in eigentlich sterile Körperbereiche. Häufig erfolgt zunächst eine Infektion durch aerobe bzw. fakultativ anaerobe Bakterien. Diese Senken den Sauerstoff-Partialdruck im infizieren Gewebe. Erst jetzt infizieren Bacteroides spec. den Infektionsherd. Bakterien-Isolate aus Infektionsherden bilden meist eine Kapsel, die sich jedoch nach mehreren Subkultur-Schritten häufig nicht mehr findet.

Diagnostik

Therapie

Nekrosen und Abszesse müssen meist chirurgisch angegangen und saniert werden, da Antibiotika meist nicht in das Infektionsgebiet in ausreichender Menge vordringen. Gegen Aminoglykoside sind Bacteroides primär resistent. Laktamase-sensible Penicilline und Cephalosporine werden häufig durch potente Laktamasen zerstört. Zum Einsatz kommen daher v.a. Nitroimidazole (z.B. Metronidazol), Clindamycin, Carbapeneme (z.B. Imipenem), sowie Laktamase-feste Penicilline (z.B. Piperacillin). Die entsprechenden Antibiotika kommen meist schon bei Verdacht zum Einsatz, da die bakteriologische Diagnostik häufig zu lange dauert. Bei Operationen im Darmtrakt wird häufig eine Chemoprophylaxe durchgeführt, um eine Infektion durch Anaerobier zu verhindern.

Historisches

Veillon und Zuber beschrieben 1898 Bacteroides fragilis (damals noch Bacillus fragilis) erstmals als Erreger einer Appendizitis.

Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

See also: Bacteroides fragilis, 1898