Bad Reichenhall
| Wappen | Karte |
|---|---|
| 140px|Wappen fehlt Wappenabbildung auf ngw.nl | 140px |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Bayern |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern |
| Landkreis: | Berchtesgadener Land |
| Fläche: | 39,44 km² |
| Einwohner: | 16.742 (31. Dezember 2003) |
| Bevölkerungsdichte: | 424 Einwohner/km² |
| Höhe: | 470 m ü. NN |
| Postleitzahl: | 83435 |
| Vorwahl: | 08651 |
| Geografische Lage: | 47° 43' n. Br. 12° 52' ö. L. |
| Kfz-Kennzeichen: | BGL |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 72 114 |
| Gliederung desStadtgebiets: | 9 amtlich benannte Gemeindeteile |
| Adresse derStadtverwaltung: | Rathausplatz 1 83435 Bad Reichenhall |
| Website: | www.stadt-bad-reichenhall.de |
| E-Mail-Adresse: | nfo@stadt-bad-reichenhall.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Wolfgang Heitmeier (FWG) |
Bad Reichenhall ist die Kreisstadt des Landkreises Berchtesgadener Land, im Regierungsbezirk Oberbayern und im Freistaat Bayern. Bad Reichenhall ist eine Kurstadt mit zahlreichen Solequellen und Solebädern und Standort der Gebirgsjägerbrigade 23 und des Gebirgsjägerbataillons 231.
Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung, der Name Reichenhall stamme vom keltischen Wort "hal" für Salz ab, gibt es keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg oder eine Nennung in entsprechender Fachliteratur (z.B. Reitzensteiner, Wolf-Armin: Lexikon bayerischer Ortsnamen) für diese Annahme. Vielmehr leitet sich der Name vom germanischen "hal" für "Saline" ab. Der ursprüngliche Stadtname "Hal" deutet also darauf hin, dass es sich um einen Ort mit einer Saline handelt. "Reich an Hall" bedeutet demnach, dass der genannte Ort zahlreiche Salinen hat. Vgl. hierzu auch den Stadtnamen "Hallein". Hier handelt es sich um eine Verkleinerungsform. Das Wort "Salz" lässt sich jedoch nicht verkleinern, "Sälzchen" gibt es nicht, im Gegensatz zu einer Salinenanlage, die eben kleiner ist, als die in Reichenhall.
| Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Bad Reichenhall liegt im Reichenhaller Talkessel, d.h. es ist auf fast allen Seiten von Bergen umgeben. Im Norden steht der Bad Reichenhaller Hausberg, der Staufen, und der Fuderheuberg. Im Westen befindet sich der Zwiesel, im Süden der Predigtstuhl. Im Osten, etwas weiter weg, hinter den angrenzenden Orten Bayerisch Gmain und dem österreichischen Großgmain, steht das Untersbergmassiv.
Durch Bayerisch Gmain hindurch den Hallthurmer Berg hinauf führt auch die einzige Straße auf deutscher Seite nach Berchtesgaden, parallel dazu die Bahnstrecke Freilassing - Berchtesgaden, die in Bad Reichenhall zwei Bahnhöfe hat.
Der Ortsteil Marzoll liegt nördlich von Staufen und Fuderheuberg, also noch nicht im Talkessel. Neben Marzoll gehören die Ortsteile Karlstein, Nonn und Weißbach zu Bad Reichenhall.
Daten
(Stand 31. Dezember 2003)
- Einwohner: 16.742, davon männlich: 7.459 / weiblich: 9.293.
- gesamte Fläche des Stadtgebietes 3.943 ha, davon
- Siedlungs- und Verkehrsfläche 568 ha
- Waldfläche 2.286 ha
- Landwirtschaftsfläche 588
- Wasserfläche 171 ha
- Erholungsfläche 35 ha
Geschichte
Frühgeschichte
Funde im Reichenhaller Raum deuten darauf hin, dass bereits während der Glockenbecherkultur (2600 - 2300 v.Chr.) feste Siedlung und weitverzweigte Handelswege vorhanden waren. Belegt wurde dies durch Funde zahlreicher Grabstätten aus der Urnenfelderzeit (1600 - 750 v. Chr.) im Bereich des heutigen Ortsteils Karlstein. Dort war in der La-Tène-Zeit (450 - 15 v. Chr.) auch ein keltisches Kultzentrum am "Langackertal" und eine Münzprägestätte am "Haiderburgstein". Aus der römischen Kaiserzeit (15 v. Chr. - 480 n. Chr.) stammen Funde einer anspruchsvollen Villenkultur in Marzoll und Fager (Ortsteil Karlstein). Die Funde zahlreicher Grabstätten der Bajuwaren in Kirchberg aus der Merowingerzeit (480 - 700) schließlich deuten auf ein friedliches Nebeneinander von Christen und Romanen hin. Als Siedlung könnte der Altstadtbereich oder der Kirchberg gedient haben.
Entstehung des Ortes
Um 700 wird der Ort erstmalig mit Hal bzw. Salina bezeichnet, 1323 wird der Name Reichenhall erstmalig erwähnt. Um 1070 bildete sich eine eigene Reichenhaller Hallgrafschaft heraus, die den Handel mit dem kostbaren Gut Salz trieb und überwachte. Ab 1493 kauft der Herzog von Bayern sukzessive die bürgerlichen Siedeanlagen auf. Das Salzwesen wird weitgehend ein Staatsmonopol.
1817 wird die 29 km lange Soleleitung nach Berchtesgaden in das Salzbergwerk Berchtesgaden gebaut.
Seit 1890 darf Reichenhall auf Verfügung des bayerischen Prinzregentenden den Zusatz Bad führen, neun Jahre später wird es königlich bayerisches Staatsbad.
1978 werden im Zuge der Gebietsreform die Gemeinden Karlstein und Marzoll eingemeindet.
1997 wird der Staatsbadbetrieb privatisiert, die Staatliche Kurverwaltung aufgelöst und die Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain gegründet.
St. Zeno
1136 wird das Augustiner-Chorherrenstifts St. Zeno gegründet, welches 1803 der Säkularisation zum Opfer fiel. Der Ortsteil St. Zeno wird 1906 eingemeindet.
Zerstörungen
1196 führte eine Strafexpedition von Erzbischof Adalberts II. gegen Reichenhall zur völligen Vernichtung der Stadt. In dieser Zeit wurde auch die legendäre Hallburg am Streitbichl durch den Erzbischof errichtet. Auch 1834 werden zwei Drittel aller Häuser zerstört, diesmal jedoch durch einen Brand.
Ein alliierter Bombenangriff (Bad Reichenhall wurde 1934 Garnisonsstadt der Gebirgsjäger) fordert 1945 198 Todesopfer. Die Gebirgsjägergarnison kehrt 1958 wieder nach Reichenhall zurück.
thumb|Alte Saline
Bad Reichenhall und das Salz
Die gesamte Region war historisch schon immer von der Salzgewinnung und -verarbeitung geprägt. Namen wie Salzburg, Hallein oder Reichenhall (vom germanischen Wort "hal" für "Saline") sind Zeugen dafür. Die um 1070 entstandene Hallgrafschaft Reichenhall überwachte einen regen Salzhandel. Salz war zu dieser Zeit ein sehr kostbares Gut, es wurde auch als Weißes Gold bezeichnet. Bereits in vorrömischer Zeit wurde im Reichenhaller Talkessel Salz aus Sole gewonnen. Die auf natürliche Weise entspringenden Solequelllen wurden gefasst und das kostbare Nass in tönernen Öfen versotten (zu "sieden"). Überreste dieser ersten Salzerzeugung sind heute aufgrund zahlreicher Hochwasser der Saalach nicht mehr vorhanden. Im Mittelalter waren Reichenhaller Bürger und das Kloster St. Zeno in Besitz der Solequellen und der eisernen Sudpfannen, die die alten Tonöfen abgelöst hatten. Immer wieder kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit benachbarten Orten, in denen ebenfalls Salz produziert wurde. Im Spätmittelalter kamen die Reichenhaller Siedeherren im mehr in Bedrängnis, da die Qualität der Sole durch eindringendes Süßwasser vermindert wurde. Schließlich gelang es den bayerischen Herzögen nach und nach die Quellen und die Sudpfannen in ihren Besitz zu bringen. Ab dem 16. Jahrhundert hatte lediglich das Kloster St. Zeno noch eigene Solequellen. Mit der Inbesitznahme der Salzproduktion durch die Dynastie der Wittelsbacher begann die Modernisierung der Soleförderung. Um des Problem der zufließenden Süßwässer zu beseitigen, wurden alle Solequellen in einem zentralen Förderschacht, dem sog. "Hauptschacht" zusammengefasst. Die unterirdisch entspringenden Süßwasserquellen wurden ebenfalls eingefasst und durch den Grabenbachstollen abgeleitet. Der Grabenbachstollen verläuft in etwa 15 Metern Tiefe knappe 2 Kilometer lang unterhalb der Stadt, dann fließt das Wasser nochmals 2 Kilometer oberirdisch weiter und mündet schließlich im Ortsteil Staufenbrücke in die Saalach. Um die Sole aus dem neuen Hauptschacht zu fördern wurde ein Paternosterschöpfwerk verwendet, das zunächst von Menschkraft, später durch Wasser angetrieben wurde. Das Pumpwerk war bereits seit dem Jahr 1440 in Betrieb und blieb es bis auf kleinere Veränderungen bis zum Reichenhaller Stadtbrand im Jahr 1834. Im Bereich der Salzproduktion änderte sich in den folgenden Jahrhunderten so gut wie nichts. Die Sle wurde in den herzöglichen Sudhäusern zu Salz versotten. Der feuchten Salzbrei wurde in Holzfässer gestoßen, die so entstandenen Salzfuder in großen Öfen getrocknet und anschließend zerstoßen. Erst als Beschwerden aus dem Ausland über Qualitätsmängel des Salzes zunahmen, entschied man sich zu umfassenden Mordernisierungsmaßnahmen unter Leitung des Schweizer Baumeisters v. Claiss. Große Veränderungen für die Saline brachte der Stradtbrand im Nov. 1834, dem große Teile der Stadt und die gesamte Saline zum Opfer fielen: Die Pumpanlagen im Hauptbrunnhaus wurden komplett erneuert, Herzstück wurden nun zwei große Wasserräder, die mittels zehn Saug- und Druckpumpen die Sole aus dem Hauptschacht förderten. Von dort aus wurde das Salzwasser in die benachbarten Solereserven gepumpt, von wo aus es je nach Bedarf in eines der vier neuen Sudhäuser geleitet werden konnte. [Fortsetzung folgt]
Auch heute noch spielt das Salz in Bad Reichenhall eine große Rolle. Reichenhall wurde nicht nur dank seiner Solebäder, die mit Wasser aus zahlreichen Solequellen gespeist werden, zur Kurstadt, sondern es vermarktet auch die Saline Bad Reichenhall sein Reichenhaller Markensalz in ganz Deutschland und vielen Ländern der Welt.
Sehenswürdigkeiten
- Das Alte Rathaus von 1849 (Architekt Lukas, ein Schüler Gärtners), 1924 mit Fresken von Josef Hengge bemalt.
- Die Alte Saline, erbaut nach dem großen Stadtbrand von 1834 vom Architekten Johann Daniel Ohlmüller. Sehr sehenswert.
- Die Pfarrkirche St. Nikolaus, eine dreischiffige romanische Basilika aus dem 12. Jahrhundert.
- Das Sebastianiviertel, mitunter das älteste Viertel der Stadt, mit dem Peter- und Paul-Turm, einem der seinerzeit 14 Wehrtürme.
- Die mittelalterliche Burg Gruttenstein. Südlich davon erhebt sich im Verlauf der historischen Stadtmauer der zweite noch erhaltene Wehrturm, der "Pulverturm".
- Das Kloster und Münster St. Zeno aus dem 12. Jahrhundert.
- Der Kurpark mit dem Gradierwerk, ein 172 m langes, 14 m hohes und mit 200.000 Schwarzdornreisigbündeln bestücktes Gradierwerk, das in seiner heutigen Gestalt als Freiluftinhalatorium dient.
- Die neugotische evangelische Kirche aus dem Jahre 1881.
- Die St. Johannes-Spitalkirche, die älteste Kirche Bad Reichenhalls, bereits im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnt.
- Die St. Ägidikirche, um 1159 erbaut.
- Das Salzmaierhaus aus dem 15. Jahrhundert, vor 1840 der Amtssitz der Salinenverwaltung.
- Das Heimatmuseum im sogenannten ehemaligen Getreidestadel.
- Das Schloss_Marzoll im Ortsteil Marzoll (momentan keine Innenbesichtigung möglich - stand 15.05.05)
Gewerbe
Bad Reichenhall lebt stark vom Fremdenverkehr und den Kurbetrieben. Deutschlandweit bekannt ist das Reichenhaller Markensalz in seiner typischen blauen oder gelben Verpackung mit der großen weißen Raute. Dies wird in der Saline Bad Reichenhall (Südsalz GmbH) hergestellt. Weltweit bekannt sind die Patisserieprodukte der Firma Reber, am bekanntesten wohl die Mozartkugeln. Ferner ist auch das in Bad Reichenhall stationierte Gebirgsjägerbataillon 231 ein großer Wirtschaftsfaktor der Region.
Religion
- Katholische Gemeinden
- St. Zeno
- St. Valentin (Marzoll)
- St. Nikolaus mit den Filialen St. Georg (Nonn), St. Pankraz (Karlstein) und Maria Hilf (Schneizlreuth) und den Nebenkirchen Brunnhaus, Krankenhaus, St. Ägid, St. Anna, St. Johann und Altersheim Kirchberg
- Evangelische Gemeinden
- Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde
- Freie Christengemeinde
- Evangelische Freikirche Mennoniten Brüdergemeinde
- Buddhistische Gemeinde
Weblinks
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