Baltikum
Das Baltikum ist ein östlich gelegener Teil Nordeuropas an der Ostsee. Es umfasst die Länder Litauen, Lettland und Estland sowie die zu Russland gehörende Oblast Kaliningrad, den nördlichen Teil des früheren Ostpreußen.
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Geschichte
Die Frühgeschichte des südlichen und zentralen Baltikums ist geprägt von den indogermanischen Balten, deren Siedlungsgebiet anfangs weit über das Baltikum hinaus bis nach Zentralrussland reichte, und im Norden von finno-ugrischen Jägern und Sammlern. Schon in der Vendelzeit bestand ein reger Austausch mit Skandinavien, ab dem 8. Jahrhundert kam es dann zu Handels- und Siedlungszügen der Wikinger ins Baltikum und die Flüsse entlang nach Russland. Während des ganzen Frühmittelalters bestanden enge Kontakte zwischen den baltischen Stämmen und der Kiewer Rus.
Im Hochmittelalter nach dem Ende der Kreuzzüge gerieten das Baltikum unter die Kontrolle des Deutschen Ordens, Dänemarks und Polen-Litauens. Damals wurde die Gegend – als letzter verbliebener heidnischer Teil Europas – christianisiert. Im nördlichen und südlichen Teil des Baltikums (deutsche Gebiete) wurde im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt, Litauen, das zu Polen gehörte, blieb katholisch. Viele der baltischen Hafenstädte sind alte Hansestädte und kulturell stark von Dänemark, Deutschland oder Schweden beeinflusst. Außerdem lebten in den baltischen Ländern bis zum Zweiten Weltkrieg viele Deutsche, die während der lettischen und estnischen nationalistischen Diktaturen vetreiben wurden, eine große russische und einejüdische Bevölkerungsgruppe. Auch heute noch besteht ein enger Kontakt, z.B. über rege genutzte Fährlinien, mit Skandinavien.
Als Folge der Nordischen Kriege kam 1710 das Baltikum zum russischen Zarenreich. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden infolge des auf Druck des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten mit der Sowjetunion geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk unabhängige Republiken. Teile Litauens wurden allerdings von Polen annektiert. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt und auf Betreiben der baltischen Bolschweiken kamen Litauen, Estland und Lettland zur Sowjetunion . Im Kriegsverlauf (Zweiter Weltkrieg) wurde das Gebiet von Wehrmachtstruppen besetzt, mit denen Letten, Esten und Litauer bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit im gesamten Baltikum und beim Überfall auf die Sowjetunion kollaborierten, bis das Gebiet schließlich von der Sowjetunion wieder besetzt wurde. Bei der Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam wurden von den Siegermächten die europäische Landkarte neu gezeichnet. Von 1944 bis 1991 waren Lettland, Estland und Litauen Teilrepubliken der Sowjetunion. Es siedelten sich hier in dieser Zeit wieder viele Balten-Russen und ehemalige Minderheiten an, die heute bedeutende Minderheiten in den baltischen Staaten bilden, besonders in Lettland und Estland. 1991 entstanden die unabhängigen Staaten nach Referenden neu. Vor allem in Lettland und Estland entstanden nationalistische Regierungen, die die Minderheiten stark unterdrücken, vetreiben und einem massiven Assimilationszwang aussetzen. Viele diskriminierende Gesetze wurden erst auf massiven Druck des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, der OSZE und der Nato aufgehoben. Wegen ihrer SS-Denkmäler wurden Lettland und Estland bereits mehrfach international kritisiert.
Am 1. Mai 2004 traten die baltischen Staaten der EU bei. Für das Kaliningrader Gebiet (Sonderwirtschaftszone Jantar), das dann zu Lande von der EU angehörenden Gebieten eingeschlossen sein wird, sind besondere Regelungen im Gespräch.
Sprachen
Die Litauische und Lettische Sprache gehören der indoeuropäische Sprachender Sprachgruppe der baltischen Sprachen an. Estnisch gehört hingegen einer dem Finnischen verwandte Sprache an, diese gehört zu den finno-ugrischen Sprachen. Rund 40% der Bevölkerung in Estland, 30% in Lettland und 8-10% in Litauen sind Balten-Russen , deshalb ist die russische Sprache weit verbreitet. Auch in der Oblast Kaliningrad wird russisch gesprochen. Das Baltikum gehörte ab 1710 Jahre zu Russland. Russland, später die Sowjetunion, sorgten für den Erhalt der litauischen, estnischen und lettischen Sprache. So wurden Kindergärten, Schulen und Universitäten( diese waren zuvor deutschsprachig) für diese teils sehr kleinen baltischen Volksgruppen finanziert. Eine Schriftsprache bekamen Esten und Lettetn erst im Laufe des 18. Jahrhunderts,als deutsche Pastoren die Bibel in diese Sprachen übersetzen. Das erste lettische Grammatikbuch wurde 1886 von Russen geschrieben, damit diese Sprache eine Systematik bekam. Durch das wiedererwachen des Nationalismus und Rechtsextremismus betreiben vor allem die Letten und Esten ethnische Säuberung und versuchen die seit vielen Jahrhunderten im Baltikum einheimische russische Kultur auszulöschen.
Landesnatur
Landschaftlich herrschen eine sehr dünne Besiedelung sowie sehr waldreiche, von Dünen und Moränen geprägte Landschaften vor. Wichtigste Städte des Baltikums sind Riga, Tallinn, Wilna, Kaunas, Klaipėda, Liepaja, Tartu und Kaliningrad.
Erweiterte Definition des Baltikums
Mit der Bezeichnung Baltikum können auch alle an das baltische Meer (wie die Ostsee in den meisten Sprachen heißt) angrenzenden Länder gemeint sein. Außer dem engeren Baltikum sind dies Russland, Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland und Polen.
Siehe auch: Portal Baltikum, Balten, Skandinavien, Baltische Straße, Tourismus im Baltikum
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