Baltische Mythologie
Unter baltischer Mythologie wird im allgemeinen die Mythologie der Letten, Litauer und Pruzzen zusammengefasst. Sie steht in enger Beziehung zu den Mythologien anderer Völker der indogermanischen Sprachfamilie, insbesondere zur slawischen und germaischen Mythologie, mit denen sie Polytheismus]]
Die wichtigsten Quellen der Baltischen Mythologie sind die sogenannten „Dainas“. Die Dainas sind ausgesprochen alte lettische Volkslieder, die seit der Christianisierung der Letten im Brauchtum überdauert haben und teilweise sehr genau von heidnisch-vorchristlicher Lebensweise und Religiosität berichten. Die Dainas bestehen meistens aus vierzeiligen Strophen, wobei jede Zeile höchstens acht Silben aufweist. Die umfassendste und bedeutendste Sammlung solcher Dainas ist die „Latvju dainas“ von Krišjānis Barons.
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Wesensheiten der baltischen Mythologie
Ahnen, Seelen, Geister
Im Gegensatz zum christlichen Leib-und-Seele-Dualismus gibt es bei den Balten wie in allen anderen antiken Mythologien eine Dreiteilung. Die Geister der Verstorbenen die sog. Vėlės wohnen nach dem Tode zunächst weiter in der Nähe ihrer Sippe auf hohen Sandhügeln an den Rändern der Dörfer. Es kann geschehen, daß der Gott des Glanzhimmels, Dievas die Vėlės in sein Reich ruft. Der Weg zu diesem Reich ist äußerst lang, so daß die Vėlės am Firmament auf Pferden reitend oder als Vögel fliegend versuchen in dieses Totenreich zu gelangen. Aus diesem Grunde wird die Milchstraße im litauischen Vogelweg genannt. Die Vėlės der Balten entsprechen der griechischem Psyche dem germanischen óðr sowie der römischen anima. Neben den Vėlės gibt es noch die siela entsprechend der griechischem Pneuma dem germanischen Odem / Seele sowie des römischen Spiritus. Die Siela verläßt den Leib eines Toten und nistet sich sogleich in einer Pflanze oder einem Tier ein. Am häufigsten dringen sie in Bäume wie Eiche, Birke oder Esche bei Männern und Linden oder Fichten bei Frauen ein. Es gab im Baltikum früher regelrechte Wälder mit Friedhofsbäumen vergleichbar mit einem Friedwald heutiger Zeit.
Die Götter und Göttinnen der baltischen Mythologie
- Dievas - Himmelsgott verwandt dem griechischem Zeus
- Perkūnas - baltische Entsprechung des Wettergottes Donar
- Velinas - Totengott ähnlich Wodan
- Saulė - die Sonnengöttin entsprechend unserer Frau Sunna
- Žemyna - die baltische „Mutter Erde“ vergleichbar der germanischen Erda/Jörd
- Mėnuo - der Mondgott
- Gabinja - Göttin des Herdfeuers
- Ragana - Göttin des Todes und der Wiedergeburt, Entsprechung in der Baba-Yaga russischer Volksmärchen
- Laima - baltische Schicksalsgöttin mit Ähnlichkeiten zu den griechischen Moiren, den römischen Parzen oder den germanischen Nornen
- Austėja - Bienengöttin und Beschützerin schwangerer Frauen
- Kalvis - der göttliche Schmied
Weitere Wesensheiten der baltischen Mythologie
Als Luamės werden in im Baltikum Feenwesen in Gestalt langhaariger nackter Frauen, die in der Nähe von Gewässern und Wäldern leben bezeichnet.
Die Traditionen der baltischen Mythologie werden bis heute in Lettland von den sog. Dievturi und in Litauen von den sog. Romuva gepflegt.
Bücher zum Thema
- Marija Gimbutas, Die Balten - Volk im Ostseeraum, Herbig 1963, ISBN 3-7766-1266-5
Siehe auch
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