Banater Schwaben

Die Banater Schwaben sind eine Bevölkerungsgruppe, die vor 200-300 Jahren aus Süddeutschland in das damals fast entvölkerte Banat ausgewandert sind. Diese fruchtbare historische Landschaft wird seit 1918 von drei Grenzen durchschnitten: der Großteil liegt im Südwesten Rumäniens, und kleinere Teile im Grenzgebiet von Serbien und Ungarn im Süden der Pannonischen Tiefebene.

Die ehemals starke und wirtschaftlich-kulturell bedeutende deutsche Minderheit ist seit einigen Jahrzehnten in starker Abnahme begriffen, weil politischer Druck und ökonomische Zwänge eine Auswanderung nach Deutschland bewirkt haben.

Inhaltsverzeichnis

Besiedlung des Banat und die Donauschwaben

Die "Banater" werden mit anderen deutschsprachigen Volksgruppen unter dem Sammelbegriff Donauschwaben subsumiert. Deren Siedlungsgebiete liegen neben dem Banat auch in der westlicher gelegenen Batschka, in der Schwäbischen Türkei (heutiges Süd-Ungarn), in Slawonien sowie in Sathmar (heutiges Nordwest-Rumänien, Bezirk Satu Mare). Alle diese Gebiete gehörten zur Österreich-Ungarischen Monarchie.

Nach dem Friedens-Vertrag von Trianon wurde das Banat 1920 zwischen Rumänien und Jugoslawien aufgeteilt und nur wenig blieb bei Ungarn, zu dessen Reichshälfte alle oben genannten Siedlungsgebiete Regionen gezählt hatten.

Nach Türkenkriegen menschenleer und sumpfig

Die Banater "Schwaben" kamen vor allem im 18. Jahrhundert in die Region, welche nach dem Abzug der von Österreich vertriebenen Türken fast menschenleer und durch Sumpflandschaften auch gefährlich war. Die Siedler begannen die Rekultivierung wesentlich rascher und erfolgreicher als die bereits ansässigen Einwohner, hatten aber periodische Probleme mit Fieberkrankheiten, die von Stechmücken aus den Sümpfen herrührten.

Einige Gebiete der Banater- und Donauschwaben wurden allerdings schon vor 800 Jahren deutsch besiedelt (teilweise gleichzeitig mit den Ungarn und Slawen) und haben kleine, alte Mundarten bewahrt - vergleichbar den deutschen Kimbern im Norden Italiens.

Herkunft und Förderung der "Banater"

Ein Großteil der Siedler kam zwar aus schwäbischen Regionen im Bereich des ehemaligen Vorderösterreich, doch ebenso viele aus Franken, Bayern und Österreich. Auch größere Gruppen aus Elsass-Lothringen sind nachweisbar, neben kleineren Gruppen aus Mitteldeutschland.

Die meisten der Siedler kamen aus der Landwirtschaft und waren Zweit- und Dritt-Geborene aus armen Bauernfamilien, die in der Heimat wenig Chancen sahen. In der Zeit Maria Theresias bekamen sie eine merkliche finanzielle Unterstützung und langfristige Steuer-Erleichterungen. Letztere fiel für Verheiratete um ein vielfaches höher aus, weil sonst der Männerüberschuss zu groß gewesen wäre.

Auch Handwerker wurden finanziell gefördert, ebenso Lehrer, Ärzte usw. manche schwäbische Aussiedler-Gruppe wurde gleich vom Pfarrer oder Bader begleitet, wie im mehrbändigen Werk von Müller-Guttenbrunn amüsant nachzulesen ist.

Auswanderung der Banater und Donauschwaben zwischen 1918 und 1990

Nach dem Ende der Donaumonarchie nahmen die deutschen Minderheiten in Südosteuropa langsam ab, weil mancher nicht in einem fremdsprachig regierten Land bleiben wollte.

Während des 1. Weltkrieges war die Stimmung, was Deutschland betraf, schwankend. Neigte König Karl I. (1881-1914) eher den Mittelmächten zu, drehte sein Neffe Ferdinand von Hohenzollern als Ferdinand I. 1916-1927) die Ausrichtung um. Als Mitglied der Entente zählte Rumänien schließlich zu den Siegermächten und die deutschen Minderheiten bekamen die negative Stimmung zu den Ländern ihrer Vorväter zu spüren.

Politische Motive als Folge des Ersten Weltkriegs

Mit dem Friedensvertrag von Versailles 1920 wurde Rumänien neben Bessarabien auch Siebenbürgen zugesprochen, und im Vertrag von Trianon auch der Großteil des Banats. Im nunmehrigen "Großrumänien" - das sich flächenmäßig etwa verdoppelte - machten die Minderheitensprachen fast 15% aus, was ihnen einen gewissen Einfluss sicherte, später aber zu einigen Wechseln in der Politik des Staates führte. So kam es nach 1935 zu mehrmaliger Anlehnung an das Dritte Reich (Gründe waren die Wirtschaft und der russische Nachbar), doch auch zu Gegenbewegungen - etwa durch Carol II..

Als Folge dieser "Wackelpolitik" zwischen Hitler und Stalin (letzterer besetzte 1940 Bessarabien und die Bukowina) gerieten die Banater und Siebenbürger Deutsche in den Augen des rumänischen Mehrheitsvolkes ins Zwielicht, wozu auch der pro-deutsche Putsch von General Antonescu und die Greueltaten seiner "Eisernen Garde" viel beitrugen.

Situation nach 1945

Zu Ende des Zweiten Weltkriegs erhöhte sich der Druck auf die Minderheit, nach Deutschland oder Österreich auszuwandern; viele kamen auch zu Tode - insbesondere im jugoslawischen Banat - oder wurden vertrieben; in den letzten Kriegswochen kam es auch vor, dass nicht nur Soldaten der deutschen Wehrmacht, sondern ganze Dörfer in russische Gefangenschaft verbracht wurden (siehe Weblinks).

Nach 1945 geriet ganz Rumänien - entgegen den Abmachungen - völlig unter sowjetischen Einfluss. Stalins Militärverwaltung verbot alle bürgerlichen Parteien und die (zuletzt deutschfreundliche) Monarchie wurde Ende 1947 abgeschafft. Der KP-Chef Gheorghe Gheorghiu-Dej erwarb sich in dieser Zeit den Ruf eines "rumänischen Stalin".

Obwohl die Familien der meisten Banater- und Donauschwaben schon seit etwa 10 Generationen im Land waren - manche sogar seit 800 Jahren - und seine Kultur, Landwirtschaft und den Städtebau entscheidend geprägt hatten, führten die politischen Spannungen und Diskriminierung, die Not und das vielfache Verbot kulturell-sprachlicher Aktivitäten zu langsamer Rückbesinnung auf die Heimat der fernen Vorfahren. Sie war im ländlicher geprägten Banat etwas stärker als in Siebenbürgen, wo die deutsche Kultur die Städte großgemacht hatte und sich durch die starke ungarische Minderheit (bzw. lokale Mehrheit) sicherer fühlte.

Ceausescus Dorfzerstörung und Kopfsteuer

Dieser Gesinnungswandel wuchs sich zu einer massiven dritten Auswanderungswelle aus, die auch die Siebenbürger Sachsen betraf. Der 1974 an die Macht gekommenen Nicolae Ceausescu löste zwar langsam die Abhängigkeit von der Sowjetunion, war aber ein scharfer Gegner der Minderheiten.

Darüber hinaus plante er große landwirtschaftliche Komplexe, zu dem etwa 8.000 Dörfer die Grundflächen liefern sollten. Es gipfelte in einem radikalen "Dörferzerstörungs-Programm", wo Bagger hunderte Dörfer einebneten - bevorzugt "natürlich" jene mit größerer deutschsprachiger Bevölkerung.

In dieser Situation - die letztlich zu seinem Sturz 1989 beitrug - konnte der Diktator auf eine seltsame Allianz bauen. Die Not der deutschen Minderheiten bewegte auch in Deutschland die Gemüter, und Ceausescu nützte diese Solidarität auf seine Weise aus. Durch ein von der BRD finanziertes "Kopfgeld" an die rumänische Regierung wurde zwar auch den Auswanderungswilligen geholfen, doch verblieb nachher kaum mehr ein Viertel der ursprünglichen Minderheit im Lande. Im Jahrzehnt um etwa 1980 dürfte die Auswanderung an die 200.000 Personen betroffen haben.

Rumänischer "Aderlass" versus Chancen in Ungarn

Bis heute spürt Rumänien diesen gewaltigen Aderlass an engagierten, kulturell und wirtschaftlich sehr wirksamen Staatsbürgern. Als das den Politikern klar wurde, war die Emigrationswelle nicht mehr zu stoppen.

Viele Banater und Donauschwaben wanderten auch in die USA aus, sowie nach Brasilien und Argentinien, Kanada und Australien. Diese Emigration fand vor allen nach den Vertreibungen statt, aber auch schon ab den Friedensvertägen von 1920. Die Auswanderung der Rumäniendeutschen wurde noch bis 1989 gefördert.

Ab etwa 1970 hatten nun fast alle Banater und Siebenbürger Deutsche Verwandte im Westen. Dadurch kam es 1990 - nach der Wende - zu einer 4., allerdings kleineren Emigrationswelle. Sie ebbte nach einigen Jahren auf den derzeit niedrigen Stand ab. Vereinzelt wandern Emigranten wieder nach Rumänien zurück - sei es als Industrielle, als engagierte Lehrer, Kindergärtnerin oder im Rahmen von Entwicklungsprojekten.

Heute ist die deutsche Minderheit in Rumänien auf etwa ein Zehntel ihres früheren Bevölkerung geschrumpft und gleichzeitig überaltert, weil es vornehmlich die Jungen in den Westen zog.

In Serbien und Kroatien ist die Situation ähnlich, während in Ungarn über 200.000 Donauschwaben im Lande blieben und sogar ihre eigene politische Vertretung haben. Einige Städte und viele Dörfer haben deutschsprachige Bürgermeister, und ab einem gewissen Prozentanteil (?) müssen Gremien für die politische Vertretung eingerichtet werden. Größere Aktionen zur Vertreibung und Enteignung fanden in Ungarn nur zwischen 1945 und 1948 statt.

Die im "Gulyas-Kommunismus" stabilere Lage und nunmehrige Zufriedenheit der deutschsprachigen Minderheit brachte und bringt auch dem ungarischen Staat Vorteile bei der Entwicklung der Wirtschaft und der Demokratie, und in der rascheren Annäherung an die Europäische Union. Der Gewinn durch die jetzige Situation ist für den ungarischen Staat um ein Vielfaches größer als der den eine Kopfsteuer a la Ceausescu erbracht hätte.

Resümee und Literatur

Von den früher etwa 750.000 Deutschen in Rumänien (insgesamt in den 3 Ländern 1½ Millionen) ist kaum ein Zehntel im Land geblieben, obwohl sich 1919 die meisten für den neuen Staat entschieden. Nach den beiden Weltkriegen gab es auch Internierungs- und Vertreibungsaktionen, insbesondere in Jugoslawien, und Flucht vor der Roten Armee.

In den folgenden Jahren sind vor allem die Jüngeren - in 3 Wellen mit jährlich bis zu 10.000 Personen - nach Deutschland ausgewandert, aber auch in andere Staaten. Vielfach waren Zahlungen der BRD eine Entscheidungshilfe, doch wird nun beidseits getrachtet, "die Minderheit zu stabilisieren".

In vielen Banater Dörfern ist sie zu gering oder zu alt, um den langsamen Verfall der Bausubstanz aufzuhalten. In anderen gelingt es Lehrern oder Pfarrern, ein kulturelles Leben aufrecht zu erhalten. Bei Begegnungen im Grenzgebiet zu Serbien oder Ungarn ist oft erstaunlich, wie mühelos von Deutsch auf Rumänisch oder die dritte Sprache gewechselt wird, und wie man mit der EU-Politik vertraut ist.

Viele Gebliebene haben Kontakt nach Deutschland und auch zu einem Aussiedler- oder Vertriebenenverband. Diese müssen sich manchem Sparplan der Kulturpolitik unterwerfen und mußten sich vor einigen Jahren gegen Zusammenlegungen mit den Siebenbürger Sachsen wehren. Inzwischen werden die Unterschiede und Traditionen der beiden Volksgruppen in der neuen Heimat weitgehend akzeptiert - und vielfach auch in Rumänien.

Banater Vereinsleben in Deutschland und Österreich

Die donauschwäbischen Rückwanderer pflegen in vielen Vereinen - speziell in Süddeutschland und in der Umgebung Wiens - ihr traditionelles Brauchtum und ihre alte Mundarten. Sie sind untereinander in Dachverbänden vernetzt und am politischen Leben stärker interessiert als im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung.

.... (Ergänzung folgt, siehe auch Weblinks)

Die Vereine haben meist die traditionellen Wappen übernommen. Sie zeigen die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold und die donauschwäbischen Stammesfarben Weiß-Grün. Sie bedeuten die friedliche Gesinnung und die Hoffnung auf neue Heimat - und enthält für die Rückwanderer dieselbe Symbolik. Durch viele Wappen zieht sich die Donau als "Schicksalsstrom", auf dem die Vorfahren in selbstgezimmerten Ulmer Schachteln stromabwärts fuhren.

Siehe auch

Weblinks

See also: Banater Schwaben, 1. Weltkrieg, 18. Jahrhundert, 1881, 1914, 1916, 1920, 1927, 1940, 1947